Sinfoniekonzert 21

Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Alan Gilbert | Anne-Sophie Mutter

Moret | Berg | Schönberg

So, 04.09.19.30 UhrNr. 16324

KKL Luzern, Konzertsaal

Vergangenes Konzert


Rollstuhlplätze reservieren Sie bitte unter t +41 (0) 41 226 44 80 (10.00-17.00 Uhr)

Sommer-Festival

12.08.-11.09. 2016

 

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    Sinfoniekonzert 21

    Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY | Alan Gilbert | Anne-Sophie Mutter

    Alan Gilbert  Dirigent
    Norbert Moret (1921–1998)
    En rêve für Violine und Kammerorchester
    Alban Berg (1885–1935)
    Konzert für Violine und Orchester Dem Andenken eines Engels  
    Arnold Schönberg (1874–1951)
    Pelleas und Melisande op. 5

    Hoher Besuch: In ihrem Abschlusskonzert treffen die Luzerner Akademisten auf Stargeigerin Anne-Sophie Mutter und Alan Gilbert, den Chefdirigenten des New York Philharmonic. Gemeinsam blicken sie zurück auf die Anfänge der Moderne – genaugenommen sogar auf ihre Vorgeschichte. Denn als sich Arnold Schönberg 1902/03 von Maurice Maeterlincks mystischem Ehebruchdrama Pélleas et Mélisande zu einer Sinfonischen Dichtung inspirieren liess, war er noch ganz der Tonsprache der Spätromantik verhaftet und weit davon entfernt, ein radikaler Neuerer und «Bürgerschreck» zu sein. Nahegelegt hatte ihm den Stoff bezeichnenderweise Richard Strauss! Alban Bergs berührendes Violinkonzert dagegen, das rund 30 Jahre später entstand, nutzt bereits die von Schönberg entwickelte Zwölftontechnik und überführt sie in eine hochexpressive Klage um die früh verstorbene Tochter von Alma Mahler und Walter Gropius. Ganz auf die sanglichen Qualitäten der Violine setzt auch Norbert Morets En rêve, komponiert 1988 für Anne-Sophie Mutter. «Ein grossartiges, wenn auch kurzes Werk, farbig und raffiniert geschrieben», schwärmt die Widmungsträgerin.

    Lesen Sie dazu auch das Interview mit Anne-Sophie Mutter in unserem Blog.

    Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY

    2003 gründeten der Komponist und Dirigent Pierre Boulez und Festspielintendant Michael Haefliger die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY: ein weltweit einzigartiges Ausbildungsinstitut für die Musik des 20. und 21. Jahrhunderts. Sommer für Sommer erhalten hier junge, hochbegabte Musikerinnen und Musiker aus aller Welt die Möglichkeit, zeitgenössische Partituren und Klassiker der Moderne eingehend zu studieren und sie anschliessend zur Aufführung zu bringen. Fast 1.200 Absolventen haben die Akademie in den vergangenen fünfzehn Jahren durchlaufen, viele von ihnen waren sogar mehrere Sommer dabei. Seit 2016 hat der deutsche Komponist Wolfgang Rihm die künstlerische Leitung inne; als «Principal Conductor» steht ihm Matthias Pintscher zur Seite. Unterstützt werden sie von international renommierten Interpreten der zeitgenössischen Musik, die als Instrumentalcoaches fungieren. 2018 steht das Schaffen von Karlheinz Stockhausen im Zentrum der Orchester- und Ensemblekonzerte, u. a. mit Aufführungen von Inori und Gruppen; bei letzterem schliesst sich das Orchester der Akademie mit dem London Symphony Orchestra unter der Leitung von Pintscher, Sir Simon Rattle und Duncan Ward zusammen. Zur Uraufführung gelangt Peter Eötvös’ neue Partitur Reading Malevich, ausserdem werden Werke von Kurtág, Bella, Zimmermann, Nono und «composer-in-residence» Fritz Hauser präsentiert. Bereits zum dritten Mal findet das «Composer Seminar» statt, in dessen Rahmen junge Komponisten ihre Arbeiten mit Rihm, Dieter Ammann sowie weiteren Gästen diskutieren und sie mit ausgewählten LUCERNE FESTIVAL ALUMNI praktisch erproben. Ein «Conducting Fellowship» bietet Stipendiaten die Möglichkeit, die Arbeit der Akademie zu begleiten. Das Orchester der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY wirkt in diesem Sommer auch wieder beim «Erlebnistag» mit und tritt in der Reihe «40min» auf.

