Ein Gipfeltreffen zweier Legenden: Daniel Barenboim und Yo-Yo Ma haben im letzten halben Jahrhundert Musikgeschichte geschrieben. Aber es verbindet sie noch mehr. Beide begreifen die Musik als besten Weg zur Verständigung und engagieren sich für den interkulturellen Dialog. Yo-Yo Ma schlug mit seinem «Silk Road Project» die Brücke von Asien in den Westen und überschreitet auch in seinen jüngsten Projekten beständig die Grenzen zwischen den Genres und Kulturen, um den gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken. Barenboim hält mit seinem 1999 gegründeten West-Eastern Divan Orchestra, das sich meistenteils aus israelischen, palästinensischen und arabischen Musiker*innen zusammensetzt, die Vision von gegenseitiger Anerkennung, Gleichheit und Gerechtigkeit lebendig — erst recht in unserer konfliktbeladenen Zeit. Bei ihrem gemeinsamen Konzert in Luzern geht es natürlich auch um Amerika: Antonín Dvořák komponierte sein melodiensattes Cellokonzert in den USA, und einige wollen aus dem elegischen Seitenthema des Kopfsatzes sogar den Gospel Go, Tell It on the Mountain heraushören. Nach der Pause aber reisen wir zurück nach Europa, ins Mutterland der klassischen Musik: Mendelssohns Italienische Sinfonie verströmt Glücksgefühle, versprüht Temperament und feuriges Brio — und steigert sich mit einer Tarantella im Finale bis zur Raserei.