Sinfoniekonzert 12

São Paulo Symphony Orchestra | Marin Alsop | Gabriela Montero

Nobre | Grieg | Villa-Lobos | Rachmaninow

Fr, 26.08.19.30 UhrNo. 16316

KKL Luzern, Konzertsaal

Vergangenes Konzert


Rollstuhlplätze reservieren Sie bitte unter t +41 (0) 41 226 44 80 (10.00-17.00 Uhr)

Sommer-Festival

12.08.-11.09. 2016

 

|

 
     

    26.

    Aug

    Freitag
    19.30

    KKL Luzern, Konzertsaal

    Sinfoniekonzert 12

    São Paulo Symphony Orchestra | Marin Alsop | Gabriela Montero

    Marin Alsop  Dirigentin
    Marlos Nobre (*1939)
    Kabbalah für Orchester op. 96
    Schweizer Erstaufführung
    Edvard Grieg (1843–1907)
    Konzert für Klavier und Orchester a-Moll op. 16
    Heitor Villa-Lobos (1887–1959)
    Prelúdio aus der Bachiana brasileira Nr. 4
    Sergej Rachmaninow (1873–1943)
    Sinfonische Tänze op. 45

    Marin Alsop ist eine «PrimaDonna» ganz im Sinne des diesjährigen Festspielmottos: eine der wenigen Frauen, die als Dirigentinnen in die internationale Spitzengruppe der Pultstars vorgedrungen sind. Die gebürtige New Yorkerin, die bei Leonard Bernstein und Seiji Ozawa studierte und ihre Laufbahn mit dem renommierten Koussevitzky-Preis begann, ist seit 2007 Music Director des Baltimore Symphony Orchestra und derzeit die einzige Chefin eines grossen amerikanischen Klangkörpers. Seit 2012 steht sie überdies an der Spitze des São Paulo Symphony Orchestra, und ausserdem leitete sie als erste Dirigentin überhaupt die prestigeträchtige «Last Night of the Proms». Mit ihrem brasilianischen Orchester wird die amerikanische Maestra nun bei LUCERNE FESTIVAL debutieren und Rachmaninows zündende Sinfonische Tänze zu Gehör bringen. Mit von der Partie ist die charismatische venezolanische Pianistin Gabriela Montero, die vor der Pause Griegs unverwüstliches a-Moll-Konzert interpretieren und dessen nordische Klänge mit südamerikanischem Temperament aufheizen wird.

    Teilen (Datenschutz)

    São Paulo Symphony Orchestra

    Das São Paulo Symphony Orchestra, das 1954 von João de Sousa Lima gegründet wurde, gilt heute als der führende Klangkörper Brasiliens und bestreitet pro Saison rund 200 Konzerte. Nach dem Italiener Bruno Roccella übernahm der brasilianische Dirigent und Komponist Eleazar de Carvalho die künstlerische Leitung, die er 24 Jahre lang, bis zu seinem Tod im Jahr 1996, innehatte. Im folgten John Neschling (1997–2008), in dessen Amtszeit das Orchester mit der Sala São Paulo einen neuen Konzertsaal erhielt, und Yan Pascal Tortelier. Seit 2012 steht Marin Alsop als Musikdirektorin an der Spitze des São Paulo Symphony Orchestra; ihr Vertrag wurde mittlerweile bis 2019 verlängert. Gastspielreisen führten das Orchester in den vergangenen Jahren regelmässig durch Südamerika, in die USA und nach Europa, wo zuletzt, bei einer Tournee im Jahr 2013, Auftritte in der Pariser Salle Pleyel, in der Londoner Royal Festival Hall und in der Berliner Philharmonie auf dem Programm standen. Das São Paulo Symphony Orchestra arbeitet mit führenden Dirigenten und Solisten zusammen: In der Saison 2015/16 waren u. a. James Gaffigan, Heinz Holliger, Isaac Karabtchevsky, Alexander Liebreich, Juraj Valčuha und Thomas Zehetmair am Pult zu Gast; die Cellistin Sol Gabetta, der Schlagzeuger Colin Currie und die Pianisten Khatia Buniatishvili, Paul Lewis, Gabriela Montero und Fazıl Say gestalteten Solokonzerte. 2016 wurde die Altistin und Dirigentin Nathalie Stutzmann für drei Jahre als «Associate Artist» verpflichtet. Mit «Discover the Orchestra» betreibt das São Paulo Symphony Orchestra ein grossangelegtes Education-Programm, das jährlich 70.000 Jugendliche an die klassische Musik heranführt. Eine Orchester- und eine Chorakademie sowie das Komponistenprojekt «Criadores do Brazil» runden das pädagogische Profil ab.

