Wenn ein Geiger oder eine Geigerin bei einem Spitzenorchester wie den Berliner Philharmonikern debutiert, ist das keine leichte Aufgabe. Denn neben ihm oder ihr sitzen gut zwei Dutzend geigespielende Orchestermitglieder, die oft auch solistisch aktiv sind und entsprechend kritisch zuhören. Umso erstaunlicher verlief 2021 Augustin Hadelichs Einstand bei den «Berlinern»: Der Wunsch, einmal mit ihm zu musizieren, kam nämlich aus den Reihen der Philharmoniker selbst — was für ein Ritterschlag! Inzwischen ist daraus eine beglückende künstlerische Partnerschaft entstanden, und so ist es auch kein Zufall, dass man nun gemeinsam auf Tour geht, sogar mit dem beliebtesten Violinkonzert überhaupt, dem Beethoven-Konzert. Im zweiten Teil aber präsentiert Chefdirigent Kirill Petrenko eine echte Entdeckung. Aleksandr Skrjabins originelle Dritte Sinfonie mit dem schönen Beinamen Le Divin Poème, «das göttliche Gedicht», knüpft an Nietzsche an und kreist um die Schöpferkraft des Menschen, der im letzten der drei Sätze seine Fesseln sprengt und freudig triumphiert. Mit einer riesigen Orchesterbesetzung sorgt Skrjabin dabei für einen wahren Klangrausch.