Geschichte

Vorgeschichte

1938 –1939

1940–1949

1950–1959

1960–1969

1970–1979

1980–1989

1990–1999

2000–2009

2010–

Die Luzerner Osterspiele auf dem Weinmarkt (von 1453 bis ins 16. Jahrhundert) gelten als herausragende Bühnenleistung in der Frühgeschichte des deutschsprachigen Dramas.

Im 19. Jahrhundert veranstaltet die Allgemeine Schweizerische Musikgesellschaft (später: Schweizerischer Tonkünstlerverein) Musikfeste in Luzern.

Von 1866 bis 1872 lebt Richard Wagner im nahegelegenen Tribschen, wo er u. a. Die Meistersinger von Nürnberg vollendet und Teile des Rings komponiert. Bereits ein Jahrzehnt zuvor, im Zürcher Exil, hatte er Festspiele am Vierwaldstättersee erwogen – eine Idee, die um 1930 auch seinen Sohn Siegfried umtreibt. Richard Strauss und Max Reinhardt ziehen Luzern ebenfalls als Festivalstadt in Betracht, ehe sie die Salzburger Festspiele ins Leben rufen.

Schon vor der Gründung der Musikfestwochen treten in Luzern regelmässig Gastorchester unter bedeutenden Dirigenten wie Arthur Nikisch, Arturo Toscanini oder Wilhelm Furtwängler auf. Neben dieser Tradition kann sich Stadtpräsident Jakob Zimmerli – die federführende Kraft bei der Etablierung eines Musikfestivals, das auch dem Tourismus neue Impulse verleihen soll – auf eine solide Infrastruktur stützen: den Kursaal des Grand Casino Luzern, den Saal des Hotel Union sowie das 1933 eröffnete Kunst- und Kongresshaus.

Erste Pläne für ein Musikfestival werden 1936/37 erarbeitet, angeregt durch den Schweizer Dirigenten Ernest Ansermet und unter Mitarbeit von Walter Schulthess, dem Leiter der Konzertgesellschaft AG Zürich. Als Klangkörper ist das Luzerner Kursaal-Orchester vorgesehen, verstärkt um Musiker aus den Reihen des 1918 von Ansermet gegründeten Orchestre de la Suisse Romande. Als Dirigent wird Richard Strauss angefragt, der aber 1938 absagt. 1937 findet im Kursaal ein «Probelauf» mit den Radioorchestern aus Zürich und Lausanne unter der Leitung von Robert F. Denzler statt.

1938

Am 25. August 1938 leitet Arturo Toscanini ein Gala-Konzert in Tribschen, für das ein Ad-hoc-Orchester aus den besten Musikern der Zeit zusammengestellt wird, das sogenannte «Eliteorchester». Der Auftritt erregt internationales Aufsehen und gilt fortan als die Geburtsstunde der Internationalen Musikfestwochen Luzern (IMF), des späteren LUCERNE FESTIVAL – obwohl der Veranstaltungsreigen, der auch Kammermusik und Liederabende umfasst, eigentlich bereits mit einem Auftritt Ernest Ansermets und Alfred Cortots am 18. Juli 1938 begonnen hat. Weitere Orchesterkonzerte dirigieren Fritz Busch, Bruno Walter und Willem Mengelberg. Dabei kommt Luzern die unheilvolle politische Situation entgegen, weil Künstler wie Toscanini, Busch oder Walter wegen ihrer politischen Gesinnung oder ihrer Herkunft weder in Bayreuth noch in Salzburg auftreten wollen bzw. dürfen. Der Erfolg des ersten Festivals animiert zur Fortsetzung.

1939

Bereits 1939 präsentieren die IMF ein glanzvolles Programm: Arturo Toscanini mietet von Juli bis September eine Wohnung im nahegelegenen Kastanienbaum und dirigiert sechs Konzerte – zwei davon in Vertretung Bruno Walters, der seine Mitwirkung nach Probenbeginn wegen einer Familientragödie kurzfristig absagen muss, aber 1949 und 1950 nach Luzern zurückkehrt. Als Höhepunkt dieses zweiten Sommers gilt Toscaninis Aufführung des Verdi-Requiems in der Jesuitenkirche. Solisten wie Vladimir Horowitz, Pablo Casals und Sergej Rachmaninow, der von 1932 bis 1939 in der «Villa Senar» in Hertenstein lebt, verleihen dem Anlass zusätzlichen Glamour. Unmittelbar nach dem Ende der Festwochen bricht der Zweite Weltkrieg aus.

1940

Aufgrund des Zweiten Weltkriegs finden 1940 keine Internationalen Musikfestwochen (IMF) statt – die einzige Unterbrechung in der Geschichte der Festspiele. Das Kunst- und Kongresshaus wird vom Militär belegt.

1941

Die beiden ersten Festspielsommer während des Krieges gestaltet das Mailänder Scala-Orchester, das von Victor de Sabata, Antonio Guarneri und Tullio Serafin sowie den Schweizern Robert F. Denzler und Othmar Schoeck geleitet wird.