    August 2016

    Marin Alsop

    Die amerikanische Dirigentin Marin Alsop wurde 1956 in New York City geboren, studierte an der Yale University und erhielt ihr «Master’s Degree» an der Juilliard School of Music. Ihre internationale Karriere begann, als sie 1989 die «Leopold Stokowski International Conducting Competition» gewann und als erste Frau den «Koussevitzky Conducting Prize» in Tanglewood erhielt, wo sie die Meisterklasse von Leonard Bernstein absolviert hatte. Bereits 1992 übernahm Marin Alsop die Leitung des Cabrillo Festival of Contemporary Music im kalifornischen Santa Cruz, dem sie bis 2016 vorstand. Von 1993 bis 2005 war sie Music Director des Colorado Symphony Orchestra, von 2002 bis 2008 Chefdirigentin beim Bournemouth Symphony Orchestra. 2007 trat Marin Alsop die Chefposition beim Baltimore Symphony Orchestra an, mit dem sie in diesem Jahr das 100-jährige Bestehen feiert. Seit 2012 steht sie überdies an der Spitze des brasilianischen São Paulo Symphony Orchestra, mit dem sie bereits zwei Europa-Tourneen bestritten hat. Als Gastdirigentin war Alsop mit dem Philadelphia und dem Cleveland Orchestra, dem Los Angeles und dem London Philharmonic, dem Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, der Filarmonica della Scala, dem London Symphony und dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks zu erleben. 2013 und 2015 leitete sie die legendäre «Last Night of the Proms», als erste Dirigentin überhaupt. Alsops Diskographie umfasst u. a. Gesamteinspielungen der Sinfonien von Brahms und Prokofjew. Für ihre Aufnahme von Bernsteins Mass wurde ihr der «Gramophone Award» verliehen, für Jennifer Higdons Percussion Concerto der «Grammy». Sie ist Trägerin des renommierten «Mac-Arthur Fellowship» und Ehrenmitglied der Royal Academy of Music in London. Seit 2015 lehrt sie als «Director of Graduate Conducting» am Johns Hopkins Peabody Institute.

