Verrückt 4

Luca Pianca

Melli | Kapsberger | de Visée u.a.

Mi, 08.09. | 12.15 Uhr | Nr. 211333

Lukaskirche, Kirchensaal

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Preise (CHF)

CHF 30


Sommer-Festival

10.08.-12.09. 2021

 

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    Verrückt 4

    Luca Pianca

    Luca Pianca  Theorbe

    «Follie e Stravaganze»

    Werke von Pietro Paolo Melli, Alessandro Piccinini, Giovanni Girolamo Kapsberger, Giovanni Pittoni, Charles Hurel und Robert de Visée

    Dieser Tanz brachte halb Europa um den Verstand: Die Follia, deren Name auf Deutsch «Tollheit» oder «Wahnsinn» bedeutet, verbreitete sich ab dem 16. Jahrhundert von der iberischen Halbinsel wie ein Lauffeuer über den Kontinent. Sie galt als so ungezügelt und wild, dass sie zeitweilig sogar verboten wurde. Dabei basiert die Follia auf einem ganz simplen Modell: Über einer prägnanten Bassformel im Dreiertakt der Sarabande steigt die Oberstimme auf und ab; parallel dazu wechseln die Harmonien unentwegt zwischen Dur und Moll. Dieses Schema avancierte im Barock zum beliebtesten Grundmuster für Variationen, die immer kleinteiliger und schneller werden, bis es einem schwindelt. Der 2018 mit dem Schweizer Musikpreis ausgezeichnete Tessiner Lautenvirtuose Luca Pianca, ein langjähriger Mitstreiter von Nikolaus Harnoncourt und Giovanni Antonini, wird einige der schönsten «Follie» (und dazu andere verrückte «Extravaganzen») auf seiner Theorbe darbieten, deren tiefer, eherner Klang für die markante Bassstimme prädestiniert ist. Und er wird uns damit zur Raserei treiben.

    Luca Pianca

    Der Lautenist Luca Pianca, 1958 in Lugano geboren, studierte an der Salzburger Universität Mozarteum bei Nikolaus Harnoncourt, der ihn 1982 zum Concentus Musicus Wien holte — es war der Startschuss für eine über dreissig Jahre währende Zusammenarbeit. Interpretationsgeschichte schrieb Pianca, als er 1985 gemeinsam mit Giovanni Antonini das Ensemble Il Giardino Armonico gründete und mit dieser Formation für Furore in der Szene der Alten Musik sorgte. Seit 2008 leitet Luca Pianca sein eigenes Ensemble Claudiana. Mit ihm gestaltet er seither im Wiener Konzerthaus einen Bach-Zyklus, in dessen Rahmen bereits rund hundert Kantaten sowie das Weihnachtsoratorium und die Johannes-Passion zur Aufführung gelangten. Als Solist trat Pianca in den renommiertesten Konzertsälen auf, etwa in der New Yorker Carnegie Hall, in der Berliner Philharmonie, im Wiener Musikverein, in der Londoner Wigmore Hall oder in der Oji Hall in Tokio. Er gastierte bei den Salzburger Festspielen und wirkte bei Opernproduktionen am Opernhaus Zürich wie auch am Theater an der Wien mit. Unter der Leitung von Sir Simon Rattle interpretierte er die Johannes-Passion auch mit den Berliner Philharmonikern, gemeinsam mit Riccardo Muti war er in Oratorien von Alessandro Scarlatti zu hören. Luca Pianca arbeitet mit Kolleg*innen wie dem Geiger und Countertenor Dmitry Sinkovsky, dem Gambisten Vittorio Ghielmi oder den Sängerinnen Marie-Claude Chappuis und Roberta Mameli zusammen. Seine Diskographie umfasst über achtzig Einspielungen; gleich fünfmal wurde er mit dem Diapason d’or und viermal mit dem Choc von Le Monde de la Musique ausgezeichnet. Zuletzt, im Frühjahr 2021, erschienen Werke von Monteverdi mit dem Ensemble Claudiana und Anna Lucia Richter. 2018 wurde Luca Pianca mit dem Schweizer Musikpreis geehrt.

    Juli 2021

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