Sinfoniekonzert 20

Chamber Orchestra of Europe | Bernard Haitink | Isabelle Faust

Dvořák

So, 04.09.11.00 UhrNr. 16304

KKL Luzern, Konzertsaal

Vergangenes Konzert


Mit dem Nachwuchs ins Konzert

Rollstuhlplätze reservieren Sie bitte unter t +41 (0) 41 226 44 80 (10.00-17.00 Uhr)

Sommer-Festival

12.08.-11.09. 2016

 

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    04.

    Sep

    Sonntag
    11.00

    KKL Luzern, Konzertsaal

    Sinfoniekonzert 20

    Chamber Orchestra of Europe | Bernard Haitink | Isabelle Faust

    50. Luzerner Bühnenjubiläum von Bernard Haitink
    Antonín Dvořák (1841–1904)
    Die Waldtaube op. 110
    Konzert für Violine und Orchester a-Moll op. 53
    Sinfonie Nr. 7 d-Moll op. 70

    «Ihr Klang hat Leidenschaft, er hat Biss, und er elektrisiert», urteilte die New York Times über die deutsche Geigerin Isabelle Faust. Und wer sie im letzten Luzerner Festspielsommer bei einem ihrer sechs Auftritte als «artiste étoile» erleben konnte, der wird diesem Urteil nur zustimmen. Seit 2009 ist die gebürtige Württembergerin Stammgast bei LUCERNE FESTIVAL und begeisterte das Publikum mit Werken von Biber bis Kurtág. Vielseitigkeit, Ernsthaftigkeit und erlesene Gestaltungskunst sind Markenzeichen dieser «Primadonna» ohne Allüren, die sich diesmal Dvořáks musikantisch zündendem Violinkonzert verschreibt – viel zu selten erklingt es in den Konzertsälen! Aber mit Bernard Haitink, einem ihrer bevorzugten Partner am Dirigentenpult, hat Isabelle Faust einen Gesinnungsgenossen in Sachen Dvořák gefunden: Der niederländische Maestro gibt mit der späten Tondichtung Die Waldtaube und der fiebrigen, dramatisch aufgeheizten Siebten Sinfonie ein nachdrückliches Plädoyer für den tschechischen Romantiker ab.

    Angebot: Mit dem Nachwuchs ins Konzert
    Was gibt es Schöneres, als den Nachwuchs in die Geheimnisse der klassischen Musik einzuführen? Beim Kauf einer Eintrittskarte für dieses Konzert erhalten Sie eine gleichwertige Freikarte für Ihre jugendliche Begleitung dazu. Das Angebot richtet sich an Kinder und Jugendliche bis einschliesslich 17 Jahre – solange der Vorrat reicht. Ihre Konzertkarten können Sie telefonisch unter der Nummer +41(0)41 226 44 80 bestellen: Von Montag bis Freitag zwischen 10 und 17 Uhr sind wir für Sie da.

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    Chamber Orchestra of Europe

    Das Chamber Orchestra of Europe (COE) wurde im Jahr 1981 von einer Gruppe junger Musikerinnen und Musiker gegründet, die sich im European Union Youth Orchestra kennengelernt hatten. Heute umfasst die Stammbesetzung rund 60 Mitglieder: Sie vereint Solisten und Stimmführer internationaler Klangkörper, renommierte Kammermusiker und Musikprofessoren. Von Beginn an prägte die Kooperation mit bedeutenden Dirigenten und Solisten das Profil. In den ersten Jahren war vor allem Claudio Abbado ein wichtiger Mentor: Er präsentierte mit dem COE auch szenische Werke wie Rossinis Il viaggio a Reims und Il barbiere di Siviglia oder Mozarts Figaro und Don Giovanni; hinzu kamen zahlreiche Konzerte insbesondere mit Werken von Schubert und Brahms. Mit Aufführungen und der Einspielung aller Beethoven-Sinfonien sowie durch Opernproduktionen bei den Salzburger Festspielen, den Wiener Festwochen und der styriarte setzte auch Nikolaus Harnoncourt Akzente. In der Saison 2016/17 arbeitete das COE u. a. mit Piotr Anderszewski, Renaud Capuçon, Vladimir Jurowski und Sir András Schiff zusammen. Unter der Leitung von Yannick Nézet-Seguin musizierte es im Juli 2017 in Baden-Baden Mozarts La clemenza di Tito. Ein Stammgast am Pult des COE ist Bernard Haitink, mit dem das Orchester bei LUCERNE FESTIVAL die Sinfonien und Konzerte von Beethoven, Brahms und Schumann interpretiert hat; im Januar 2017 gastierte es mit Haitink im Amsterdamer Concertgebouw. Mehr als 250 Werke hat das Chamber Orchestra of Europe aufgenommen; seine CDs wurden mit mehr als 60 internationalen Preisen ausgezeichnet, darunter der «Grammy», der «Record of the Year»-Award von Gramophone und der MIDEM «Classical Download Award». Zuletzt erschienen Violinkonzerte von Mendelssohn und Schumann mit Carolin Widmann; dieses Jahr kommen dann sämtliche Sinfonien Mendelssohns unter Leitung von Nézet-Séguin heraus.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL (IMF) am 21. August 1986 mit Werken von Prokofjew, Mendelssohn und Brahms unter Claudio Abbado. 

