Identität

Das Festivalthema 2017

Im Sommer 2017 widmet sich LUCERNE FESTIVAL einem brandaktuellen und politischen Thema: «Identität» lautet unser Motto, dem wir musikalisch nachspüren wollen. Und das erhält im Spannungsfeld von Globalisierung, Migration und Abschottung eine neue Bedeutung.

In unserer globalisierten und vernetzten Welt, in der sich Nachrichten blitzschnell rund um den Erdball verbreiten und selbst die entlegensten Regionen erreichbar geworden sind, scheint die Menschheit auf den ersten Blick enger zusammenzurücken. Zugleich aber sind neue Grenzen entstanden, zwischen Nord und Süd oder West und Ost, zwischen Religionen und Kulturen, zwischen Arm und Reich. Nie zuvor gab es so viele Migranten wie in unserer Zeit: Die einen verlassen ihre Heimat freiwillig mit der vagen Hoffnung auf ein besseres Leben. Die anderen dagegen müssen flüchten, weil sie von Krieg oder Verfolgung bedroht werden. Die Länder, in die es die Flüchtlinge zieht, zeigen jedoch oft wenig Toleranz gegenüber den neuen Mitbürgern und fordern in erster Linie Integration, die meist nur unter Preisgabe des Eigenen zu erreichen ist.

Die Identität des Menschen definiert sich durch Unterscheidung: Was macht eine Person, eine Gemeinschaft, eine Kultur unverwechselbar? Freilich geht es hier nicht allein um äussere Eckdaten wie das Geschlecht oder die Nationalität, sondern auch um Kriterien, die sich im Lauf der Zeit ändern können. Das fängt mit der Frage an, woran wir glauben: an welche Religion, Gesellschaftsordnung oder politische Setzung? Diese innere Identität wird von unseren Lebensumständen und Vorlieben geprägt – und nicht zuletzt vom Wunsch, wie wir selbst gerne wären oder gesehen werden wollen.

Auch für Musiker ist die Identität wandelbar, zumal heutzutage, da viele Interpreten wie Nomaden die Welt durchreisen, um jeden Tag an einem anderen Ort zu konzertieren. Die Frage, wo man zuhause ist und hingehört, bekommt im «Weltdorf Musik» des internationalen Starzirkus eine neue Bedeutung. Und doch haben sich die meisten Künstler unverwechselbare Eigenarten bewahren können: Bei der grossen Orchesterparade des Sommer-Festivals können Sie zum Beispiel den Wiener Klangstil mit der russischen Schule vergleichen oder die amerikanische Orchesterkultur mit der des «alten Europa». Wir widmen uns schwerpunkthaft Komponisten, deren musikalische Identität von ihrer Kultur oder ihrem System bestimmt wurde, sei es im positiven Sinne oder auch durch Pressionen, die manch einen zur Selbstverleugnung zwangen. Sir John Eliot Gardiner führt uns mit seiner Monteverdi-Trilogie zu den zentralen Mythen der abendländischen Kultur – und zur Geburtsstunde der Gattung Oper. «Composer-in-residence» Michel van der Aa thematisiert die Identitätsfrage in seinen Musiktheaterwerken. Und mit Patricia Kopatchinskaja präsentieren wir eine Geigerin als «artiste étoile», die in ihrer moldawischen Heimat mit der Improvisationspraxis aufwuchs: eine Identität, die in der Freiheit ihrer Interpretationen bis heute lebendig geblieben ist.

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