Lucerne Festival Academy 3

Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Lin Liao

Coltea | Amarouch | Boulez

Fr, 03.09. | 21.30 Uhr | Nr. 212305

Südpol (Halle)

Vergangenes Konzert

Preise (CHF)

CHF 50


Sommer-Festival

10.08.-12.09. 2021

 

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    Lucerne Festival Academy 3

    Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) | Lin Liao

    Lin Liao  Dirigentin
    Victor Coltea (*1986)
    Orbitor für Ensemble
    Uraufführung | Auftragswerk von Lucerne Festival mit Unterstützung der Schweizer Kulturstiftung Pro Helvetia
    Samir Amarouch (*1991)
    Minitel Vanités für zwölf Musiker*innen
    Uraufführung | Auftragswerk von Lucerne Festival
    Pierre Boulez (1925–2016)
    Polyphonie X für 18 Instrumente

    Vor siebzig Jahren wurde Polyphonie X uraufgeführt. Und sorgte mit seinen zersplitterten, in all ihren Parametern einem radikal seriellen Ansatz unterworfenen Klängen für einen veritablen Premierenskandal, der den damals 26-jährigen Pierre Boulez schlagartig an die Spitze der Musikavantgarde katapultierte. Seinem Kollegen John Cage gegenüber hatte Boulez das Polyphonie-Projekt mit der Hybris des Turmbaus zu Babel verglichen und geunkt: «Hoffentlich falle ich nicht auf die Nase, wenn ich so auf der Bordsteinkante balanciere.» Nach wenigen Aufführungen strich er es aus seinem offiziellen Werkkatalog, weil er es als zu theoriebefrachtet empfand. Die Partitur erschien nie im Druck. Ein Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra ermöglicht nun eine neuerliche Begegnung mit Polyphonie X – mit einer faszinierenden Boulez’schen Werkkonzeption also, die einen wichtigen Schritt in seiner Entwicklung markiert. Und die auf zwei brandneue Arbeiten von Vertretern der jungen Komponistengeneration trifft, geschrieben für dieselbe Besetzung. 

    Hier können Sie das digitale Konzertprogramm erwerben.

    Ensemble des Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO)

    Mit dem Lucerne Festival Contemporary Orchestra — kurz: LFCO — hat Lucerne Festival in diesem Jahr einen neuen Klangkörper ins Leben gerufen: ein Exzellenzorchester für die Aufführung neuer und neuester Musik. Das LFCO bildet damit das Pendant zum Lucerne Festival Orchestra und fokussiert sich auf Partituren des 20. und 21. Jahrhunderts, von den Klassikern der Moderne bis hin zu Auftragswerken, die in Luzern uraufgeführt werden. Die internationalen Mitglieder des LFCO haben alle von der Ausbildung in der von Pierre Boulez initiierten und heute von Wolfgang Rihm geleiteten Lucerne Festival Academy profitiert. Dank der engen Anbindung an die Academy und ihr Netzwerk ist das LFCO in der Lage, eine Vorreiterrolle bei der Interpretation aktueller Musik und bei der Entwicklung zukunftsweisender Konzertformate einzunehmen. In seinen Projekten nutzt es die Möglichkeiten der neuen Technologien; interdisziplinäre Arbeiten lassen neuartige Hör- und Konzerterlebnisse entstehen. Zu erleben ist das LFCO mit zahlreichen Auftritten beim Luzerner Sommer-Festival, aber auch bei Lucerne Festival Forward im November. In seinem ersten Sommer arbeitet das LFCO mit den Dirigent*innen Heinz Holliger, Lin Liao, Johanna Malangré und Ilan Volkov zusammen und präsentiert Musik von Strawinsky und Webern bis zu Uraufführungen von Amarouch, Colţea, Milenko, Vaughan und composer-in-residence Rebecca Saunders. Mit Patricia Kopatchinskaja gestalten die Musiker*innen das inszenierte Konzert Bye-Bye Beethoven. Ausserdem wirken sie an Aufführungen von Kagels Staatstheater am Luzerner Theater mit.

    Juli 2021

    Weitere Termine

    Lin Liao

    Die taiwanesische Dirigentin Lin Liao studierte Komposition und Klavier an der National University of the Arts in Taipeh sowie Dirigieren an der Universität für Musik und darstellende Kunst in Wien. Ein wichtiger Mentor ihrer Karriere war Pierre Boulez, dessen Meisterkurs für Dirigenten sie 2007 im Rahmen der Lucerne Festival Academy besuchte; zum Abschluss wählte er sie, gemeinsam mit Pablo Heras-Casado und John Kevin Edusei, für das Dirigat von Karlheinz Stockhausens Gruppen aus. Damals lernte Lin Liao auch Peter Eötvös kennen, der sie anschliessend als Assistentin für Konzerte beim Rotterdam Philharmonic Orchestra und beim Asko|Schoenberg-En-semble verpflichtete und ausserdem 2009 zum Holland Festival einlud. Die zeitgenössische Musik bildet heute einen Schwerpunkt ihrer Arbeit: Regelmässig leitet sie führende Formationen wie das Ensemble intercontemporain, das Ensemble Modern oder das Collegium Novum Zürich. Mit dem WDR Sinfonieorchester trat sie im Rahmen der Reihe «Musik der Zeit» auf und konzipierte während der Corona-Pandemie eine multimediale Realisierung von Karlheinz Stockhausens Tierkreis. 2020 gastierte Lin Liao ausserdem beim Mozarteum Orchester Salzburg und trat bei den Wittener Tagen für neue Kammermusik auf; 2021 dirigierte sie das Ensemble Ascolta, die Basel Sinfonietta und das Festivalorchester des Schleswig-Holstein Musik Festivals. In den vergangenen Jahren war sie bereits zu Gast beim Ultraschall-Festival in Berlin, bei ManiFeste in Paris und bei den Klangspuren in Schwaz. In Taiwan leitet Lin Liao die Weiwuying Academy innerhalb der Contemporary Music Platform am National Kaohsiung Center for the Arts und widmet sich der Förderung talentierter taiwanesischer Musiker*innen im Bereich der Moderne.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL im Sommer 2007; Lin Liao übernahm hier eine der drei Dirigentenpositionen bei einer Aufführung von Stockhausens Gruppen.

    Juli 2021

    Weitere Termine

    Einführung von Wolfgang Rihm zu Beginn des Konzerts