Michael van der Aa © Marco Borggreve

Michel van der Aa

«composer-in-residence»

Er verbindet Hightech und Emotionen: Der Niederländer Michel van der Aa ist Komponist, Filmemacher und Regisseur in Personalunion. Mit innovativen digitalen Technologien führt er das Musiktheater ins 21. Jahrhundert.

Digitale Musik- und Bildwelten zu kreieren, sie mit realen Bühnenereignissen zu verknüpfen und daraus neue Erzählperspektiven und Darstellungsweisen zu gewinnen – diese Möglichkeiten machen das Virtuelle für Michelvan der Aa zu einer Schatztruhe, einer Wunderkiste, an der sich seine künstlerische Phantasie entzündet und Gesamtkunstwerke mit verblüffenden narrativen Ebenen und Spiegelungen entstehen lässt. Zu den Werken, die van der Aa beim Sommer-Festival 2017 als «composer-in-residence» vorstellt, zählt die 3D-Kammeroper Blank Out, die im März 2016 in Amsterdam Premiere feierte. Das vom Komponisten selbst eingerichtete Libretto basiert auf dem Lebensweg und auf Texten der südafrikanischen Schriftstellerin Ingrid Jonker. Aus zwei Erzählperspektiven beleuchtet es eine Mutter-Sohn-Geschichte, die durch einen traumatischen Badeunfall geprägt ist. In der Erinnerung an diesen Unfall rekonstruieren Mutter und Sohn wichtige Teile ihrer Identität.

Auch im zweiten Musiktheater, das Michel van der Aa bei LUCERNE FESTIVAL vorstellt, spielt die Verdopplung der Live-Performance durch die filmische Ebene eine wichtige Rolle. Zugrunde liegt ihm Fernando Pessoas berühmtes Buch der Unruhe. Im Zentrum dieser Sammlung von Prosafragmenten steht ein Alter Ego Pessoas: der Hilfsbuchhalter Bernardo Soares, dessen (fiktive) Beobachtungen, Reflexionen und Meditationen das Spiel mit den Identitäten fortführen und sein Ich prismatisch brechen. 

Ein Changieren zwischen Wirklichem und Geträumtem, ähnlich wie in Michel van der Aas Cellokonzert Up-close, das «artiste étoile» Jay Campbell in der Reihe «40min» vorstellt. Auch dieses Stück kommt ohne Dirigenten aus. Stattdessen folgen die Orchestermusiker einem Film, der dem (jungen) Solisten ein (altes) filmisches Alter Ego gegenüberstellt, mit dem er in einen berührenden Dialog tritt.

Michel van der Aas hybrides Musiktheater steckt nicht nur voller schicksalhafter Geschichten, es besticht auch durch souveräne Technik und klare Disposition. Alles liegt hier in einer Hand, alles wird meisterlich umgesetzt, und alles dient einem einzigen Ziel: Dramatik und Poesie zu erzeugen. Wie bei aller grossen Kunst bleibt ein Rest Geheimnis – und das gilt auch für die menschliche Identität. 

Konzerte mit Michel van der Aa