Wie klingt Amerika? Vielleicht wie die Rhapsody in Blue, George Gershwins früher Geniestreich. Man muss nur das erste Klarinettensolo mit seinem langgezogenen Glissando hören, schon sieht man die Freiheitsstatue und Manhattan vor dem inneren Auge, denkt an den Broadway oder an New Yorker Jazzclubs. Der 2001 geborene Alexander Malofeev, ein gebürtiger Russe mit Wohnsitz Berlin, wird diesen «Greatest Hit» mit dem Luzerner Sinfonieorchester aufführen. Und er ist der Richtige dafür! Schon 2024 begeisterte er hier das Publikum, als er unter Riccardo Chailly Rachmaninows berüchtigt schweres Erstes Klavierkonzert mit einer Virtuosität, Souveränität und Poesie zu Gehör brachte, die ihresgleichen sucht. Malofeev ist aber auch ein Schatzgräber und liebt es, unbekanntes Repertoire zutage zu fördern. Zum Beispiel das Zweite Klavierkonzert des 1951 verstorbenen Finnen Selim Palmgren, dessen Musik zum überhaupt ersten Mal beim Festival erklingt. Hochromantisch ist sie — und schlägt damit die Brücke zu Tschaikowskys Fünfter Sinfonie, die Michael Sanderling nach der Pause dirigiert. Bei dieser musikalischen «Seelenbeichte» schmelzen dann die Herzen dahin.