1943

Als Reaktion auf die Verpflichtung eines Gastorchesters aus einem faschistisch regierten Land in den Vorjahren initiieren der Schweizerische Musikerverband und sein Präsident Rudolf Leuzinger die Gründung des Schweizerischen Festspielorchesters. Es bildet bis zu seiner Auflösung im Jahr 1993 ein künstlerisches Herzstück der Festwochen. Auf das Eröffnungskonzert mit Denzler folgen Auftritte unter Paul Kletzki, Ernest Ansermet, Hans Münch und Carl Schuricht.

Walter Strebi (von 1953 bis 1965 Präsident der IMF) etabliert die am Luzerner Konservatorium durchgeführten Meisterkurse, für die Dozenten wie Edwin Fischer und Carl Flesch, später dann Enrico Mainardi, Georg Kulenkampff oder Wolfgang Schneiderhan gewonnen werden können. 1945 leitet Ernest Ansermet einen ersten Dirigierkurs – eine Tradition, die u. a. Herbert von Karajan (1955), Rafael Kubelík (1982), Pierre Boulez (2003–2012) und Bernard Haitink (seit 2011) fortführen.

1944

Zwei künftige Schlüsselfiguren debutieren bei den IMF: Wilhelm Furtwängler steht erstmals am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters, sagt aber im Jahr darauf seine Mitwirkung wegen antideutscher Proteste in Zürich und Winterthur ab. Nach seiner «Entnazifizierung» 1947 steht der nun am Genfersee lebende Dirigent bis zu seinem Tod im Jahr 1954 im Zentrum der IMF. Zudem erklingt vor dem Luzerner Löwendenkmal erstmals eine Serenade mit dem Collegium Musicum Zürich unter der Leitung Paul Sachers, der die beliebte Abendveranstaltung bis 1996 allsommerlich leitet.

1946

Zwei Extrakonzerte Arturo Toscaninis mit dem Scala-Orchester im Juli, also noch vor Beginn der Festwochen, sind zugleich die letzten Auftritte des Maestros in Luzern. Der Geiger Yehudi Menuhin debutiert in Luzern. Das Schweizerische Festspielorchester nimmt seine erste Schallplatte unter Studiobedingungen auf (Brahms’ Vierte Sinfonie unter Kletzki), zugleich die erste Plattenproduktion eines Schweizer Klangkörpers für den Weltmarkt.

1948

Nach Aufhebung der während des Zweiten Weltkriegs und in den unmittelbaren Nachkriegsjahren geltenden Reisebeschränkungen ist eine zunehmende Internationalisierung der IMF festzustellen. Zwei wichtige Debuts am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters: Der aus der Tschechoslowakei geflüchtete Rafael Kubelík dirigiert das Eröffnungskonzert, und auch Herbert von Karajan tritt erstmals auf – Luzern ist die erste ausländische Stadt, die den «Entnazifizierten» einlädt. Beide Dirigenten werden die IMF in den folgenden Jahrzehnten prägen.

1949

Mit dem Lied von der Erde (unter Kletzki) erklingt erstmals ein Werk Gustav Mahlers im Rahmen der Musikfestwochen. (Eine 1939 geplante Aufführung der Auferstehungssinfonie hatte Bruno Walter kurzfristig absagen müssen.)

1950

Dinu Lipattis letzter Auftritt bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern (IMF): Wenige Monate vor seinem Tod interpretiert er gemeinsam mit Herbert von Karajan und dem Schweizerischen Festspielorchester Mozarts Klavierkonzert KV 467; der Live-Mitschnitt erringt Legendenstatus.

1951

Mit den Wiener Symphonikern (unter Karajan) gastiert erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg ein ausländischer Klangkörper bei den IMF. Igor Markevitch, André Cluytens sowie Leopold Stokowski debutieren in Luzern (allesamt am Pult des Schweizerischen Festspielorchesters).

1952

Als Einspringer für den erkrankten Wilhelm Furtwängler stellt sich Ferenc Fricsay vor. Bis zu seinem Tod im Jahr 1963 setzt der ungarische Maestro als Stammgast der IMF regelmässig markante Akzente.

1953

Der Luzerner Rechtsanwalt und Regierungsrat Walter Strebi, ein Förderer und initiativer Geist der Festspiele seit ihrer Gründung, wird Präsident des Organisationskomitees (bis 1965). Er ist sogleich mit wirtschaftlichen Problemen konfrontiert: Während die Presse einen stärkeren Einsatz für die moderne Musik fordert, «glänzt» das Publikum bei mutigeren Programmen (selbst bei Karajans Aufführung von Strawinskys Oedipus Rex) durch Abwesenheit. Der junge Guido Cantelli erobert es dagegen im Sturm.

1954

Bereits länger schwelende Konflikte mit dem Schweizerischen Festspielorchester brechen offen aus: Der Klangkörper, der seit 1943 fast sämtliche Sinfoniekonzerte bestritten hat, beharrt auf seiner Vormachtstellung in künstlerischen Fragen; die IMF-Organisatoren wiederum fordern als Hauptverantwortliche der Festspiele ein Mitspracherecht bei der Programmkonzeption. Da vorerst keine Lösung in Sicht ist, ersetzen sie das «Hausorchester» kurzerhand durch das Londoner Philharmonia Orchestra (mit Cluytens, Edwin Fischer, Fricsay, Furtwängler, Karajan und Kubelík). Im Anschluss an den Festspielsommer wird die Zusammenarbeit mit dem neu formierten Schweizerischen Festspielorchester neu lanciert.

