Bei Mozarts g-Moll-Sinfonie denken die meisten an die sogenannte «Grosse», die mittlere der legendären letzten drei Mozart-Sinfonien, deren Anfang als Handy-Klingelton Karriere gemacht hat. Aber es gibt auch die «Kleine»: ein wildes Jugendwerk des 17-Jährigen, das mit ungestümer Ausdruckswut und schroffen dynamischen Kontrasten der Inbegriff einer Sturm-und-Drang-Musik ist. Mit dem ossetischen Dirigenten Tugan Sokhiev am Pult werden die Wiener Philharmoniker diesen «anderen» Mozart vorstellen, der so gar nicht nach zartem Rokoko klingt. Danach entfesseln sie mit Gustav Mahlers autobiografisch inspirierter Erster Sinfonie die Stürme des Lebens und der Liebe. Sokhiev schätzt Mahlers Erstling ganz besonders und findet ihn ausgesprochen dramatisch: «Für mich ist Mahler immer ein Theatermann», erklärt er. «Er hatte beim Komponieren bestimmte Bilder vor sich. Wenn man im ersten Satz die Augen schliesst, glaubt man, mitten in der Natur zu sein. Oder der dritte Satz: Der ist ausgesprochen ironisch mit seinem Zug der Tiere, die nicht wissen, ob sie den Tod des Jägers feiern oder betrauern sollen. Und im Finale triumphiert das Leben.»