Mitsuko Uchida zu Gast beim Osterfestival
Um die Werke der Wiener Klassik authentisch aufzuführen, muss man kein Wiener sein: Das beweist Mitsuko Uchida, die in Japan geborene Wahl-Londonerin, die am 17. April gemeinsam mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks unter Mariss Jansons Beethovens Drittes Klavierkonzert interpretieren wird. Und dabei befindet sie sich in bester Gesellschaft.
Denn nicht einmal die drei Protagonisten der Wiener Klassik waren waschechte Wiener: Joseph Haydn erblickte im Burgenland das Licht der Welt, Wolfgang Amadé Mozart wurde in Salzburg geboren (das zu seinen Lebzeiten noch nicht zu Österreich gehörte), und Ludwig van Beethoven, auf dessen «ordinären rheinländischen Dialekt» die Wiener naserümpfend herabsahen, stammte aus Bonn, seine Vorfahren waren gar Flamen. Mitsuko Uchida, die als 12-Jährige nach Wien kam, weil ihr Vater als Botschafter dorthin berufen worden war, teilt mit diesen drei grossen Komponisten also den «Migrationshintergrund». «Die Musik bekam für mich dort eine ganz neue Bedeutung», erinnert sie sich und nennt es «das Glück meines Lebens», dass sie in Wien studieren konnte. Ihre musikalische Sprache sei Deutsch, erklärt sie, mit Wiener Akzent, wie sich versteht: «Mit Wien verbinde ich vor allem den Dreierrhythmus der Ländler und Walzer, dieses etwas schlamperte Schleppen. Bei Wiener Walzern von Schubert kommt der zweite Schlag immer viel zu früh und der dritte zu spät. All dies steckt auch in mir, das ist mein Wiener Blut.»
Und trotzdem führte ihr Weg sie weiter, an die Themse, wo sie seit rund dreissig Jahren zuhause ist: «Ich hatte das Gefühl, in Wien weiss man, wie man musiziert, und dass es daher hier nicht so einfach ist weiterzukommen. Deswegen musste ich an einen Ort ohne zu viel Tradition gehen. Die Engländer haben nie die ganz grossen Komponisten hervorgebracht und nie versucht, sie zu besitzen. In London herrscht daher ein offenes Klima.»
Obwohl Mitsuko Uchida als Solistin weltweit gefeiert wird, gehört ihre ganze Leidenschaft der Kammermusik. Weshalb sie auch mit Freuden zusagte, als einige Musiker des BR-Symphonieorchesters sie fragten, ob sie am 16. April nicht zusätzlich noch Beethovens Quintett op. 16 mit ihnen aufführen wolle. «Es gibt Leute, die als Solisten geboren sind», glaubt die Pianistin. «Diese Leute sind immer wichtig, das ist eine andere Einstellung auf der Bühne. Und ich habe eines Tages entdeckt, dass ich eine Mitspielerin oder besser: eine Zusammenspielerin bin. Wenn ich ein Klavierkonzert spiele, höre ich also auch immer zu.» Ihren Interpretationen hat das gewiss nicht geschadet!
03 Februar 2011