    August 2016

    Weitere Termine

    Gabriela Montero

    Die venezolanische Pianistin Gabriela Montero, die 1970 in Caracas geboren wurde, erhielt mit vier Jahren Klavierunterricht, trat als Fünfjährige bereits öffentlich auf und gab mit acht ihr Debut als Solistin in Haydns D-Dur-Klavierkonzert. Kurz danach wurde ihr ein Staatsstipendium verliehen, das ihr die Fortsetzung der Ausbildung in den Vereinigten Staaten und später bei Hamish Milne an der Londoner Royal Academy of Music ermöglichte. Gabriela Montero hat mit führenden amerikanischen Orchestern wie dem Chicago, dem San Francisco und dem Houston Symphony oder dem New York und dem Los Angeles Philharmonic sowie dem Cleveland Orchestra konzertiert; in Europa war sie mit dem Leipziger Gewandhausorchester, dem City of Birmingham Symphony Orchestra, dem Philharmonia Orchestra sowie dem Rotterdam und dem Royal Liverpool Philharmonic zu erleben. Rezitale führten sie ins Londoner Southbank Centre, in die Pariser Salle Pleyel und die Berliner Philharmonie, ins Wiener Konzerthaus, in die New Yorker David Geffen Hall, ins Kennedy Center nach Washington und in die Orchard Hall nach Tokio. Gabriela Monteros Markenzeichen sind ihre Improvisationen, bei denen sie spontan über Themen, die das Publikum vorgibt, fantasiert. Aber auch als Komponistin ist sie hervorgetreten: mit der Tondichtung ExPatria für Klavier und Orchester (2011) und ihrem Klavierkonzert Latin (2016). Für ihre CDs wurde Gabriela Montero u. a. mit dem «Choc de l’année» von Le Monde de la Musique, zweimal mit dem «Echo Klassik» und zuletzt, im Herbst 2015, mit dem «Latin Grammy» ausgezeichnet. 2012 erhielt sie überdies den «Rockefeller Award». Gabriela Montero wirkte 2009 beim Musikprogramm zur Inauguration von Barack Obama als US-Präsident mit und trat 2013 beim World Economic Forum in Davos auf. Als «Honorary Consul» engagiert sie sich für Amnesty International.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL am 21. November 2013 mit Werken von Brahms, Schumann und eigenen Improvisationen.

    November 2017

    Weitere Termine

    «Lassen Sie es zu, auch einmal zu scheitern!»
    Marin Alsop über Zeichensprache und Autorität

    Marin Alsop, Sie sind eine «PrimaDonna» im buchstäblichen Sinne unseres Sommer-Mottos: die erste Frau, die den Koussevitzky-Dirigentenpreis gewann, die erste Chefdirigentin eines grossen amerikanischen Orchesters, die erste, die jemals die «Last Night of the Proms» geleitet hat … Wenn Sie an den Anfang Ihrer Karriere zurückblicken: Welchen Widerständen sind Sie damals, um das Jahr 1990, noch begegnet?
    Die Herausforderung war erst einmal dieselbe wie für jeden jungen Dirigenten, aber vielleicht war sie für mich als Frau doch noch verschärft. Zum einen ging es darum, genug Möglichkeiten zu finden, um Erfahrungen sammeln zu können und Selbstvertrauen zu gewinnen. Zum anderen aber war es genauso wichtig, bei diesen Gelegenheiten auch Fehler machen zu dürfen, denn nur dadurch lernt man und kann erfolgreich werden. Und schliesslich kam es schlicht und ergreifend darauf an, gesehen und wahrgenommen zu werden, damit man überhaupt für weitere Auftritte in Betracht gezogen wird. Genau das ist übrigens der Grund, weshalb ich 2002 das «Taki Concordia Conducting Fellowship» ins Leben gerufen habe: Ich möchte damit talentierten Dirigentinnen mehr Chancen eröffnen.

    Hatten Sie eigentlich weibliche Vorbilder, an denen Sie sich orientierten? Oder sind Sie mit dem Bewusstsein angetreten, eine Pionierin zu sein?
    Vorbilder hatte ich einige. Zunächst möchte ich meine wunderbaren Eltern nennen, die beide professionelle Musiker waren und mich zu 100% bei allen Träumen und Wünschen unterstützt haben. Dann wollte ich natürlich jenem Dirigenten nacheifern, den ich mehr als alle anderen verehrt und bewundert habe: Leonard Bernstein, der später mein Lehrer und Mentor wurde. Das waren wichtige Leitfiguren, aber natürlich wäre es grossartig gewesen, wenn ich irgendwo auch einmal eine Dirigentin zu sehen bekommen hätte. Nur: Es gab keine. Dennoch glaube ich, dass Frauen, die sich in der einzigartigen Position befinden, die ersten in ihrem Metier zu sein, in diesem Moment meist gar nicht das Bewusstsein dafür entwickeln, dass sie eine Pionierin sind. Diese Erkenntnis kommt meist erst im Nachhinein.

