Go West! Zur Eröffnung des Festivalsommers spüren Riccardo Chailly und das Lucerne Festival Orchestra verschiedenen «American Dreams» nach. Da wäre zunächst George Gershwin, der Klassik und Jazz so genial miteinander verband, dass von E- oder U-Musik keine Rede mehr sein kann. Zu seiner schmissigen Cuban Overture, die auf Rumba-Rhythmen tanzt, inspirierte ihn ein Besuch in Havanna. In seinem grossen Concerto in F dagegen, für Chailly «das erste amerikanische Klavierkonzert», geben Charleston und Blues den Ton an. Das Finale bezeichnete Gershwin als «eine rhythmische Orgie»: genau das richtige Stück für einen Grenzgänger wie den 34-jährigen Frank Dupree mit seiner überbordenden Energie und ansteckenden Spielfreude. Der zweite Teil des Abends gehört aber Charles Ives, dem Pionier der musikalischen Freiheit, der sich keinen Regeln unterwarf. Seine Erste Sinfonie steht zwar noch in der romantischen Tradition, doch steuert sie mit ihrem ungebrochenen Optimismus zugleich eine uramerikanische Note bei. Vor allem: Ihr munterer Mix aus schwelgerischen Melodien, wilden Ausbrüchen, berührendem Gospelsound und peppigen Marschrhythmen bietet einfach beste Unterhaltung!