Mit der einen Hand schnippt sie einen Dreiertakt, mit der anderen einen Zweiertakt, und dazu singt sie auch noch die Geigenmelodie: Wenn Amerikas Top-Geigerin Hilary Hahn in einem YouTube-Video Antonín Dvořáks Violinkonzert «in a nutshell» erklärt, dann wird sofort klar, warum sie gerade dieses Werk für ihr langersehntes Luzerner Festivaldebut ausgewählt hat. Übermut und Freude springen einen nur so an: Sie liebt dieses Stück — und der Funke zündet sofort. Hilary Hahn verbindet Leichtigkeit mit Ernsthaftigkeit und Virtuosität mit Poesie. Gerade deshalb ist sie, wie viele meinen, eine Klasse für sich. Genau wie die Wiener Philharmoniker: Was das Paradeorchester aus der Donaumetropole drauf hat an leidenschaftlicher Dramatik, zarten Nuancen und schmelzendem Sound, zeigt es mit der vielleicht besten Ballettmusik, die je komponiert wurde. Sergej Prokofjews Romeo und Julia erzählt Shakespeares «most excellent and lamentable tragedy» mit Verve, Witz und Wucht. Dirigent Tugan Sokhiev hat selbst eine Auswahl der schönsten Nummern zusammengestellt. Und wir lieben und leiden mit, hoffen bis zum letzten Moment — und verdrücken vielleicht auch ein paar Tränen.