1955

Nach Furtwänglers Tod wird Karajan zum neuen «Aushängeschild» der IMF: Neben zwei Konzerten mit dem Schweizerischen Festspielorchester bietet er auch einen Dirigierkurs an. Das Abschlusskonzert leitet Otto Klemperer.

1956

Wolfgang Schneiderhan und Rudolf Baumgartner gründen die Festival Strings Lucerne und widmen eines der ersten drei Konzerte der zeitgenössischen Musik: die Geburt der Reihe «Musica Nova», die über Jahrzehnte fortgesetzt wird. Neben dem Schweizerischen Festspielorchester wird mit grossem Erfolg erneut das Philharmonia Orchestra als Gastorchester verpflichtet. Damit beginnt die unvergleichliche Parade internationaler Spitzenorchester, bis heute ein Gütesiegel des Festivals.

1957

Erster Auftritt der Wiener Philharmoniker (mit drei Konzerten unter Cluytens, Kubelík und Dimitri Mitropoulos und einem Kammermusikabend), die den IMF seither die Treue halten.

1958

Im Jubiläumsjahr der IMF sind erstmals die Berliner Philharmoniker zu Gast (unter Karajan, Klemperer und Fritz Reiner). Mit regelmässigen, ab den späten 1960ern jährlichen Konzerten unter der Leitung ihres Chefdirigenten Karajan (der nun nicht mehr mit dem Schweizerischen Festspielorchester auftritt) werden sie zum Publikumsmagneten. Debut von Lorin Maazel. Arthur Rubinstein gibt seinen ersten Luzerner Klavierabend.

1959

Zum 20. Jubiläum des Luzerner Festwochenchors leitet Sir Thomas Beecham eine Aufführung des Messiah in «Mammutbesetzung». Einziger Auftritt Glenn Goulds.

1960

Zum 100. Geburtstag Gustav Mahlers bringen Otto Klemperer und das Philharmonia Orchestra das Lied von der Erde zur Aufführung. Dietrich Fischer-Dieskau singt unter George Szell die Kindertotenlieder. Aus Tokio kommt erstmals das NHK Symphony Orchestra nach Luzern.

1961

Ferenc Fricsay dirigiert die Uraufführung von Zoltán Kodálys Sinfonie in C, entstanden für das Schweizerische Festspielorchester, das auch in den folgenden Jahren regelmässig zeitgenössische Komponisten mit Werkaufträgen betraut.

1963

Im Gedenken an die Pianistin Clara Haskil, ein regelmässiger Gast bei den Iinternationalen Musikfestwochen, wird erstmals der Klavierwettbewerb «Concours Clara Haskil» durchgeführt – ohne indes einen Sieger zu küren. Weitere Wettbewerbe im Rahmen der IMF finden 1965 (Preisträger: Christoph Eschenbach), 1967 (Preisträgerin: Dinorah Varsi) und 1969 (kein Gewinner) statt.

1964

Mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra unter William Steinberg gastiert erstmals ein amerikanischer Klangkörper bei den IMF. Aufsehen erregt, mitten im Kalten Krieg, zudem ein Rezital des russischen Ausnahmepianisten Swjatoslaw Richter. Die Reihe «Junge Künstler», die Nachwuchshoffnungen in den Fokus rückt, erlebt mit Jacqueline du Pré und Peter Serkin einen spektakulären Beginn.

1965

Walter Strebi wird erster Ehrenpräsident der IMF, zu seinem Nachfolger als Präsident wird der Rechtsprofessor Alois Troller ernannt (bis 1971). Toller strebt eine Abkehr von der erstarrten Programmkonzeption an, was schliesslich zur Umstrukturierung und Professionalisierung der IMF führt. Der erste Auftritt des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks (unter Rafael Kubelík) markiert den Beginn einer bis heute andauernden engen Zusammenarbeit.

1966

Durch die Gründung der Stiftung «Freunde der Internationalen Musikfestwochen Luzern» sichern sich die Verantwortlichen eine wesentliche finanzielle und ideelle Unterstützung durch interessierte Privatpersonen und Wirtschaftskreise. Mit Claudio Abbado, Daniel Barenboim und Bernard Haitink debutieren gleich drei aufstrebende Pultstars, die dem Festival als prägende Persönlichkeiten über Jahrzehnte eng verbunden bleiben.

1967

Als zweiter US-amerikanischer Klangkörper gastiert das Cleveland Orchestra (unter George Szell und Karajan) bei den IMF.

1968

Zum 30. Jubiläum der IMF wird das Programmangebot auf insgesamt 32 Veranstaltungen, erweitert, die Hälfte davon Sinfoniekonzerte. Für Furore sorgt insbesondere der erste Auftritt des New York Philharmonic unter Leonard Bernstein. Auf Initiative Alois Trollers beginnen die Planungen für eine Neuorganisation der IMF im Jahr 1970: Um die bislang ehrenamtliche Leitung zu professionalisieren, sollen dem Präsidenten mit Rudolf Baumgartner ein künstlerischer und in der Person des Luzerner Verkehrsdirektors Othmar Fries ein administrativer Direktor zur Seite gestellt werden. Dem Vorhaben erwächst Opposition vor allem seitens der bisher federführenden Programmkommission, doch kann Toller die angestrebten Neuerungen durchsetzen.