    Juli 2018

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    Alan Gilbert

    Der 1967 geborene Alan Gilbert stammt aus einer Musikerfamilie: Seine Eltern spielten beide als Geiger bei den New Yorker Philharmonikern. Noch während seines Studiums an der Harvard University wurde Gilbert zum Leiter der Harvard Bach Society ernannt. Seine weitere Ausbildung führte ihn an das New England Conservatory of Music, an das Curtis In-stitute nach Philadelphia und an die New Yorker Juilliard School. 1994 gewann Alan Gilbert den Ersten Preis beim «Concours de Genève» und wurde überdies mit dem Georg-Solti-Preis ausgezeichnet. Seine erste Chefposition trat er im Jahr 2000 beim Royal Stockholm Philharmonic an, dem er bis 2008 vorstand und seither als Ehrendirigent verbunden ist. Ausserdem wirkte er von 2003 bis 2006 als Musikdirektor der Santa Fe Opera. 2009 begann Gilberts Amtszeit an der Spitze des New York Philharmonic – er ist der erste gebürtige New Yorker, der diese Position bekleidet. Dort fördert er mit der Reihe «CONTACT!», mit einem jährlichen «composer-in-residence» und der «NY PHIL BIENNIAL» verstärkt die Neue Musik. 2008 debutierte Alan Gilbert mit John Adams’ Doctor Atomic an der New Yorker Metropolitan Opera, 2015 leitete er die amerikanische Erstaufführung von George Benjamins Written on Skin im Lincoln Center. Gilbert dirigierte so renommierte Klangkörper wie das Boston Symphony Orchestra, das Philadelphia und das Cleveland Orchestra, das Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, die Berliner Philharmoniker und das Leipziger Gewandhausorchester; 2015/16 war er erstmals an der Mailänder Scala, bei der Sächsischen Staatskapelle Dresden und beim London Symphony Orchestra zu Gast. Bereits zweimal wurde Alan Gilbert mit dem «Grammy» ausgezeichnet; seit 2014 ist er Mitglied der «American Academy of Arts and Sciences». Als «Director of Conducting and Orchestral Studies» lehrt er an der Juilliard School.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL zu Gast am 7. und 8. September 2014; er brachte mit dem Leipziger Gewandhausorchester Beethovens Neunte und Mahlers Dritte Sinfonie zur Aufführung.

    August 2016

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    Anne-Sophie Mutter

    Anne-Sophie Mutter, geboren im badischen Rheinfelden, begann ihre Karriere bei den Internationalen Musikfestwochen Luzern, dem Vorläufer des heutigen LUCERNE FESTIVAL: 1976 debutierte die damals 13-Jährige im Rahmen der Reihe «Junge Künstler». Schon ein Jahr später trat sie in Salzburg mit den Berliner Philharmonikern unter der Leitung Herbert von Karajans auf. Seither konzertiert sie weltweit in allen bedeutenden Musikzentren und stellt neben dem klassischen Repertoire auch immer wieder neue Werke vor: Insgesamt 25 Partituren hat Anne-Sophie Mutter zur Uraufführung gebracht, darunter Kompositionen von Sebastian Currier, Henri Dutilleux, Sofia Gubaidulina, Witold Lutosławski, Krzysztof Penderecki, André Previn, Wolfgang Rihm und zuletzt, beim Tanglewood Festival 2017, von John Williams. Ihre Popularität setzt sie gezielt für Benefizprojekte und die Förderung des musikalischen Spitzennachwuchses ein: Zu diesem Zweck hat sie 2008 die «Anne-Sophie Mutter Stiftung» gegründet und präsentiert sich mit ihrem Stipendiaten-Ensemble «Mutter’s Virtuosi» in aller Welt. Höhepunkte der vergangenen Monate bildeten eine Europatournee mit der Philharmonia Zürich, auf der sie Bruchs Erstes Violinkonzert und Takemitsus Nostalghia spielte, das Brahms-Konzert mit den Berliner Philharmonikern unter Riccardo Muti sowie mit der Filarmonica della Scala unter Riccardo Chailly und ein Jubiläumskonzert bei den Salzburger Pfingstfestspielen. Zu den Würdigungen, die Anne-Sophie Mutter zuteilwurden, zählen der «Ernst von Siemens Musikpreis» und der Leipziger Mendelssohn-Preis. Viermal erhielt sie den begehrten «Grammy». Sie ist Trägerin des Grossen Bundesverdienstkreuzes, des französischen Ordens der Ehrenlegion, des Bayerischen Verdienstordens und des Grossen Österreichischen Ehrenzeichens. 2013 wurde sie zum Ehrenmitglied der American Academy of Arts and Sciences ernannt.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL (IMF) am 23. August 1976 in der Reihe «Junge Künstler» mit Werken von de Falla, Paganini und Sarasate, am Klavier Christoph Mutter. 