    Weitere Informationen finden Sie unter www.coeurope.org.

    April 2017

     

    Weitere Termine

    Bernard Haitink

    Bernard Haitink wurde 1929 in Amsterdam geboren. 1954 stand der ausgebildete Geiger erstmals am Pult und leitete das niederländische Radio Filharmonisch Orkest. 1956 folgte sein Einstand beim Amsterdamer Concertgebouw Orchestra, das ihn 1961 zum Chefdirigenten berief: 27 Jahre sollte er dort die Verantwortung tragen. Weitere Chefpositionen führten Haitink zum London Philharmonic Orchestra (1967–79), zum Glynde­bourne Festival (1977–88), ans Londoner Royal Opera House (1987–2002), zur Säch­sischen Staatskapelle Dresden (2002–04) und als Principal Conductor zum Chicago Symphony Orchestra (2006–10). Als Gastdirigent leitete Bernard Haitink u. a. die Berliner und die Wiener Philharmoniker, das Boston Symphony Orchestra und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. 2016/17 arbeitete er auch mit dem London Symphony Orchestra, dem Orchestre National de France, dem Tonhalle-Orchester Zürich, dem Orchestra Mozart sowie dem Orchester der Mailänder Scala zusammen. Das 19. und das frühe 20. Jahrhundert stehen im Mittelpunkt seines Repertoires – insbesondere seine Bruckner-, Mahler- und Schostakowitsch-Deutungen setzten Massstäbe; doch ist Haitink auch ein gleichermassen profilierter Interpret der Wiener Klassik. Bei LUCERNE FESTIVAL präsentierte er in den letzten Jahren gemeinsam dem Chamber Orchestra of Europe zyklische Aufführungen sämtlicher Sinfonien und Konzerte von Beethoven, Brahms und Schumann. Auch als Pädagoge ist er dem Festival verbunden, führt er doch seit 2011 jährlich zu Ostern einen Meisterkurs für Dirigenten durch. Bernard Haitink ist Ehrendirigent des Royal Concertgebouw Orchestra Amsterdam, «Knight of the British Empire», «Companion of Honour» und Mitglied im Oranier-Orden des Hauses Nassau. 2017 empfing er die höchste zivile Ehrung seines Heimatlands und wurde zum Commander im «Orden vom Niederländischen Löwen» ernannt.

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL (IMF) am 17. August 1966 mit dem Schweizerischen Festspielorchester und Werken von Schubert, Martin und Mahler. 

