Opening/Happening

Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)

Andriessen

Fr, 19.11. | 22.00 Uhr

Europaplatz, KKL Luzern

Vergangenes Konzert


Forward-Festival

19.11.-21.11. 2021

 

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    Opening/Happening

    Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)

    Markus Güdel  Lichtdesign
    Louis Andriessen (1939–2021)
    Workers Union für ein beliebiges Ensemble laut klingender Instrumente

    Die Festival-Eröffnung als Happening: Mit Musik von Louis Andriessen kapern wir das KKL Luzern und den Europaplatz! Der im Juli verstorbene niederländische Komponist schrieb Workers Union 1975 für De Volharding, eine Art politisch engagierter Strassenmusik-Band aus Jazz- und klassisch ausgebildeten Musiker*innen. Während die rasant wechselnden Rhythmen genau festgelegt sind, gibt Andriessen die Tonhöhen nur annäherungsweise vor. Und auch die Besetzung liess er offen: Hauptsache, es wird laut! Das führt zu einer mitreissenden, kraftvoll-rauen Musik, die ihre Einflüsse – Strawinsky, Jazz und Minimal Music – nicht verleugnet. Er habe «individuelle Freiheit und strenge Disziplin verbinden» wollen, so Andriessen. Es sei für das Ensemble nicht leicht, «im Gleichschritt zu bleiben – das ähnelt dem Organisieren und Weitertragen einer politischen Aktion».

    Videoeinführung: 
    Lucerne Festival Forward Contemporary Leader Ettore Biagi spricht über Louis Andriessens legendäres Stück «Workers Union».

    Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)

    Mit dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra – kurz: LFCO – hat Lucerne Festival in diesem Jahr einen neuen Klangkörper ins Leben gerufen: ein Exzellenzorchester für die Aufführung neuer und neuester Musik. Das LFCO bildet damit das Pendant zum Lucerne Festival Orchestra und fokussiert sich auf Partituren des 20. und 21. Jahrhunderts, von den Klassikern der Moderne bis hin zu Auftragswerken, die in Luzern uraufgeführt werden. Die internationalen Mitglieder des LFCO haben alle von der Ausbildung in der von Pierre Boulez initiierten und heute von Wolfgang Rihm geleiteten Lucerne Festival Academy profitiert. Dank der engen Anbindung an die Academy und ihr Netzwerk ist das LFCO in der Lage, eine Vorreiterrolle bei der Interpretation aktueller Musik und bei der Entwicklung zukunftsweisender Konzertformate einzunehmen. In seinen Projekten nutzt es die Möglichkeiten der neuen Technologien; interdisziplinäre Arbeiten lassen neuartige Hör- und Konzerterlebnisse entstehen. Zu erleben ist das LFCO mit zahlreichen Auftritten beim Luzerner Sommer-Festival, bei Lucerne Festival Forward im November sowie natürlich bei Gastspielen in aller Welt. In seinem ersten Sommer arbeitete das LFCO u. a. mit Heinz Holliger, Lin Liao, Johanna Malangré und Enno Poppe zusammen und präsentierte Musik von Strawinsky und Webern bis zu Uraufführungen von Amarouch, Colţea, Milenko, Vaughan und Saunders. Es wirkte an Aufführungen von Kagels Staatstheater am Luzerner Theater mit, gestaltete mit Patricia Kopatchinskaja das inszenierte Konzert Bye-Bye Beethoven und trat beim Musikfest Berlin sowie im Oktober bei den Donaueschinger Musiktagen auf.

    Oktober 2021

    Weitere Termine

    Markus Güdel

    Der Luzerner Markus Güdel, Jahrgang 1983, ist seit 2003 als freischaffender Lichtdesigner in der gesamten Schweiz tätig. Er hat mit zahlreichen Regisseuren und Dramaturgen zusammengearbeitet und die Lichtgestaltung und Technische Leitung bei Musicals, Theater-, Konzert- und Crossover-Projekten übernommen. 2003 gründete er die Lichttechnikfirma «light.vision Lichttechnik GmbH», für die er seither als Geschäftsführer und Projektleiter tätig ist. In diversen kulturellen Institutionen – u. a. Le Théâtre Emmen, Zentralschweizer Jugendsinfonieorchester ZJSO und Musical Plus – engagiert sich Markus Güdel über die Tätigkeit als Lichtdesigner hinaus als Produzent, Technischer Leiter, Vereinsvorstand oder Berater für kulturelle und technische Belange. Daneben berät und vertritt er seit Herbst 2015 als Rechtsanwalt unter dem Label «kulturjurist.ch» Kulturschaffende rund um Rechtsfragen im Kulturbereich.

    www.konzertlicht.ch
    www.kulturjurist.ch

    August 2019

    Weitere Termine

    Biografie

    Louis Andriessen wurde 1939 in Utrecht als Sohn des Komponisten Hendrik Andriessen und der Pianistin Tine Anschütz geboren und starb im vergangenen Juli. Ersten Kompositionsunterricht erhielt er von seinem Vater und seinem Bruder, dem Komponisten Jurriaan Andriessen. Von 1954 bis 1962 studierte er bei Kees van Baaren am Königlichen Konservatorium in Den Haag, von 1962 bis 1965 bei Luciano Berio in Mailand und Berlin. In den 1960er Jahren machte Andriessen mit dezidiert politischen Werken wie dem kollektiven Musiktheater Reconstructie auf sich aufmerksam und beteiligte sich an der von den Studentenprotesten beeinflussten Erneuerung des niederländischen Musiklebens. Er formierte die Ensembles De Volharding (1972) und Hoketus (1976), war 1968 Mitbegründer des Amsterdamer Studios für elektro-instrumentale Musik (STEIM) und entwickelte eine rhythmisch akzentuierte, repetitive, bläserbetonte Musiksprache, die von der amerikanischen Minimal Music beeinflusst ist, sich aber auch auf Strawinsky und den Jazz bezieht. Ab 1974 unterrichtete Andriessen am Den Haager Konservatorium, ab 2004 an der Universität Leiden. Der internationale Durchbruch gelang ihm mit De Staat für Frauenstimmen und grosses Bläserensemble, einer Auseinandersetzung mit Platons Politeia, die 1977 mit dem Ersten Preis beim «Rostrum of Composers» der Unesco ausgezeichnet wurde. Auch in seinem weiteren Schaffen behandelte er immer wieder philosophische und politische Themen, so in De Materie (1985-88) oder in der Trilogie des letzten Tages (1996/97). Andriessen arbeitete eng mit den Regisseuren Bob Wilson und Peter Greenaway (u. a. Writing to Vermeer, 1997/98) zusammen und legte gemeinsam mit Hal Hartley die Filmoper La Commedia (2004-08) vor.

    November 2021

    Werkkommentar von Louis Andriessen zu Workers Union

    Workers Union was originally written for the orchestra De Volharding (“Perseverance”), in which I myself figured as a pianist at that time. This piece is a combination of individual freedom and severe discipline: its rhythm is exactly fixed; the pitch, on the other hand, is indicated only approximately, on a single-lined stave. It is difficult to play in an ensemble and to remain in step, sort of like organizing and carrying on political action.

    Louis Andriessen (1990)