    Juni 2017

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    «Ewige Jugend – wozu?»
    Anne-Sophie Mutter über Kunst, Kommerz und das Geheimnis der langen Karriere

    Anne-Sophie Mutter, bei Ihrem Jubiläumsrezital in Luzern spielen Sie Mozarts B-Dur-Sonate KV 454, die er für die italienische Geigerin Regina Strinasacchi komponiert hat. Als Mozarts Vater Leopold diese Virtuosin hörte, sagte er: «Überhaupt finde ich, dass ein Frauenzimmer, die Talent hat, mit mehr Ausdruck spielt als eine Mannsperson». Wie gefällt Ihnen diese Aussage?

    Ich glaube nicht, dass es in puncto Ausdruck geschlechterspezifische Unterschiede gibt, aber Regina Strinasacchi muss schon eine ausserordentliche Erscheinung gewesen sein, und das zu einer Zeit, als es sich für Frauen gar nicht schickte, Geige zu spielen. Frauen mussten damals zum Beispiel noch den Bogenarm fest an den Körper anlegen, damit nichts Verfängliches zu sehen war. Unter diesen schwierigen Voraussetzungen ist es umso erstaunlicher, dass sie trotzdem ein so ausdrucksvolles Spiel pflegen konnte. Und da LUCERNE FESTIVAL 2016 unter dem femininen Leitgedanken steht, war es mir wichtig, diese Frau, die schon früh zu grosser Popularität gelangte und einen so wunderbaren Komponisten wie Mozart inspirierte, in mein Programm einzubeziehen. Zumal die B-Dur-Sonate immer eine meiner Lieblingssonaten war: Im zweiten Satz erfolgt der Dialog zwischen beiden Instrumenten wirklich auf Augenhöhe, die Violine wird erstmals in der Musikgeschichte zum gleichberechtigten Partner des Klaviers. Damit öffnete Mozart Tür und Tor für Beethoven.

    Sie selbst wurden in Ihrer Ausbildung von zwei Frauen geprägt, von Erna Honigberger und von Aida Stucki. Wie bedeutend waren diese Lehrerinnen für Sie? Oder waren männliche Vorbilder wichtiger?
    Ich habe nie darüber nachgedacht, ob meine Vorbilder männlich oder weiblich waren. Richtig ist: Meine beiden Lehrerinnen waren Frauen, und besonders Aida Stucki, die ich schon kennenlernen durfte, als ich noch nicht einmal zehn Jahre alt war, hatte natürlich einen prägenden Einfluss, auch in der Art und Weise, wie sie mit ihrer Karriere und ihrem Kind umging – damals waren berufstätige Mütter noch die grosse Ausnahme. Sie hat sich, wie es in ihrer Generation üblich war, am Ende doch für das eine entschieden, nämlich für die Familie; nebenher hat sie allerdings leidenschaftlich gelehrt. Das ist nicht minder zeitraubend, doch bot es ihr den Vorteil, dass sie nicht durch ständige Reisen von der Familie getrennt war. Aida Stucki ist für mich der Archetyp einer Frau, die auf wunderbare Weise alles miteinander zu verbinden verstand. Sie war eine begnadete Pädagogin, die sowohl aus bescheideneren Talenten als auch aus weiterentwickelten Geigern ganz Individuelles herauszubilden wusste. Sie war aber auch eine wunderbar weibliche Frau, eine attraktive, schöne Person, die mit ihrem sehr viel älteren Mann auf diplomatisch geschickte Weise umging und dabei ihren eigenen Lebensstil verwirklichte. Ganz abgesehen davon, dass sie eine hervorragende Geigerin war.

