Isabelle Briner bleibt daheim!

Konzertsäle geschlossen, keine Musikerinnen und Musiker auf der Bühne zu einem Klangkörper vereint um gemeinsam zu musizieren und das Publikum zu begeistern. Denn seit der Coronakrise findet Musik nur noch im geschützten Raum, in den eigenen vier Wänden statt. Doch was bedeutet dies für den Beruf als Musikerin und Musiker? Wir haben Mitglieder des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA gefragt: Violinistin Isabelle Briner.

Was bedeuten die Coronakrise und die durch sie bedingten Einschränkung für dich persönlich? Wie sieht dein Alltag aus?

Ich bin seit zweieinhalb Jahren komplett selbständig und habe bislang auch noch keine Fixstelle in einem Orchester gefunden, wo ich mich zu Hause fühle. Seit ein paar Monaten bereite ich mich konsequent auf Probespiele vor und übe daher schon sehr viel in meinen eigenen vier Wänden. So stecke ich bereits in der «Überquarantäne», so nennen wir das in der Musikerwelt, wenn mal keine Engagements reinkommen.

Im Februar war ich zwecks Vorbereitungen in New York bei meiner ehemaligen Lehrerin Sylvia Rosenberg und kehrte dann wieder in die Schweiz in die «Überquarantäne» zurück, bis sich allmählich auch hier die Lage verschlimmerte. Die einzige Swiss-Orchestra-Tour, die ich im März angetreten hätte, und die beiden Konzerte mit Diemut Poppen wurden leider abgesagt. Auch die drei Probespiele, auf die ich mich intensiv vorbereitet hatte, wurden auf unbestimmte Zeit verschoben.

Nun sitze ich alleine in Gersau und übe einfach weiter. Per Telefon kümmere ich mich um meine Freunde in der ganzen Welt. Als Musiker hat man ja auch die Freunde überall verteilt! Nebenbei versuche ich nun auch an diverse Notgelder heranzukommen, die mir hoffentlich mein «Überleben» möglich machen! Und üben? Das tut man ja auch normalerweise alleine, sodass mich das jetzt nicht wirklich stört.

Auch wenn ich ein «trauriges» Beispiel zu sein scheine, bleibe ich immer positiv – dies war mein Quarantäne-Wohnzimmer-Bericht.

Und was bedeutet es beruflich?

Ganz kurz: Diese Einschränkungen bedeuten wahrscheinlich meinen Untergang! Vor allem finanziell. Aber ich bin ein sehr positiver Mensch und aus Krisen geht man bekanntlich stärker hervor. Ich bin dankbar und froh, dass es mir soweit gesundheitlich ganz gut geht, und so soll es auch bleiben.

Musizieren ist ja eigentlich ein soziales Erlebnis: Musiker spielen miteinander, das Publikum hört zu. Was machen Musiker, wenn das plötzlich wegfällt?

Musizieren ist etwas sehr Soziales, ja. Momentan aber bin ich totale Einzelkämpferin und bereite mich auf diverse Probespiele vor in der Hoffnung, dass diese auch stattfinden oder dass die bereits abgesagten Probespiele bald nachgeholt werden. Denn diese Situation setzt mich persönlich schon sehr unter Druck, und ich versuche irgendwie, mein Leben so gut es geht im Griff zu behalten – auch wenn diese Krise gerade für uns Kulturschaffende, insbesondere die freischaffenden Künstler, eine riesige Katastrophe und existentielle Bedrohung darstellt.

Aber ich habe immer ein positives Gemüt, bleibe daher zuversichtlich und freue mich auf einen schönen Sommer bei LUCERNE FESTIVAL und auf das gemeinsame Musizieren mit meinen Kollegen dort.

Ein Ständchen aus dem Wohnzimmer von Isabelle Briner

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