1969

Ein Jahr nach der blutigen Niederschlagung des «Prager Frühlings» gastiert mit der Tschechischen Philharmonie erstmals ein Orchester aus dem Ostblock in Luzern, und das mit gleich drei Konzerten. Der Exil-Tscheche Rafael Kubelík lädt die Musiker zu einer Gartenparty ein und überreichte ihnen eine eigens gestiftete «Freiheitsgedenkmedaille», die jedoch von den begleitenden Funktionären rasch eingezogen wird. Walter Schulthess, der die IMF als Berater seit ihrer Gründung massgeblich geprägt hat, scheidet aus dem Organisationskomitee aus.

1970

Gründung der «Stiftung Internationale Musikfestwochen» und Beginn der Ära Rudolf Baumgartner. Da der neue künstlerische Direktor auch dem Konservatorium vorsteht und die Festival Strings Lucerne leitet, entsteht eine noch engere Verbindung zwischen den Luzerner Musikinstitutionen. Auch setzt er wichtige Akzente: Als Neuerung erhält das Programm nun jedes Jahr einen thematischen Schwerpunkt; überdies wird die Moderne vermehrt einbezogen, im Beethoven-Jahr 1970 etwa durch die Konfrontation seiner neun Sinfonien mit Werken des 20. Jahrhunderts. Die Festivalthemen sind zunächst auf Komponisten oder nach geographischen Gesichtspunkten ausgerichtet, etwa «Musik Schweizer Komponisten» (1973) oder «Musikland Spanien» (1976), Igor Strawinsky (1972) oder Maurice Ravel (1975). Die «Musica Nova»-Konzerte werden um die Reihe «Perspektiven» ergänzt, die jeweils einen Komponisten ins Zentrum stellt, so in den ersten Jahren Mauricio Kagel, Iannis Xenakis, Karlheinz Stockhausen, Klaus Huber, György Ligeti und Witold Lutosławski. Nach zwei kurzfristigen Absagen in den Vorjahren gibt Arturo Benedetti Michelangeli sein erstes (und einziges) Rezital.

1971

Stadtpräsident Hans Rudolf Meyer wird Präsident der IMF (bis 1978). Erste Klavierabende von Vladimir Ashkenazy und Radu Lupu (als Einspringer für Arturo Benedetti Michelangeli). Der Geiger Yehudi Menuhin und der indische Sitar-Virtuose Ravi Shankar gestalten den Musikabend «Ost und West».

1972

Zum 90. Geburtstag Igor Strawinskys erklingt in jedem der elf Sinfoniekonzerte mindestens eines seiner Werke. Erster Auftritt des Royal Concertgebouw Orchestra aus Amsterdam. Vorerst letzte Aufführung (Händels Messias) in der Jesuitenkirche, die renoviert wird und bis 1981 für Konzerte geschlossen bleibt.

1973

Der «Concours Clara Haskil» wird an den ehemaligen Wohnort der Pianistin nach Vevey verlegt. Gleichzeitig verstärken die IMF ihr Engagement für Nachwuchsinterpreten und bauen die Reihe «Junge Künstler» als Plattform für den Karrierestart aus – mit Auftritten der 13-jährigen Anne-Sophie Mutter, von Maria João Pires, Christian Tetzlaff und Thomas Zehetmair, von Frank Peter Zimmermann und dem Hagen Quartett.

1974

Das Motto «Musik der Zweiten Wiener Schule» begeistert zwar die Presse, doch das Wagnis erweist sich als zu gross: Angesichts des geringen Publikumszuspruchs muss die künstlerische Leitung ihre Bestrebungen korrigieren und verstärkt die «gemässigte» Moderne berücksichtigen, um ein finanzielles Debakel zu verhindern. Sergiu Celibidache dirigiert erstmals das Schweizerische Festspielorchester – und bedingt sich für Schönbergs Orchestervariationen op. 31 gleich acht Proben aus!

1975

Erster Auftritt von Pierre Boulez, mit zwei Konzerten am Pult des New York Philharmonic.

1976

Debut-Rezital von Maurizio Pollini.

1977

Um neue Publikumsschichten zu gewinnen, bieten die IMF erstmals ein «Konzert für Betagte und Behinderte» sowie eine Open-Air-Veranstaltung für Jugendliche an.

1978

Doppeljubiläum: Der 800.Geburtstag der Stadt Luzern und das 40-jährige Bestehen der IMF fallen zusammen. Othmar Fries wird vollamtlicher Administrativer Direktor der IMF (bis 1988).

1979

Werner Bühlmann löst Hans Rudolf Meyer als Präsident der IMF ab (bis 1988). Erste Gastspiele des Boston Symphony Orchestra (unter Seiji Ozawa) sowie – als erste Einladung eines Klangkörpers aus der DDR – der Staatskapelle Dresden (unter Herbert Blomstedt).

