Abgesagt «Beethoven Farewell»

20. – 22. November 2020

Das grosse Beethoven-Finale mit Patricia Kopatchinskaja und Igor Levit

Die musikalischen Wochenenden, die LUCERNE FESTIVAL 2020 neu ins Programm genommen hat, bieten Konzertereignisse, die sich vom üblichen Rahmen abheben. Als Kuratoren fungieren innovative Künstlerpersönlichkeiten, die den Mut zu unorthodoxen Konzepten haben. Wie die Geigerin Patricia Kopatchinskaja und der Pianist Igor Levit, die derzeit mit ihren elektrisierenden Interpretationen für Furore sorgen. Beide verbindet, dass sie couragiert aufs Ganze gehen und mit radikalen Deutungen aufwarten. «Wieso nur spielen, was wir verstehen und kennen?», fragt Kopatchinskaja. «Lieber vorwärtsschauen und Neues finden!» Und Levit weiss: «Das Werk ist heilig, aber der Mensch ist frei.» Beide engagieren sich auch gesellschaftlich und blicken über den Tellerrand ihrer Kunst hinaus. Kopatchinskaja etwa bezieht Stellung gegen den Klimawandel, Levit kämpft gegen Antisemitismus und setzt sich für Flüchtlinge ein.
Ihr gemeinsames Wochenende im November 2020 steht am Ende des grossen Beethoven-Jubiläumsjahrs, in dem die Musikwelt den 250. Geburtstag des  Komponisten feiert. Die fünf Konzerte folgen deshalb dem Motto «Beethoven Farewell» und widmen sich einerseits seinem wegweisenden Vermächtnis. Andererseits aber weiten sie den Blick auf das, was nach Beethoven geschah: mit Werken u. a. von Leoš Janáček, Charles Ives und György Kurtág.

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Über Beethoven

«Beethoven wendet sich an den angstfreien Interpreten. Seine Musik verlangt eine absurde Reaktionsschnelligkeit. Und Selbstsicherheit. Wenn man nur mit dem Bewältigen beschäftigt ist, wird es schnell sehr, sehr schwer. Kann sein, dass der angstfreie Interpret ein fiktives Ideal ist. Bestimmte Stellen der Hammerklavier-Sonate sind vor diesem Hintergrund Utopie.»
Igor Levit

«Wie bekommt man die alten Stücke wieder so frisch, dass man heute noch das Gefühl hat, was für ein Rebell und Innovator Beethoven war?»
Patricia Kopatchinskaja

«Beethovens Musik geht über das Instrument hinaus, sie ist orchestral und macht mich glauben, ich spiele mehr als nur Klavier. Dann bin ich Posaune, bin Gewalt, Verzweiflung, Einsamkeit und vieles mehr.»
Igor Levit

«Lieber Ludwig, du Titan und Schöpfer unter den Menschen! Wir, die Bürger der freien Republiken, haben dich als Gipfel aller Monumente in unseren Konzertsälen und auf unzähligen Konserven unwiderruflich einbetoniert. Niederkniend vor deiner Musik, repetieren wir sie wie ein Mantra. Oh du Leuchtturm, der alle erblinden lässt! Man fürchtete dich, aber längstens bist du totgespielt, mit Lorbeer bekränzt, eingereiht im Friedhof unserer grossartigen Vergangenheit.»
Patricia Kopatchinskaja

«Wenn ich mir das Konzertleben so angucke, dann scheinen wir in jedem Jahr Beethoven-Jubiläum zu feiern. Bei uns gibt es eine Tendenz, die Musik als Ersatz für irgendetwas behandelt. Da kommt Beethoven gerade recht mit seinen Botschaften. ‹Alle Menschen werden Brüder.› Wunderbar, kann keiner was dagegen sagen. Eine echte Auseinandersetzung mit Text und Sinn wird aber verschleiert – oder im Fall von Beethoven einfach überdröhnt. Die Aufführung seiner Musik ist kein Ersatz für Toleranz, für Empathie, für Wahrheit. Beethoven zu spielen, ist nicht genug. Ich rette die Welt nicht mit der Neunten.»
Igor Levit