    Wenn Sie die Erfahrungen aus bald dreissig Jahren Laufbahn bilanzieren: Welchen Entwicklungsprozess haben die Orchestermusiker genommen, wenn es um die Zusammenarbeit mit einer Frau am Pult geht? Und können Sie ähnliche Entwicklungen beim Publikum erkennen?
    Von den Orchestern habe ich nie Widerstand oder Verweigerung erfahren. Musiker wünschen sich einfach einen Dirigenten, der engagiert, leidenschaftlich und gründlich vorbereitet ist. Fragen wie das Geschlecht, die Rasse, die Grösse oder die Haarfarbe sind daneben ziemlich unwichtig … Das Publikum wiederum erwartet ein anregendes Konzerterlebnis. Darum allein geht es den Leuten: bewegt zu werden.

    Glauben Sie, dass die Frauen am Pult im Moment vor einem breiteren Durchbruch stehen?
    Wann wäre denn ein Durchbruch erreicht? Wie viele Frauen müssten dazu weltweit die grossen Orchester leiten? Welche Zahl braucht es, damit ein Paradigmenwechsel zu verzeichnen wäre?

    Welche Rolle spielt die Tatsache, dass Sie eine Frau sind, für Ihr künstlerisches Selbstverständnis? Dirigieren Frauen anders als Männer?
    Meine Erfahrungen sind begrenzt, da ich nur von mir selbst sprechen kann: Ich kann schlecht vergleichen, was ich im Unterschied zu einem Mann anders mache. Das Grossartige am Dirigieren ist doch die einzigartige Individualität eines jeden Maestros oder einer jeden Maestra. Wir sind alle so verschieden, und ich respektiere und geniesse diese Unterschiede. Allerdings sollte man sich bewusst machen, dass die Gesellschaft bestimmte Gesten bei einem Mann anders auffasst als bei einer Frau – ein und dieselbe Zeichensprache kann, je nach Geschlecht, völlig verschieden ankommen und gedeutet werden. Da sich Dirigenten aber allein durch diese Gesten ausdrücken, ist es unverzichtbar, den Subtext, also die sozialen Konnotationen, zu begreifen und anzuerkennen. Man muss seine eigene Zeichensprache so anpassen, dass sie stets den Ideen des Komponisten dient.

    Wie lässt sich Autorität am Pult erreichen? Braucht es da gewisse «patriarchalische» Attitüden, also so etwas wie Bestimmtheit, Durchsetzungskraft, klare Vorgaben. Oder worauf kommt es an?
    Ich denke, dass es für jeden Dirigenten und jede Dirigentin entscheidend ist, authentisch, ehrlich und ernsthaft zu sein. Eine bestimmte Zeichensetzung zu wählen, nur weil man hofft, damit Autorität auszustrahlen, wird niemals funktionieren. Ich glaube vielmehr, dass echte Führungspersönlichkeiten instinktiv und von Natur aus Wesenszüge aufweisen, die bezwingend wirken, ohne das ostentativ herauszustellen. Sie können äusserlich eine ganz andere Gestalt haben, je nach Individualität.

    Wenn Sie jungen Kolleginnen einen Ratschlag geben müssten, welchen Fehler sie auf keinen Fall begehen dürften: Was würden Sie sagen?
    Sollten Sie irgendwo abgelehnt werden: Begründen Sie das NIE mit Ihrem Geschlecht, legen Sie Zurückweisungen NIE als Genderfrage aus – nützen Sie es vielmehr dazu, selbst noch besser zu werden. Man kann aus jeder schlechten Erfahrung noch gewinnen. Und lassen Sie es einfach zu, dass Sie auch einmal scheitern können!

    Die Fragen stellte Susanne Stähr

    Die gesamte Serie «Frauenfragen» können Sie im Festival-Blog nachlesen.

    Konzertsponsor