1980

Nach der Kündigung Rudolf Baumgartners wird Ulrich Meyer-Schoellkopf, zugleich Direktor des Stadttheaters (bis 1982) und Chefdirigent des Orchesters der Allgemeinen Musikgesellschaft Luzern (des heutigen Luzerner Sinfonieorchesters), zum neuen Künstlerischen Direktor ernannt (bis 1991). Ihm gelingt es, die Finanzen zu konsolidieren und die Weiterentwicklung der Internationalen Musikfestwochen durch eine «Politik der kleinen Schritte» voranzutreiben. Zur stärkeren internationalen Vernetzung der IMF etabliert er ein Beratergremium, dem Vladimir Ashkenazy, Rafael Kubelík und Paul Sacher angehören. Die etablierte Fokussierung jedes Festspieljahrgangs auf ein Thema wird fortgesetzt.

1981

Vladimir Ashkenazy regt erstmals den Bau eines neuen Konzertsaals an. Aus privaten Quellen und durch Benefizauftritte Ashkenazys und Kubelíks kommen in den Folgejahren die Mittel für einen Ideenwettbewerb und die Vorplanung zusammen, die das Luzerner Stimmvolk 1989 bewilligt.

1982

Königin Elisabeth II. übernimmt das Patronat der IMF, die dem Thema «England» gewidmet sind. Kubelík belebt die mittlerweile erstarrten Meisterkurse mit einem Interpretationskurs für Dirigenten.

1983

Die aus den «Perspektiven» hervorgegangene Reihe «Der Komponist und seine Welt» widmet sich dem Schaffen von Pierre Boulez.

1984

Wegen seines Zerwürfnisses mit den Berliner Philharmonikern dirigiert Herbert von Karajan die Wiener Philharmoniker; ein Jahr später steht er wieder am Pult «seiner» Berliner. Rafael Kubelík sorgt für einen glanzvollen Schlusspunkt zum Festivalthema «Musik aus der Tschechoslowakei»: mit einer Gesamtaufführung von Smetanas Má Vlast mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, seinem letzten Luzerner Auftritt.

1985

Die Programme stehen im Zeichen der 300. Geburtstage von Johann Sebastian Bach, Georg Friedrich Händel und Domenico Scarlatti. Claudio Abbado dirigiert Mahlers Auferstehungssinfonie mit dem European Community Youth Orchestra – ein erster Anstoss, in Zukunft vermehrt Jugendorchester einzubeziehen.

1986

Zum 100. Geburtstag Othmar Schoecks setzen sich die IMF einmal mehr für sein Werk ein, u. a. mit einer konzertanten Aufführung und Schallplatten-Aufnahme seiner Oper Massimila Doni.

1988

Zum 50. Jubiläum werfen die IMF einen Blick zurück auf die eigene Geschichte: Ashkenazy und das Orchestre de la Suisse Romande wiederholen das Programm des ersten Festwochen-Konzerts unter Ernest Ansermet im Jahr 1938. Das Chamber Orchestra of Europe wiederum musiziert bei seinem Luzerner Debut unter Abbado jene Werke, die ein halbes Jahrhundert zuvor Arturo Toscanini für sein legendäres Galakonzert in Tribschen ausgewählt hatte. Letzte Luzerner Auftritte von Karajan und Leonard Bernstein. Zudem ist eine wichtige Neuerung zu verzeichnen: In Anlehnung an die mittelalterliche Tradition der Oster- und Passionsspiele findet erstmals ein Oster-Festival statt.

1989

Georges Bucher wird Präsident der IMF (bis 1998) und treibt den Bau eines neuen Konzertsaals voran. Gemeinsam mit Meyer-Schoellkopf, der nach Othmar Fries’ Ausscheiden als Administrativer Direktor die Gesamtleitung der Festspiele innehat, unternimmt er erste Schritte in Richtung Sponsorenwesen. Kurz vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion gilt der Themenschwerpunkt «Russland»; u. a. gelangen mehrere Sinfonien Dmitri Schostakowitschs erstmals bei den IMF zur Aufführung. James Levine gestaltet mit den Berliner Philharmonikern ein Karajan-Gedenkkonzert.

1990

Erste Auftritte von Christoph von Dohnányi, Michael Gielen, András Schiff und Günter Wand.

1991

Die vollständig konzipierte zweite Ausgabe der Osterfestspiele entfällt, weil das vorgesehene Hauptorchester, das New York Philharmonic, aufgrund des Ersten Golfkriegs von der Reise absieht. Der Sommer steht im Zeichen zweier Jubiläen: Mozarts 200. Todestag und «700 Jahre Eidgenossenschaft».

1992

Matthias Bamert übernimmt die Leitung der Internationalen Musikfestwochen (bis 1998). Er setzt auf die Partnerschaft mit Grosskonzernen und etabliert die Osterfestspiele als zweites jährliches Festival, das ein besonderes Gewicht auf die sakrale Musik und auf Konzerte in Luzerns Kirchen legt. Auch wagt er wieder vermehrt Experimente, erweitert das traditionelle Thema zu einer «Leitidee» und öffnet die Festspiele für breite Publikumsschichten, etwa durch Late Nights, Mittagskonzerte und das «Festival im Festival» mit jährlich wechselnden Schwerpunkten wie Strassen- oder Amateurmusik.