    April 2017

    Weitere Termine

    Isabelle Faust

    Die Geigerin Isabelle Faust wurde 1972 in Baden-Württemberg geboren. Bereits im Alter von elf Jahren gründete sie ein Streichquartett und gewann 1987 den Leopold-Mozart-Wettbewerb. Mit Christoph Poppen suchte sie sich einen Lehrer, für den die Kammermusik ebenfalls ein zentraler Bestandteil der musikalischen Arbeit ist. Nach ihrem Sieg beim Paganini-Wettbewerb im Jahr 1993 ging sie nach Frankreich, studierte intensiv die Werke Faurés und Debussys und machte mit Einspielungen der Sonaten von Bartók, Szymanowski und Janáček von sich reden. Isabelle Faust interpretiert ein Repertoire, das vom Frühbarock und Bach bis zu zeitgenössischen Komponisten wie György Ligeti, Helmut Lachenmann oder Jörg Widmann reicht. Ein besonderes Anliegen ist es ihr dabei, jedes Werk aus seiner Entstehungssituation heraus zu betrachten: durch das Studium von Originalquellen und die Berücksichtigung der historischen Aufführungspraxis. Isabelle Faust, die 2015 den Luzerner Festspielsommer als «artiste étoile» prägte, arbeitet regelmässig mit den Berliner Philharmonikern, dem Boston Symphony Orchestra, dem Chamber Orchestra of Europe und dem Freiburger Barockorchester zusammen. Dabei trat sie mit Dirigenten wie Giovanni Antonini, Frans Brüggen, Bernard Haitink, Daniel Harding, Philippe Herreweghe und Mariss Jansons auf. Vor allem aber konzertierte Isabelle Faust regelmässig mit Claudio Abbado, mit dem sie auch die Violinkonzerte von Beethoven und Berg einspielte und dafür mit dem «Diapason d’Or», dem «Echo Klassik» und dem «Gramophone Award» ausgezeichnet wurde. Mit ihrem Duopartner, dem Pianisten Alexander Melnikov, nahm sie sämtliche Beethoven- und Brahms-Sonaten auf; zuletzt erschien eine Schumann-Edition, u. a. mit dem Violinkonzert und den Klaviertrios. Isabelle Faust musiziert auf der «Dornröschen»-Stradivari aus dem Jahr 1704. 

    Debut bei LUCERNE FESTIVAL am 12. September 2009 mit Michael Jarrells … Paysages avec Figures absentes … (Nachlese IV) und dem Ensemble Contrechamps unter Stefan Asbury.

    August 2016

    «Die Violine ist ein emanzipiertes Instrument»
    Isabelle Faust über Geigen-Pionierinnen, Karrierevoraussetzungen und ihre Violine «Dornröschen»

    Isabelle Faust, beim diesjährigen Sommer-Festival in Luzern spielen Sie Antonín Dvořáks Violinkonzert. Dieses Werk wurde ursprünglich für den grossen Virtuosen Joseph Joachim komponiert, der es indes öffentlich nie zur Aufführung brachte. Stattdessen hat er einmal behauptet, Dvořáks Konzert sei für eine Frau viel zu schwierig. Was sagen Sie dazu?
    Wenn ich derselben Meinung wäre, würde ich dieses Stück natürlich gar nicht spielen, denn wer will sich schon in aller Öffentlichkeit blamieren … Ich denke, es gibt genug weibliche Geigerinnen, die längst die voreiligen Worte des von mir verehrten Joseph Joachim Lügen gestraft haben. Das Dvořák-Konzert war übrigens eines der allerersten grossen Violinkonzerte, die ich mir in jungen Jahren vorgenommen hatte, und ich liebe es heute noch genauso wie damals.

    Joseph Joachim wurde noch zu Lebzeiten widerlegt, nämlich von seiner eigenen Schülerin Maud Powell, die 1893 in New York die amerikanische Erstaufführung des Dvořák-Konzerts spielte. Wer sind für Sie die «prime donne», die grossen Pionierinnen unter den Violinvirtuosen?
    Es gab in der Vergangenheit fantastische, hochtalentierte Geigerinnen, ich denke da zum Beispiel an Isolde Menges, Kathleen Parlow, Alma Moodie, Ginette Neveu, Erica Morini, Galina Barinova, Ida Haendel und viele andere. Schon allein die Zahl weiblicher Virtuosinnen, die das doch sehr «maskuline» Brahms-Konzert kurz nach der Uraufführung durch Joseph Joachim einstudiert und erfolgreich aufgeführt haben (man denke nur an Marie Soldat, die Brahms höchstpersönlich damit in Entzücken versetzte!), ist beachtlich … Auch Stefi Geyer fällt mir jetzt spontan ein, die Geigerin, für die Bartók und Schoeck ihre Violinkonzerte schrieben. Oder Jelly d’Arányi, für die Ravel seine Tzigane schuf. Einen ersten bedeutenden Durchbruch für die Akzeptanz des weiblichen Violinspiels erzielten die Milanollo-Schwestern in den 1840er Jahren: Sie durchbrachen offenbar einige Vorurteile, denn die Violine wurde im 19. Jahrhundert allgemein tatsächlich als «nicht feminin» angesehen. Gleichzeitig aber wurde den konzertierenden Damen oft ein besonders gefühlstiefes (weniger virtuoses) Spiel zugeschrieben. In diesem Kontext ist es zum Beispiel sehr interessant zu sehen, wie die Geigerin Wilma Neruda in vielen Rezensionen Joseph Joachim quasi gleichgestellt wurde. Sie war so geschätzt, dass sie es sogar wagen konnte, zeitgenössische Werke aufzuführen.

