Der 1960 in Hamburg geborene Frank Reinecke erhielt im Alter von acht Jahren seinen ersten Violinunterricht und begann mit fünfzehn als Autodidakt das Kontrabassspiel zu erlernen. Nach dem Abitur studierte er bei Klaus Stoll an der Hochschule der Künste in Berlin. Seine orchestrale Heimat fand er von 1984 bis 2024 als Mitglied im Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks, für das er über zwei Jahrzehnte hinweg auch die Jugendworkshops leitete. Zwischen 1995 und 2001 gab er sein Wissen zudem als Honorarprofessor am Mozarteum Salzburg weiter. Als Solist und Kammermusiker gastiert Reinecke bei internationalen Festivals und Konzertreihen wie den Klangspuren Schwaz, dem Musikfest Berlin oder der Münchner musica viva. Ein zentraler Pfeiler seiner künstlerischen Arbeit ist die zeitgenössische Musik: Er brachte zahlreiche Solowerke und Ensemblekompositionen zur Uraufführung und setzte sich intensiv mit mikrotonalen Spieltechniken der «Just Intonation» auseinander, unter anderem in enger Zusammenarbeit mit Mark Andre und Wolfgang von Schweinitz. Gemeinsam mit dem norwegischen Geiger Helge Slaatto bildet er seit 1987 ein renommiertes Duo, das für eine beachtliche Erweiterung des Repertoires in dieser ungewöhnlichen Besetzung sorgte. Namhafte Komponist*innen der Gegenwart schrieben für die beiden massgeschneiderte Werke — darunter Isang Yun, Enno Poppe, Hanna Kulenty, Erkki-Sven Tüür und Niels Viggo Bentzon. Das Duo konzertierte in ganz Europa und den USA. Seine Einspielung der Plainsound Glissando Modulation von Wolfgang von Schweinitz wurde mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet. Neben seiner Konzerttätigkeit widmet sich Reinecke der Musikvermittlung als Autor von Texten und Rundfunksendungen. Seit 2019 erweitert er seinen musikalischen Horizont durch das Studium der klassischen persischen Musik auf den Instrumenten Tar und Setar.
Juli 2026