1993

Mit drei Konzerten endet genau 50 Jahre nach der Gründung die Ära des Schweizerischen Festspielorchesters; der Luzerner Festwochenchor dagegen besteht bis ins Jahr 2000 fort. Ein stärker in das Sommerprogramm einbezogener und mit einem Kompositionsauftrag betrauter «Composer in Residence» ersetzt die von Baumgartner eingeführten Komponistenportraits. Den Anfang macht Alfred Schnittke, es folgen u. a. Klaus Huber, Luciano Berio, Beat Furrer und Michael Jarrell, Wolfgang Rihm sowie Heinz Holliger. Zum 50. Todestag Sergej Rachmaninows erklingt an einem einzigen Tag sein gesamtes Klavierwerk. Erster Auftritt von Mariss Jansons (am Pult des Oslo Philharmonic Orchestra).

1994

Per Volksentscheid stimmt die Bevölkerung der Stadt Luzern dem Neubau des KKL zu. Ein erster Versuch, einen neuen (bereits unter dem Namen Lucerne Festival Orchestra firmierenden) festspieleigenen Klangkörper aufzubauen, scheitert: Die Konzerte dieses Orchesters aus ehemaligen Mitgliedern renommierter Jugendorchester, die von Kurt Sanderling, Yehudi Menuhin und Gennady Rozhdestvensky geleitet werden, stossen beim Publikum auf geringe Resonanz.

1996

Letztes Konzert im alten Kunsthaus mit Giuseppe Sinopoli und den Wiener Philharmonikern. Debuts von Simon Rattle (am Pult des City of Birmingham Symphony Orchestra) und Nikolaus Harnoncourt, der von nun jährlich mit seinem Concentus Musicus beim Oster-Festival auftritt.

1997

Das Kunsthaus ist abgerissen, das KKL Luzern noch nicht fertiggestellt. Unter Federführung des Architekturbüros Herzog & de Meuron wird die Von-Moos-Stahlhalle in Emmen deshalb in einen akustisch hervorragenden Konzertsaal verwandelt, der vom Bahnhof Luzern aus per Spezialzug erreichbar ist – ein «Festival der Not» mit ganz besonderer Atmosphäre.

1998

Pünktlich zum 60. Geburtstag der IMF eröffnen Claudio Abbado und die Berliner Philharmoniker am 19. August den neuen Konzertsaal. Die Fertigstellung des gesamten KKL-Komplexes dauert noch bis zum Jahr 2000 an. Andere Festivals sind mit eigenen Produktionen zu Gast, so die Bayreuther Festspiele mit Teilen der Götterdämmerung (unter James Levine) und der Meistersinger von Nürnberg (unter Daniel Barenboim) oder die Salzburger Festspiele mit Messiaens Saint François d’Assise (unter Kent Nagano). Das KKL eröffnet neue Möglichkeiten: Als drittes Festival wird das Piano-Festival gegründet, das sich alljährlich im späten November ganz der Klaviermusik verschreibt.

1999

Jürg R. Reinshagen wird Präsident des Stiftungsrats der IMF (bis 2009), der Geiger und Kulturmanager Michael Haefliger folgt Bamert als Intendant der Festspiele nach. Haefliger führt die sommerlichen Themenschwerpunkte fort und setzt zahlreiche neue Impulse: Er erweitert das Engagement im Bereich der zeitgenössischen Musik und baut sukzessive den Education-Bereich aus (zunächst als «Children’s Corner», später als LUCERNE FESTIVAL YOUNG). Zudem verstärkt er die internationale Ausstrahlung des Festivals, etwa indem er Freundeskreise im Ausland etabliert, u. a. in den USA und in Japan. Vor allem aber ruft er 2003 zwei neue «Säulen» ins Leben, die das Festival seither prägen: das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA (gemeinsam mit Claudio Abbado) und die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY (gemeinsam mit Pierre Boulez).

2000

Das KKL Luzern ist nun komplett betriebsbereit: Im Rahmen des sommerlichen Eröffnungskonzerts wird am 17. August die neue Goll-Orgel im grossen Konzertsaal eingeweiht. Zur Feier seines 75. Geburtstags ist Pierre Boulez mit dem London Symphony Orchestra «in residence». Um junge Musiktalente zu fördern, werden zwei jährlich alternierende Auszeichnungen eingeführt: der «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes» (ab 2001) und der gemeinsam mit den Wiener Philharmonikern, der Gesellschaft der Musikfreunde Wien und der Credit Suisse Foundation vergebenen «Credit Suisse Young Artist Award», den erstmals Quirine Viersen gewinnt. Weitere Preisträger der folgenden Jahre sind u. a. Patricia Kopatchinskaja, Sol Gabetta, Martin Helmchen, Antoine Tamestit und Vilde Frang.

