Mit dem diesjährigen Motto «Diversity» setzt Lucerne Festival ein Zeichen für Chancengleichheit unabhängig von der Hautfarbe, dem Geschlecht, der Religion, der sexuellen Orientierung oder der sozialen Herkunft. Die Wahl des Themas zeigt die Notwendigkeit eines strukturellen Wandels der Klassik-Branche auf, in der weisse Künstler*innen und in vielen Funktionen Männer noch immer stark dominieren. Eingeladen sind Künstler*innen aus gesellschaftlichen Gruppierungen, die in der Szene bis heute unterrepräsentiert sind. Dabei stehen auch viele Werke vergessener oder verdrängter Komponist*innen auf dem Programm. Darüber hinaus unternimmt das Festival den Brückenschlag zu anderen Musikstilen wie zu Jazz oder Volksmusik und präsentiert Werke mit multikulturellem Hintergrund. 

Das Lucerne Festival Orchestra eröffnet das Festival offiziell mit Chefdirigent Riccardo Chailly am 12. August. Zuvor stimmen international renommierte Jugendorchester im Rahmen von «Music for Future» auf den Konzertsommer ein: Die Jugend-Formation des von Chi-chi Nwanoku gegründeten Chineke! Orchestra spielt das erste Konzert. Es folgen das National Youth Orchestra of the USA sowie Chor und Orchester von Superar Suisse. Das Lucerne Festival Orchestra präsentiert im Eröffnungsprogramm ein neues Werk von Wolfgang Rihm, dem Künstlerischen Leiter der Academy. Darüber hinaus spielt Anne-Sophie Mutter als Reverenz an das Festivalthema ein Violinkonzert des schwarzen Mozart-Zeitgenossen Joseph Bologne, Chevalier de Saint-Georges. Der 2019 begonnene Rachmaninow-Zyklus wird fortgesetzt: mit der Zweiten Sinfonie e-Moll im Eröffnungskonzert, die im zweiten Programm des Orchesters mit dem Zweiten Klavierkonzert c-Moll gekoppelt wird. In einem weiteren Programm mit Riccardo Chailly ist die Erste Sinfonie von Gustav Mahler zu erleben, in Kombination mit den Liedern eines fahrenden Gesellen, die der junge Südtiroler Bariton Andrè Schuen gestaltet. Jakub Hrůša, der im vergangenen Sommer beim Lucerne Festival Orchestra als Einspringer mit einer gefeierten Interpretation von Dvořáks Sechster Sinfonie debutierte, kehrt nun für einen tschechischen Abend zurück und präsentiert Dvořáks Violinkonzert mit Augustin Hadelich als Solisten, die Sinfonie Aus der Neuen Welt sowie Josef Suks Scherzo fantastique.

Zwei stilistisch äusserst vielseitige Künstlerpersönlichkeiten übernehmen im Sommer 2022 die Position der diesjährigen «artistes étoiles». Der New Yorker Tyshawn Sorey ist Schlagzeuger, Pianist, Posaunist und Komponist, er ist Grenzgänger zwischen Jazz und zeitgenössischer Komposition und arbeitet mit Improvisation und offenen Spielanweisungen. Die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz ist als Opernstar auf internationalen Bühnen zu Gast und wurde 2021 an der Bayerischen Staatsoper für ihre Interpretation der Agathe in Webers Freischütz gefeiert.

Die Lucerne Festival Academy und das Lucerne Festival Contemporary Orchestra (LFCO) arbeiten mit composer-in-residence Thomas Adès und «artiste étoile» Tyshawn Sorey zusammen und widmen Wolfgang Rihm ein Konzert zum 70. Geburtstag.

18 Orchester gastieren innerhalb eines Monats in Luzern, neben den Berliner und den Wiener Philharmonikern sowie dem Royal Concertgebouw Orchestra werden u.a. das Cleveland Orchestra und das Philadelphia Orchestra erwartet. Weitere prominente Namen finden sich im Festivalkalender. Mit dabei sind Igor Levit, Víkingur Ólafsson, Sir András Schiff und viele mehr.