Für diese Geigerin wollten alle etwas schreiben: Anne-Sophie Mutters Kunst hat die besten Komponist*innen der Gegenwart zu neuen Werken inspiriert. Der Pole Krzysztof Penderecki hat gleich vier Partituren für sie geschaffen. Den Anfang machte 1995 sein grosses Zweites Violinkonzert: Metamorphosen lautet der Titel, und so geht es in den sechs Sätzen um Verwandlung und Umgestaltung — ein Pendeln zwischen verschiedenen Seelenzuständen oder auch zwischen Tradition und Moderne. Interpretatorisch, so räumt Mutter ein, sei dieses Konzert für sie «eine physische und psychische Herausforderung, die ich mit Dankbarkeit annehme». An ihrer Seite steht mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra einer der besten amerikanischen Klangkörper. Unter der Leitung seines Chefs Manfred Honeck widmet es sich im zweiten Teil Antonín Dvořáks beglückender Sinfonie Aus der Neuen Welt, die das Urbild eines musikalischen «American Dream» darstellt. Denn Dvořák sollte den USA mit diesem Werk den Weg ins gelobte Land der klassischen Musik weisen, mit einer originär amerikanischen Klangsprache. Weshalb er auch Spirituals oder Melodien und Tanzrhythmen der indigenen Bevölkerung in seiner «Neunten» anklingen lässt.