2001

Die Internationalen Musikfestwochen Luzern heissen neu LUCERNE FESTIVAL. «Schöpfung» lautet das Thema des Sommers, der mit dem poetischen Feuerspektakel «Das KKL in Flammen» eingeläutet wird. Weitere Höhepunkte sind die Schweizer Erstaufführung von Luigi Nonos Prometeo (mit dem Ensemble Modern unter Ingo Metzmacher) und die Luzerner Erstaufführung von Mahlers Achter Sinfonie (mit Franz Welser-Möst und dem Gustav Mahler Jugendorchester). Sol Gabetta erhält den erstmals vergebenen «Prix Credit Suisse Jeunes Solistes». Trotz der Terroranschläge des 11. September setzt das Chicago Symphony Orchestra seine Luzerner Residenz fort.

2002

Erster Auftritt von Christian Thielemann, der mit den Münchner Philharmonikern beim Oster-Festival gastiert. Pierre Boulez und Olga Neuwirth prägen als «composers-in-residence» das Sommer-Programm.

2003

Beginn einer neuen Ära: Mit einem «Concert de Gala» stellt sich das von Claudio Abbado und Intendant Michael Haefliger gegründete LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA vor. Es setzt sich aus international renommierten Solisten, Kammermusikern, Musikprofessoren und Mitgliedern des Mahler Chamber Orchestra zusammen und knüpft an Arturo Toscaninis legendäres «Elite-Orchester» an, mit dem 1938 die Geschichte der Festspiele begann. Mit einer Aufführung der Auferstehungssinfonie starten Abbado und sein «Orchester der Freunde» ihren umjubelten Mahler-Zyklus; ihre Konzerte finden grosse mediale Beachtung und weren in der ganzen Welt ausgestrahlt. Zudem führt Pierre Boulez eine LUCERNE FESTIVAL PREVIEW ACADEMY durch.

2004

Mariss Jansons und die Klangkörper des Bayerischen Rundfunks beginnen ihre jährliche Residenz beim Oster-Festival. Die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY wird als Institution fest im Festival verankert: als weltweit einzigartige Ausbildungsinstitution für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Harrison Birtwistle ist erster Preisträger der Roche Commissions, eines zweijährlich vergebenen Werkauftrags an bedeutende zeitgenössische Komponisten. Das Piano-Festival wird erstmals um «Piano Off-Stage» ergänzt, Auftritte internationaler Jazz-Pianisten in ausgewählten Bars und Restaurants.

2005

Das verheerendste Hochwasser seit 1910 zwingt die Festspielleitung beim Sommer-Festival, das u. a. durch «composer-in-residence» Helmut Lachenmann geprägt wird, zur Absage von gleich sieben Konzerten. Ihr erstes Auslandsgastspiel führt Abbado und das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA nach Rom. In den folgenden Jahren gastieren sie u. a. in der Suntory Hall in Tokio (2006), in der New Yorker Carnegie Hall (2007; Boulez und David Robertson anstelle von Abbado) und im Wiener Musikverein (2008), bei den Londoner Proms, in Paris, Madrid, Hamburg, Baden-Baden, Ferrara, Moskau und Peking.

2006

Matthias Pinscher stellt sich erstmals vor: Zusammen mit HK Gruber prägt er als «composer-in-residence» die Programme. Michael Gielen leitet die erste Luzerner Gesamtaufführung von Schönbergs Gurre-Lieder.

2007

Die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY realisiert eine Aufführung von Stockhausens Gruppen, an der neben Boulez, Peter Eötvös und Jean Deroyer auch drei junge Absolventen des Dirigier-Meisterkurses mitwirken: Pablo Heras-Casado, Kevin John Edusei und Lin Liao. Ein neues, von Boulez angeregtes Projekt wird lanciert: der Bau einer «Salle modulable», eines flexiblen Saals für das Musiktheater.

2008

Bereits im Januar, ausserhalb der drei Festivals also, finden Gedenkkonzerte zum 100. Geburtstag Herbert von Karajans mit den Berliner Philharmonikern, Seiji Ozawa und Anne-Sophie Mutter statt. Im Sommer beginnt Bernard Haitink seine regelmässige Luzerner Zusammenarbeit mit dem Chamber Orchestra of Europe: mit einem grossen Beethoven-Zyklus (bis 2009), dem Aufführungsreihen u. a. mit sämtlichen Konzerten und Sinfonien von Brahms (2011/12) und Schumann (2014) folgen.

2009

Dr. Hubert Achermann wird Präsident der Stiftung LUCERNE FESTIVAL. Als Kontrapunkt zum Festivalthema «Natur», den u. a. die beiden «composers-in-residence» Kaija Saariaho und Jörg Widmann vertiefen, rückt die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY Werke mit Live-Elektronik ins Zentrum, darunter Boulez’ Répons.

2010

Der Sommer steht unter dem Motto «Eros» und bringt mehrere halbszenische Opernaufführungen: Claudio Abbado leitet am Pult des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA Beethovens Fidelio, Esa-Pekka Salonen und das Philharmonia Orchestra sind mit Wagners Tristan und Isolde (mit Videos von Bill Viola) zu Gast. Erstmals ist das Schweizerische Tonkünstlerfest mit zahlreichen Uraufführungen ins Sommer-Festival integriert.

