Ist Wahnsinn ein Mittel, um der Realität zu entkommen? Oder — im Gegenteil — ein Instrument, um ihr zu begegnen? Mit seinem Monodram Eight Songs for a Mad King schuf Peter Maxwell Davies 1968 eine raffinierte Charakterstudie des verrückten britischen Königs George III., der ab 1760 regierte, und ging dabei von Originaltexten des Monarchen aus. Betörende Kantilenen stehen in diesem Klassiker des modernen Musiktheaters neben Kakofonien. So entsteht das Bild emotionaler und geistiger Zerrüttung. Es provoziert und offenbart zugleich eine erstaunliche Hellsichtigkeit. Die Uraufführung der Britin Bushra El-Turk setzt dieser historischen Figur eine der widersprüchlichsten mythologischen Frauengestalten entgegen und verleiht Medea eine neue, eigene Stimme. Im Spannungsfeld von Selbstermächtigung und Wahnsinn, Macht und Willkür, Liebe und Hass lässt uns dieser Operndoppelabend eine Welt in Brüchen erleben. Er mag auch Wahrheiten hervorbringen, die uns tief berühren.