Um ihn reissen sich gerade alle: um Alexandre Kantorow, den 1997 geborenen Pianisten, der vor sieben Jahren als erster Franzose die Goldmedaille beim Moskauer Tschaikowsky-Wettbewerb gewann und 2023 den hochdotierten Gilmore Artist Award erhielt. Er musizierte schon mit Weltklasseorchestern wie den Berliner und den New Yorker Philharmonikern, spielte 2024 bei der Eröffnung der Pariser Olympischen Spiele Ravels Jeux d’eau im strömenden Regen und bezaubert das Publikum mit seinen poetischen Interpretationen. Den Einstand bei Lucerne Festival gibt Kantorow mit einem seiner Lieblingskomponisten, nämlich mit Johannes Brahms, dessen Erstes Klavierkonzert für elf oder zwölf Finger geschrieben scheint, so herausfordernd ist es. Aber Kantorow fürchtet weder die vollgriffigen Akkorde noch das filigrane Passagenwerk. Das Pittsburgh Symphony Orchestra und Manfred Honeck präsentieren anschliessend einen Meilenstein des russischen Repertoires: Dmitri Schostakowitschs doppelbödige Fünfte Sinfonie. Mit ihr versuchte sich Schostakowitsch, als er von Stalins «Kulturhütern» an den Pranger gestellt wurde, aus der Schusslinie zu nehmen und schrieb ein bombastisches Jubelfinale. Aber die wahre Botschaft steckt zwischen den Zeilen.