    Wenn Sie an Ihre eigene Jugend zurückdenken, an Ihre Anfänge: Gab es da Geigerinnen, die Sie sich zum Vorbild nahmen? Oder haben Sie sich eher an männlichen Kollegen orientiert?
    Anne-Sophie Mutter war damals natürlich sehr präsent und wurde gerade in meiner baden-württembergischen Heimat sehr bewundert. Auch Kyung-Wha Chung und später Midori waren beeindruckende Beispiele. Ich hing musikalisch aber doch eher an älteren Vorbildern aus der Riege Isaac Stern, Arthur Grumiaux, Adolf Busch, Zino Francescatti und eben Ginette Neveu. Im Klavierrepertoire gibt es Werke, zum Beispiel die Klavierkonzerte von Brahms, die wesentlich seltener von Frauen als von Männern gespielt werden. Kennen Sie ein vergleichbares Phänomen im Violinrepertoire?
    Ich denke nicht, dass es so etwas bei der Geige gibt – sie benötigt im Vergleich zur Klaviertastatur vielleicht weniger dringend grosse, kraftvolle Hände. Hier entscheidet wohl eher der musikalische Geschmack als die speziell «maskulinen» beziehungsweise «femininen» Voraussetzungen. Ich jedenfalls habe solche Repertoire-Präferenzen bei den Geigern oder Geigerinnen noch nicht feststellen können und musste auch selber bisher noch nie auf ein bestimmtes Stück verzichten, weil es mir «zu maskulin» erschienen wäre.

    Sieht man auf die ganz junge Generation – ob unter den Solisten oder in Orchestern –, dann hat man den Eindruck, dass die Frauen, die Geigerinnen, längst in der Überzahl sind. Wie erklären Sie sich diesen Boom? Ist die Geige ein ideales «Frauen-Instrument»?
    Vielleicht wird das auch etwas überinterpretiert – ich denke, es gibt genauso viele wunderbare männliche Kollegen. Die Damen sind vielleicht einfach nur aufgerückt, vor allem seit die Orchester, die früher keine Frauen akzeptierten, sich geöffnet haben. Die Orchester waren ja lange eine pure Männer-Domäne, man denke nur an den legendären Skandal um Sabine Meyer! Speziell für die Violine braucht man aber wahrscheinlich, vor allem am Anfang, besonders viel Disziplin und Zielstrebigkeit, was manchen Mädchen in jungen Jahren vielleicht weniger Schwierigkeiten bereitet als den Jungs. Ich glaube aber wirklich, dass die Violine ein ganz emanzipiertes Instrument ist, das sich in den unterschiedlichsten Händen wohlfühlen kann.

    Ihre eigene Geige, eine Stradivari aus dem Jahr 1704, trägt den Namen einer weiblichen Märchengestalt: Dornröschen. Wissen Sie, wie es dazu kam?
    Sie hat sehr lange, ungefähr 150 Jahre, in einem Herrenhaus im Schrank geschlummert, man hatte sie tatsächlich einfach vergessen, daher der märchenhafte Name. Dass es hier um eine weibliche Märchenfigur geht, ist natürlich purer Zufall. Aber es stimmt, dass diese Violine besonders elegant, wenn nicht sogar zart gebaut ist, vor allem im Vergleich zu den späteren Stradivari-Modellen.

    Und musste dieses «Dornröschen» tatsächlich erst wachgeküsst werden?
    Es kam mir wirklich so vor, und diese royale Prinzen-Aufgabe ist mir zugefallen (da sieht man mal wieder, wie man mit den Rollenmustern falsch liegen kann). Ein Instrument möchte nach so vielen Ruhejahren erst einmal «freigespielt» werden, sich öffnen, aber auch kennengelernt werden. Das hat ein bisschen gedauert, aber nach zwanzig gemeinsamen Jahren sind wir jetzt «per Du».

    Die Fragen stellte Susanne Stähr

    Die gesamte Serie «Frauenfragen» können Sie im Festival-Blog nachlesen.