Herausspaziert! Denn die Musik spielt nicht nur im KKL, sondern in ganz Luzern. Mit dem neuen Format «In den Strassen: City Stage» tragen wir Lucerne Festival nach draussen in die Stadt.
Die bunten Festivalflaggen flattern, die ebenso farbenfrohen Festivalbänke sind aufgestellt, das Publikum strömt in Scharen zum KKL Luzern: Man sieht, wenn Sommer-Festival ist. Und man hört es auch. Sechs Tage lang, vom 25. bis 30. August, bringt «In den Strassen: City Stage» ganz Luzern zum Klingen. Wir haben unser «Festival im Festival» neu erfunden, um das Angebot eng mit unserem Hauptprogramm zu verschränken. Da spürt Doreen Ketchens, Amerikas «Queen Clarinet», den Anfängen des Jazz im Schmelztiegel von New Orleans nach – genau wie die Dixie-Ramblers, eine Schweizer Marching Band. Da landet ein gelber Heissluftballon, zugleich Pop-Up-Installation und Mini-Konzertsaal. Klangspaziergänge entlang der Museggmauer spitzen unsere Ohren für die vielfältigen Sounds der Stadt. Ein Schlagzeugquartett begeistert mit perkussiver Minimal Music. Und das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) wird zur «Symphonic Jukebox».
Rhythm ’n’ Loops
Manchmal reicht es, einfach in die Hände zu klatschen, um komplexe und dennoch maximal groovende Rhythmen zu erzeugen. Passend zum Festivalmotto «American Dreams» präsentiert ein Schlagzeugquartett des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) vier perkussive Werke von Steve Reich, darunter seine Kultstücke Clapping Music und Drumming. Als einer der Masterminds der amerikanischen Minimal Music wiederholt Reich einfache Motive und Rhythmen in Dauerschleife, verschiebt seine Loops aber allmählich gegeneinander. So entstehen raffinierte polyrhythmische Muster, die einen magischen Flow entwickeln.
Symphonic Jukebox
Wunschkonzert! Das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) zieht vom KKL in Luzerns Altstadt um – und verwandelt sich dabei in eine Live-Jukebox. Denn Sie können mitbestimmen, was gespielt wird. Das Repertoire, das die Musiker*innen für die vier interaktiven Konzerte vorbereitet haben, reicht von Vivaldi und Beethoven bis zu Smetanas Moldau oder Dukas’ Zauberlehrling. Und natürlich erklingt, passend zum Festivalmotto «American Dreams», auch Musik von George Gershwin, Leonard Bernstein und John Adams. Als Moderator führt Dirigent Joseph Sieber durchs Programm.
American Dream House
Ist da ein Heissluftballon gelandet? Für zwei Tage steht ein ungewöhnliches gelbes Objekt, das zugleich Pop-Up-Installation und Mini-Konzertsaal ist. Nichts Festgefügtes, sondern eine spielerische Intervention im städtischen Alltag. Angeregt durch das legendäre Dream House, eine potenziell unendliche Licht- und Klanginstallation des amerikanischen Minimalisten La Monte Young und seiner Ehefrau, der Künstlerin Marian Zazeela, füllen Musiker*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) diesen temporären Kunstraum mit den schier endlos ausgehaltenen Tönen von Youngs bahnbrechendem Trio for Strings. Treten Sie ein und lauschen Sie dieser ätherischen, hypnotisierenden Zeitlupenmusik!
Reflecting the Streets of New Orleans
«Ms New Orleans», «Lady Louis», «Queen Clarinet»: Das sind nur einige der Spitznamen von Doreen Ketchens. In Luzern trifft die amerikanische Klarinettistin auf junge Musiker*innen des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO). In Workshops und bei gemeinsamen Auftritten tauchen sie in New Orleans’ reiches Musikerbe ein und entwickeln während einer Woche ein Programm: ein «work in progress» im Austausch von Neuer und Alter Welt. Es geht um Improvisation, um das Zugleich von Musizieren und Marschieren und um die Strasse als urbanen Ort, an dem sich Menschen, musikalische Traditionen und Geschichte begegnen. Mit dem Komponisten und Schlagzeuger Jessie Cox und der Pianistin Simone Keller bringen zwei Schweizer Künstler*innen weitere Perspektiven und Erfahrungen ein. So entsteht keine folkloristische Hommage an ein vergangenes Amerika, sondern ein vielstimmiger, durchaus auch widersprüchlicher «American Dream».
Sound Walk
Sehen wir die Welt mit unseren Ohren! Gemeinsam mit Musiker*innen der Lucerne Festival Academy entwickelt der Klangkünstler Andres Bosshard einen Klangspaziergang rund um die Luzerner Museggmauer mit ihren neun Türmen. «Active urban sound gardening» nennt er seinen Ansatz, der dazu anregt, genau hinzuhören: Wie viele Inseln der Ruhe sind in Luzern auszumachen? Wie mischt sich der Lärm der Autobahnschneisen mit dem Rauschen der nacheiszeitlichen Reuss? Wie klingt es, wenn ein plötzlich auftauchender Helikopter seine Hallfahnen an die Turmfassaden wirft? Wir lernen, hörend mit unserer alltäglichen Umgebung zu interagieren und durch unser eigenes Verhalten einen neuen Stadtklang zu schaffen.
Brass Spectacular
Aus Blech mach Gold: Fünf junge Trompeter*innen aus Grossbritannien, Schweden und der Ukraine kennen die Zauberformel, nach der zahllose Alchemist*innen vergeblich gesucht haben. Fiveby5 wurde vor vier Jahren an der Londoner Royal Academy of Music ins Leben gerufen, sorgt für strahlend-goldenen Blechbläserglanz und hat schon zahlreiche Preise abgeräumt. Zuletzt gewann das Quintett 2025 die renommierte Philip Jones International Brass Ensemble Competition. Dieser Erfolg bescherte ihm unter anderem den Auftritt bei «In den Strassen: City Stage»: Das vielfältige Programm reicht von Bach, Rameau und Mozart bis zum schmissigen Hoe-Down aus Aaron Coplands Cowboyballett Rodeo.
Dixieland Marching Band
New Orleans gilt als Geburtsstadt des Jazz. Im späten 19. Jahrhundert entstanden hier zahlreiche Brassbands. Mit Trompeten und Posaunen, Klarinetten, Saxofonen, Sousafonen und Banjos marschierten sie als «Second Line» bei Paraden und Begräbnissen mit und prägten den Sound der Stadt: ein unverwechselbarer Clash der Musikstile, der europäische Märsche mit afrikanischen Rhythmen verbindet. Das Schweizer Quintett Dixie-Ramblers, das selbst in New Orleans aufgetreten ist und auch auf dem legendären Mississippi-Raddampfer «Natchez» performt hat, entführt uns in diesen faszinierenden kulturellen Schmelztiegel. Es spielt Konzerte auf dem Kapellplatz und dem Weinmarkt, zieht aber auch als Marching Band durch Luzerns Altstadtgassen.
«Reflecting the Streets of New Orleans»
«Brass Spectacular in Memory of Philip Jones»
«Brass Spectacular in Memory of Philip Jones»