Thomas Ruge bleibt daheim!

Konzertsäle geschlossen, keine Musikerinnen und Musiker auf der Bühne zu einem Klangkörper vereint um gemeinsam zu musizieren und das Publikum zu begeistern. Denn seit der Coronakrise findet Musik nur noch im geschützten Raum, in den eigenen vier Wänden statt. Doch was bedeutet dies für den Beruf als Musikerin und Musiker? Wir haben Mitglieder des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA gefragt: Cellist Thomas Ruge.

Was bedeuten die Coronakrise und die durch sie bedingten Einschränkung für dich persönlich? Wie sieht dein Alltag aus?

Mein letztes Konzert hatte ich am 6. März, das ist jetzt schon rund acht Wochen her! So lange habe ich seit mindestens 37 Jahren nicht mehr pausiert … Mir fehlen die Magie des Auftritts, das Adrenalin, das Zusammenspiel mit Freunden und Kollegen und natürlich auch das Glück, die grössten Werke der Weltliteratur spielen zu dürfen.

Ich habe das ein wenig zu kompensieren versucht, indem ich verschiedene Werke für mehrere Celli mit meinen Kollegen via Internet aufgenommen habe, dazu bislang zwei Videos für Cello und Harfe mit meinem Sohn Johannes. Auch habe ich gerade extra einen YouTube-Channel namens «Solocellist» eingerichtet und freue mich über jeden neuen Abonnenten.

Was bedeutet es beruflich?

Es ist im Moment nicht absehbar, wann wir mit den Münchner Philharmonikern wieder auftreten dürfen. Manche Kollegen befürchten, es könnte sich bis in den Herbst ziehen. Darüber hinaus spiele ich viel als Solocello-Aushilfe in anderen Orchestern, und da sind mir jetzt leider auch schon einige hochinteressante Projekte abgesagt worden, darunter Konzerte in Rotterdam mit Lahav Shani oder in St. Petersburg mit musicAeterna und Teodor Currentzis. Und leider muss nun auch das Luzerner Sommer-Festival ausfallen und damit meine Auftritte mit dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA.

Musizieren ist ja eigentlich ein soziales Erlebnis: Musiker spielen miteinander, das Publikum hört zu. Was machen Musiker, wenn das plötzlich wegfällt?

Das Gute an der Situation ist, dass ich jetzt so lange wie noch nie zuvor am Stück zu Hause bin und enorm viel Zeit mit meinen Kindern verbringen kann. Wir spielen viel Tischtennis, Federball, Tischkicker aber auch Brett-, Würfel- und Kartenspiele wie Poker oder Skat.

Emotionen pur gibt es aus dem Wohnzimmer von Cellist Thomas Ruge. Er wird von seinem Sohn an der Harfe begleitet:
Der Schwan (Saint-Saëns)Ave Maria (Bach/Gounod)