    Seit vierzig Jahren, seit Ihrem Luzerner Festspieldebut im Jahr 1976, stehen Sie auf den Bühnen der Welt. Über diese lange Zeit eine Top-Position in der absoluten Weltspitze zu bewahren, ist eine erstaunliche Leistung. Welche Qualitäten, neben den künstlerischen, muss man mitbringen, um eine solche Nachhaltigkeit zu erreichen?
    Wer sich für den Musikerberuf entscheidet, dem geht es erst einmal darum, tief in die Musik einzutauchen, und nicht darum, irgendeine Stellung zu erlangen. Für mich war es immer wichtig, Neues entdecken zu können. Ich komme gerade von einem Konzert mit dem Stuttgarter Kammerorchester zurück, mit dem ich auch schon seit vielen Jahrzehnten auftrete. Diesmal habe ich dort drei Mozart-Konzerte gespielt und geleitet, darunter auch das «kleine» D-Dur-Konzert, das ich schon als Neunjährige, bei meinem allerersten Auftritt mit Orchester, aufgeführt hatte. Aber trotzdem finde ich darin noch immer so viel Neues! Man braucht einfach die Leidenschaft fürs Detail und ein gesundes Quäntchen Unzufriedenheit. Denn es gibt immer noch andere Blickwinkel auf das scheinbar Bekannte, und die Blickwinkel verändern sich im Laufe eines Lebens ganz automatisch mit den Erfahrungen – dabei geht es nicht um «reifer» oder «besser», sondern um einen anderen Zugang. Genau dieser Mechanismus hat übrigens die Musikgeschichte über die Jahrhunderte hinweg lebendig erhalten.

    Ist es für Frauen schwerer, eine so lange Karriere zu erreichen? Oder wird da mehr Wert auf Aspekte wie die «ewige Jugend», die Makellosigkeit und die Perfektion gelegt?
    Nein. Ewige Jugend – wozu? Alter – wozu? Es ist doch besser, man wird älter und stirbt nicht so früh. Natürlich ist es wunderbar, jung zu sein, aber jede Zeit hat ihre Stärken und Schwächen, jeder Lebensabschnitt stellt einen vor neue grosse Herausforderungen. Und mit zunehmender Erfahrung wird manches erträglicher. Man weiss dann, dass man auch das aktuelle Drama irgendwie überstehen und sich im Rückblick alles relativieren wird. Wenn man sehr jung ist, dann verschwendet man viel mehr Energie auf Dinge, die nicht so wichtig sind.

    Und diese Situation ist für Männer und Frauen dieselbe?
    Ich war nie ein Mann und kann es deshalb auch nicht beantworten.

    Mit Ihrer Anne-Sophie Mutter Stiftung stehen Sie in enger Tuchfühlung mit der nachfolgenden Virtuosengeneration. Wie beurteilen Sie die Lage: Gibt es inzwischen mehr hochbegabte Geigerinnen als Geiger?
    Ich glaube, dass Frauen gegenwärtig sowohl in der Musikwelt als auch in anderen Berufen stärker Fuss fassen. Trotzdem sind wir von einer Gleichberechtigung noch meilenweit entfernt, und das gilt sowohl für die Geschlechterfrage als auch für das Verhältnis zwischen verschiedenen ethnischen oder kulturellen Gruppen. Es hat sich in den letzten Jahren einiges getan, und ich bin sicher, dass die Kunst einer der Bereiche ist, in denen es wirklich einmal gleichberechtigt zugehen kann. Wir haben derzeit eine echte Flut von fantastisch präparierten Musikerinnen, ob an der Geige oder am Klavier. Frauen trauen sich heute einfach mehr zu, auch in einem so vagabundenartigen Beruf wie unserem.