2011

In Reaktion auf die japanische Erdbebenkatastrophe vom 11. März lanciert Michael Haefliger das Projekt LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA: eine von Anish Kapoor und Arata Isozaki entwickelte mobile Konzerthalle, die zum kulturellen Wiederaufbau der betroffenen Regionen beitragen soll. Bernard Haitink beginnt seine österlichen Meisterkurse für junge Dirigenten. Im Sommer startet die mehrteilige Reihe «Pollini Perspectives», die ausgewählten Beethoven-Sonaten neue Werke von Lachenmann, Manzoni, Sciarrino und Stockhausen gegenüberstellt. Unter dem Motto «Ein Fest für Luzern» öffnen sich die Festspiele verstärkt breiteren Publikumsschichten, etwa mit Programmen auf dem Inseli, einer Lichtshow und Tanznächten. Auch das Angebot für Kinder und Jugendliche wird ausgebaut und neu unter dem Namen «Young» gebündelt. Das Piano-Festival steht ganz im Zeichen von Franz Liszts 200. Geburtstag.

2012

Claudio Abbado stellt zu Ostern das Orchestra Mozart vor, seine jüngste Orchestergründung. Letztmals zu Gast ist Nikolaus Harnoncourt. Im Anschluss ans Sommer-Festival gastieren Pierre Boulez, die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY und das Ensemble intercontemporain mit Boulez’ Pli selon pli in Turin, Mailand, Amsterdam, Paris, München und London (Solistin ist Barbara Hannigan) – zugleich Boulez’ letzte Auftritte am Pult der Academy. Abbado und das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA bestreiten ein Benefizkonzert für das erdbebengeschädigte Teatro Communale Ferrara.

2013

Beim Oster-Festival präsentieren Gustavo Dudamel und das Los Angeles Philharmonic John Adams neues, von den Festspielen mit in Auftrag gegebenes Oratorium The Gospel of the Other Mary (in der Inszenierung von Peter Sellars). Im Sommer feiert LUCERNE FESTIVAL unter dem Motto «Revolution» seinen 75. Geburtstag. Zu den Höhepunkten zählen die erste Luzerner Gesamtaufführung des Rings (mit Jonathan Nott und den Bamberger Symphonikern) und der grosse «Jubiläumstag», ein ganztägiges Musikspektakel in allen Sälen des KKL Luzern, das über 7.500 Musikfreunde besuchen. Abbado dirigiert bei seinem letzten Auftritt Schuberts Unvollendete und Bruckners Neunte Sinfonie. Auch Lorin Maazel, der mit den Wiener Philharmonikern das Festival-Finale gestaltet, ist zum letzten Mal zu Gast. Im September und Oktober wird im japanischen Matsushima erstmals die aufblasbare Konzerthalle LUCERNE FESTIVAL ARK NOVA aufgebaut; in den beiden Folgejahren gastiert sie in Sendai und Fukushima.

2014

Nach dem Tod Abbados, der beim Oster-Festival mit einem Gedenkkonzert «seines» LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA geehrt wird, übernimmt Andris Nelsons die Leitung der Sommer-Programme. Zwei Neugründungen stellen sich der Öffentlichkeit vor: das festivaleigene Kreativlabor Young Performance, das neue Formate für junge Hörer entwickelt (und gleich für seine erste Produktion HEROÏCA den «Junge Ohren Preis» erhält), sowie die LUCERNE FESTIVAL ALUMNI, das internationale Netzwerk ehemaliger Academy-Teilnehmer.

2015

Zum 90. Geburtstag ihres Gründers und Leiters gestaltet die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY gemeinsam mit dem Ensemble intercontemporain einen «Tag für Pierre Boulez»: mit Werken des Jubilars und «Geburtstagsgaben» u. a. von Heinz Holliger, György Kurtág und Wolfgang Rihm. «Composer-in-residence» Tod Machover präsentiert seine Sinfonie für Luzern, ein klingendes Stadtportrait, entstanden in enger Zusammenarbeit mit der Luzerner Bevölkerung. Im Anschluss ans Sommer-Festival gehen das LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA und Andris Nelsons auf grosse Europatournee, u. a. mit gleich zwei Auftritten in der neuen Pariser Philharmonie. Das Piano-Festival wartet mit einer Neuerung auf: Der erste «Tastentag» stellt in mehreren Konzerten die Goll-Orgel des KKL ins Zentrum.

2016

Riccardo Chailly tritt mit Mahlers Achter Sinfonie sein Amt als Chefdirigent des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA an. Wolfgang Rihm folgt dem im Januar verstorbenen Boulez als künstlerischer Leiter der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY nach und wird dabei von Matthias Pintscher als «Principal Conductor» unterstützt. Das Sommer-Festival fragt unter dem Motto «PrimaDonna» nach der Rolle der Frau im Musikleben und rückt Komponistinnen, Solistinnen und Dirigentinnen in den Blickpunkt. Gleich sechs Dirigentinnen treten beim erstmals durchgeführten «Erlebnistag» auf, einem ganztägigen Musikmarathon im KKL Luzern. Bernard Haitink und Daniel Barenboim feiern ihr 50. Luzerner Bühnenjubiläum, Anne-Sophie Mutter und Maurizio Pollini sind den Festspielen seit 40 Jahren verbunden.