Sinfoniekonzert 16

Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Matthias Pintscher

Cerha

Mo, 28.08.19.30 UhrNr. 17336

KKL Luzern, Konzertsaal

Vergangenes Konzert


Rollstuhlplätze reservieren Sie bitte unter t +41 (0) 41 226 44 80 (10.00-17.00 Uhr)

Sommer-Festival

11.08.-10.09. 2017

 

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    Sinfoniekonzert 16

    Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Matthias Pintscher

    Friedrich Cerha (*1926)
    Spiegel I–VII
    Schweizer Erstaufführung

    Das Verhältnis des Einzelnen zur Menge: Es ist ein Lebensthema des österreichischen Komponisten Friedrich Cerha – auch in seinem Orchester-Zyklus Spiegel, den er 1960/61 als eine Art «Welttheater» über die «Gattung ‹Mensch›» konzipierte: «Es ist mir erst viele Jahre später klar geworden, dass dahinter auch meine schrecklichen Kriegserlebnisse stehen. Ich habe bereits als Siebenjähriger die Gräuel des österreichischen Bürgerkriegs erlebt und danach den halbfaschistischen Ständestaat. Im Krieg bin ich als Soldat zweimal desertiert und kam danach in dieses Wien, das damals wirklich verknöchert und konservativ war. Das hat mich geprägt, ich konnte mich nie als in der Gemeinschaft integriert fühlen; ich erlebte mich immer ihr gegenüber.» Cerhas Spiegel brachen mit der «reinen» seriellen Lehre und entwarfen lebendig pulsierende Klangflächen. «Ständig sah ich Bilder vor mir, mal grosse Rothko’sche Flächen, mal Munch-Gemälde, dann auch Turner oder nur wieder seit langem mir vertraute Landschaften», beschreibt Cerhas ungarischer Kollege György Kurtág den faszinierenden Höreindruck.

    Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY

    2003 gründeten der Komponist und Dirigent Pierre Boulez und Festspielintendant Michael Haefliger die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY: ein weltweit einzigartiges Ausbildungsinstitut für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Sommer für Sommer erhalten hier junge, hochbegabte Musikerinnen und Musiker aus aller Welt die Möglichkeit, zeitgenössische Partituren und Klassiker der Moderne eingehend zu studieren und sie anschliessend zur Aufführung zu bringen. Fast 1.200 Absolventen haben die Akademie in den vergangenen fünfzehn Jahren durchlaufen, viele von ihnen waren sogar mehrere Sommer dabei. Seit 2016 hat der deutsche Komponist Wolfgang Rihm die künstlerische Leitung inne; als «Principal Conductor» steht ihm Matthias Pintscher zur Seite. Unterstützt werden sie von international renommierten Interpreten der zeitgenössischen Musik, die als Instrumentalcoaches fungieren. 2018 steht das Schaffen von Karlheinz Stockhausen im Zentrum der Orchester- und Ensemblekonzerte, u. a. mit Aufführungen von Inori und Gruppen; bei letzterem schliesst sich das Orchester der Akademie mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Pintscher, Sir Simon Rattle und Duncan Ward zusammen. Zur Uraufführung gelangt Peter Eötvös’ neue Partitur Reading Malevich, ausserdem werden Werke von Kurtág, Bella, Zimmermann, Nono und «composer-in-residence» Fritz Hauser präsentiert. Bereits zum dritten Mal findet das «Composer Seminar» statt, in dessen Rahmen junge Komponisten ihre Arbeiten mit Rihm, Dieter Ammann sowie weiteren Gästen diskutieren und sie mit ausgewählten LUCERNE FESTIVAL ALUMNI praktisch erproben. Ein «Conducting Fellowship» bietet Stipendiaten die Möglichkeit, die Arbeit der Akademie zu begleiten. Das Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY wirkt in diesem Sommer auch wieder beim «Erlebnistag» mit und tritt in der Reihe «40min» auf.

    Juli 2018

    Weitere Termine

    Matthias Pintscher

    Seit 2016 ist Matthias Pintscher der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY als «Principal Conductor» fest verbunden. 1971 im westfälischen Marl geboren, betrachtet er das Komponieren und das Dirigieren als komplementäre Sphären seiner künstlerischen Arbeit. Er studierte Komposition bei Giselher Klebe und Manfred Trojahn; Hans Werner Henze gehörte ebenso zu seinen Förderern wie Peter Eötvös, der ihn auch im Dirigieren unterrichtete. Schnell avancierte Pintscher zu einem der erfolgreichsten Komponisten seiner Generation: Seine Musiktheaterwerke Thomas Chatterton und L’Espace dernier wurden an der Dresdner Semperoper bzw. der Opéra national de Paris uraufgeführt, seine Orchesterstücke von den Berliner und den New Yorker Philharmonikern, dem Philharmonia Orchestra, dem London Philharmonic, dem Chicago Symphony oder dem Cleveland Orchestra. Als Dirigent leitete Pintscher u. a. die Berliner Philharmoniker, das Cleveland Orchestra, das New York und das Los Angeles Philharmonic, das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks und die Staatskapelle Ber- lin, das Mahler Chamber Orchestra und das Orchestra dell’Accademia Nazionale di Santa Cecilia; im Februar 2018 debutierte er beim Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, im Juni folgte sein Einstand beim London Symphony Orchestra. Als «artist-in-association» ist Pintscher seit 2010 dem BBC Scottish Symphony Orchestra verbunden, 2013 trat er das Amt des Musikdirektors beim Pariser Ensemble intercontemporain an, 2020 übernimmt er die Leitung des amerikanischen Ojai Music Festival. Als «composer-in-residence» und «artist in focus» präsentierte ihn die Hamburger Elbphilharmonie 2016/17 in ihrer Eröffnungssaison; in diesem Rahmen trat er dort auch mit dem Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACA-DEMY auf. Matthias Pintscher lehrt als Professor für Komposition an der New Yorker Juilliard School of Music.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL am 13. August 2010 mit dem Mahler Chamber Orchestra und Werken von Fauré, Chausson, Wagner und Ravel.

    Juli 2018

    Weitere Termine
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    Patronatskonzert der American Friends of LUCERNE FESTIVAL im Gedenken an Klaus Jacobs