«Sternstunden mit Hühnerhaut-Effekt!»: Adrian Balmer

«Wir sind LUCERNE FESTIVAL»: Das musikalische Live-Erlebnis lässt sich nicht ersetzen. Wir haben Musikerinnen und Musiker, langjährige Festival-Besucher und Mitglieder des Festival-Teams nach ihren schönsten Momenten bei LUCERNE FESTIVAL befragt. Denn ein Konzert endet nicht mit dem Schlussapplaus, sondern hallt nach – im besten Fall jahrelang. Wir freuen uns über das nächste Interview, mit Adrian Balmer, Verwaltungsdirektor des Luzerner Theaters und bereits viele Jahre eng mit LUCERNE FESTIVAL verbunden:

Herr Balmer, wie lange sind Sie LUCERNE FESTIVAL schon verbunden und wie begann Ihre Beziehung zum Festival?

Mein erster Besuch bei den Internationalen Musikfestwochen (wie LUCERNE FESTIVAL damals noch hiess) datiert von 1973: eine Matinee mit dem Gitarristen Julian Bream in der St. Charles Hall in Meggen. Danach folgten schon bald unvergessliche Höhepunkte wie etwa Yehudi Menuhin (1974), das Debut von Anne-Sophie Mutter (1976), Herbert von Karajan mit Verdis Requiem und einem unübertrefflichen Solistenquartett (Mirella Freni, Agnes Baltsa, José Carreras, Nicolai Ghiaurov) und und und … Ab 1982 war ich während vieler Jahre Platzanweiser auf der Seitengalerie rechts vorne und hatte das grosse Glück, Altmeister wie Günter Wand, Georg Solti, Carlo Maria Giulini oder Sergiu Celibidache noch live erleben zu dürfen – Erinnerungen, die sich unauslöschlich eingebrannt haben. Ein anderer Aspekt, an den ich mich besonders gerne erinnere, ist die eigene Mitwirkung in Chören mit Auftritten bei den IMF, so etwa mit Brahms’ Deutschem Requiem (1983) oder Arthur Honeggers Christophe Colomb (1992).

Anne-Sophie Mutter debutiert in Luzern, 1976

Anne-Sophie Mutter debutiert in Luzern, 1976

Sie haben zahlreiche Konzerte sowohl im alten Kunsthaus als auch im neuen KKL erlebt. Was unterscheidet das Konzerterlebnis hier und dort?

Ich mochte das alte Kunsthaus sehr (auch weil ich in der dortigen Saalverwaltung meine kaufmännische Grundausbildung absolvierte). Aber es gab akustische Grenzen, die gerade auch in unseren durch das Aufkommen der CD verwöhnten Ohren immer eklatanter wurden. Natürlich waren Karajans Symphonie fantastique und Bilder einer Ausstellung oder Bernstein mit Mahlers Fünfter (allesamt 1987) trotzdem unvergessliche Erlebnisse. Aber es fehlte einfach das Raumvolumen zur Klangentfaltung. Dies wiederum löst das KKL auch über zwanzig Jahre nach seiner Eröffnung unvermindert kolossal ein – wobei die hervorragende Raumakustik nicht nur im Fortissimo, sondern ganz besonders auch im Pianissimo zum Tragen kommt.

Das alte Kunsthaus in LuzernBlick ins alte Kunsthaus Luzern, 1990

Das alte Kunsthaus in Luzern

Welches Konzert ist Ihnen unvergesslich? Und warum?

Es würde LUCERNE FESTIVAL nicht gerecht, wenn sich annährend 50 Jahre erlebte Festivalgeschichte auf ein einziges Konzert beschränken liessen. Nebst den bereits Erwähnten stehen für mich etwa auch ein Liederabend von Leontyne Price (1981), Othmar Schoecks Massimila Doni (1986) oder Händels Il trionfo del Tempo e del Disinganno (2001) und viele, viele weitere Konzerterlebnisse weit oben auf der Liste. Und natürlich der Mahler-Zyklus mit Claudio Abbado und dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA – da gab es etliche Sternstunden mit Hühnerhaut-Effekt!

Claudio Abbado, LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA, 2011

Claudio Abbado, LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA, 2011

Meist sind Sie mit der Partitur im Konzertsaal anzutreffen. Verfolgen Sie das ganze Stück mit oder geht es um das Nachschlagen einzelner Stellen?

Ja, wenn ich ein Werk sehr gut kenne, so lese ich im Konzert gerne in der Partitur mit. Das ist spannend, denn das Auge hört sozusagen mit. Das heisst: Ich höre noch viel mehr Details – oder aber entdecke spannende Interpretationsansätze, die sich oft auch stark von den in der Partitur notierten Angaben des Komponisten unterscheiden. Gerade Gustav Mahlers und Richard Strauss’ Partituren lesen sich übrigens aufgrund der sehr zahlreichen und detailbesessenen Anweisungen der Komponisten fast wie ein Krimi …

Erzählen auch Sie uns von Ihrem persönlichen Festival-Highlight!

Ein Konzert endet nicht mit dem Schlussapplaus, sondern hallt nach – im besten Fall jahrelang. Und auch Sie können mitmachen: Wir würden uns sehr freuen, wenn Sie uns von Ihrem persönlichen Festival-Highlight erzählen. Schicken Sie uns Ihre Geschichte schriftlich oder als Video-Datei an info@lucernefestival.ch.