    Nur am Pult sind wir weit von Gleichberechtigung entfernt …
    Ja, da ist noch viel aufzuholen. Es ärgert mich, dass ich das nicht auch noch in Angriff genommen habe. Vielleicht gibt’s ja eine Reinkarnation, und ich komme nochmal als Dirigentin zur Welt.

    Wenn Sie den jungen Virtuosinnen einen Ratschlag mit auf den Weg geben wollten, vor welchen Gefahren sie sich hüten sollten – was würden Sie sagen?
    Mit solchen Ratschlägen kann man nie ins Zentrum der Wahrheit treffen, weil jeder Mensch andere charakterliche Strukturen besitzt und somit auch anderen Gefahren ausgesetzt ist. Die Kassandrarufe sind allerdings dieselben wie bei mir vor vierzig Jahren: Kunst und Kommerz kann man nicht wirklich verbinden, das geht nicht Hand in Hand. Und es stimmt ja auch. Ich bin der Meinung, dass ein Künstler keine Werbefigur sein sollte. Mein Verständnis ist vielmehr, dass wir Musiker dem Werk dienen sollten – es muss ja nicht brotlos sein. Der Künstler sollte ein Fürsprecher und Advokat des Komponisten sein, und er sollte das Vertrauen, das er beim Publikum geniesst, auch dafür einsetzen, neue Werke aufzuführen, um die Konzertbesucher auf diese Weise mit auf eine Entdeckungsreise zu nehmen. Es ist natürlich der schnelle Ruhm, der heutzutage noch stärker lockt als früher. Aber die jungen Musiker befinden sich oft auch in einer Zwangslage: Friss oder stirb! Entweder du unterschreibst jetzt den Vertrag bei Agentur X oder Plattenlabel Y, oder sie nehmen irgendeinen anderen jungen, gutaussehenden (und hoffentlich auch gut spielenden) Musiker. Die Konkurrenz ist grösser geworden, das Qualitätsverständnis bei Agenturen und Labels aber nicht unbedingt. Die alte Generation hat noch ein anderes Ethos gehabt, ein Gefühl dafür, dass sich ein Musikerleben über vier, fünf Jahrzehnte hinweg entwickelt oder dass sich das Repertoire erst behutsam aufbauen muss. Junge Künstler sind doch nicht irgendein Produkt, das man auf den Markt wirft. Da sollte es wirklich nicht zugehen wie bei «Deutschland sucht den Superstar». Leider greift dieses Denken auch in der klassischen Musik um sich, das ist eine grosse Gefahr. Selbst wenn jemand eigentlich nicht mitmachen will, bleibt oft nichts anderes übrig, als mit den Wölfen zu heulen. Es braucht Mut zum Nein, und das bedeutet, dass es entweder länger dauert, bis es mit der Karriere klappt. Oder dass eine andere, die hübsch im Kleid daherhüpft, eher zum Ziel kommt, selbst wenn sie musikalisch vielleicht nicht so gut ist.

    Ein Jubiläum wie Ihr 40. Luzerner Festspieljubiläum ist immer auch Gelegenheit, zurückzublicken und Bilanz zu ziehen. Gibt es eine Interpretation oder einen bestimmten Moment in Ihrer Karriere, worauf Sie besonders stolz sind?
    Oh Gott! Jede Uraufführung war für mich etwas Wunderbares, weil ich da am schöpferischen Prozess teilhaben und den Grundstein für die Interpretation legen durfte. Diese Chance hat man bei historischen Werken natürlich nicht, weil man zunächst einmal mit einer riesigen Aufführungstradition konfrontiert wird. Aber stolz? Ich bin einfach nur dankbar, dass mir zum Beispiel ein so bedeutendes zeitgenössisches Werk wie Sofia Gubaidulinas In tempus praesens gewidmet ist, das 2007 hier in Luzern erstmals erklang. Das war dann wirklich ein grosser Moment.

    Interview: Susanne Stähr

    Die gesamte Serie «Frauenfragen» können Sie im Festival-Blog nachlesen.