Mitte August, am Eröffnungswochenende des vergangenen Sommer-Festivals, gab Jörg Widmann am Pult des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) seinen fulminanten Einstand als Künstlerischer Leiter der Lucerne Festival Academy. Ausgewählt hatte er ein Werk seines Academy-Vorgängers Wolfgang Rihm: Tutuguri, dieses bewusst masslose «Poème dansé», das einer Maxime des französischen Theater-Avantgardisten Antonin Artaud folgt: «Alles muss haargenau in eine tobende Ordnung gebracht werden.» Es war ein überwältigendes Musikerlebnis. Auch Widmann selbst war hin und weg: «Als ich in die Gesichter der Musiker*innen schaute, war da eine Mischung aus Glück, Erschöpfung, aber auch Ungläubigkeit darüber, dass wir das waren, die das gerade in den Saal gewuchtet hatten.»
Anfang September gingen Widmann und das LFCO dann mit Tutuguri auf Gastspielreise: zum Musikfest Berlin in die dortige Philharmonie und zur «musica viva» in die Münchner Isarphilharmonie. Und auch bei diesen «Auswärtsspielen» sorgten sie für Begeisterung: «Irre, welche Klanggewalt entfesselt wird und welch fein ausdifferenzierte Klangkultur diese jungen Luzerner Musikerinnen und Musiker zugleich an den Tag legen», jubelte der Tagesspiegel aus Berlin. Die Süddeutsche Zeitung fand das LFCO «fabelhaft» und die Aufführung «nuanciert und seltsam erfrischend». Die Münchner Abendzeitung urteilte: «Widmann disponierte die Steigerungen des Werks souverän, ohne den Exzess überschäumen zu lassen. Aber er dämpfte das Wilde auch nicht.»
Mit einer Fotostrecke blicken wir zurück auf die erfolgreiche Kurz-Tournee. Und schon in wenigen Wochen geht’s weiter: Bei Lucerne Festival Forward (20. – 22. November) widmen sich Jörg Widmann und das LFCO der Musik Robert Schumanns und ihrem Echo in der Gegenwart, in Werken von Heinz Holliger, Christian Jost, György Kurtág, Aribert Reimann und Widmann selbst.
Jörg Widmann | Antoine Tamestit | Sir András Schiff
Jörg Widmann | Soloists of the Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)
Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | SWR Radio Choir | Heinz Holliger