Skurriler Humor und tiefer Ernst, traumverlorene Innerlichkeit und berstendes Temperament – das sind nur einige der scheinbar paradoxen Eigenschaften, die den ungarischen Pianisten András Schiff und seine Interpretationen auszeichnen. Wer einmal einen Klavierabend von ihm erlebt hat, wird wiederkommen: Schiffs Spiel zu hören ist beglückend – ihm dabei zuzusehen, ein Vergnügen obendrein.
Wenn András Schiff auftritt, dann verbeugt er sich nicht nur vor dem Publikum. Nein, bevor er auf seinem Klavierschemel Platz nimmt, hält er für einen Moment vor dem Flügel inne und verneigt sich vor dem Instrument, seinem unverzichtbaren Mitstreiter und Gefährten der kommenden Stunden. Diese Geste ist bezeichnend für sein berufliches Ethos und Selbstverständnis. Denn András Schiff weiss, dass auch der grösste Virtuose, der klügste Interpret und sogar der eitelste «Musikdarsteller» nur Diener ihrer Kunst sind: Sie bleiben allein das Medium, das die Meisterwerke der Vergangenheit und Gegenwart zu immer neuem Leben erwecken darf.
Und jeder Tag, jede Aufführung ist anders, ist einzigartig. «Ich kann heute nicht so spielen wie gestern oder morgen», erklärt Schiff und vertraut ganz auf die Magie des Moments. Jegliche Anbiederei an den Massengeschmack oder den Zeitgeist ist ihm fremd – oberste Priorität geniesst allein die Qualität. Gerade mit dieser Prämisse glaubt er, das Publikum gewinnen zu können: «Grosse Kunst ist ja keineswegs elitär. Alle Türen sind offen, aber man muss etwas dafür tun. Einen ‹Zauberberg› zu lesen, das verlangt Mühe. Aber es lohnt sich. So ist es auch in der Musik. Man muss kompromisslos für die Qualität kämpfen. Dann sind die Leute dankbar, weil sie nicht für blöd gehalten werden.»
Lohnen wird sich in jedem Falle der Besuch des Rezitals am 24. November, wenn András Schiff Werke von Felix Mendelssohn und Robert Schumann aufführt. Eine enge Freundschaft und wechselseitige Hochschätzung verband diese beiden Komponisten: Schumann mehrte publizistisch Mendelssohns Ruhm durch bahnbrechende Rezensionen in seiner «Neuen Zeitschrift für Musik», Mendelssohn wiederum brachte als Dirigent manches Orchesterwerk von Schumann zur Uraufführung. Und doch gelangten sie in ihrem Schaffen zu ganz verschiedenen Ergebnissen, wie András Schiff beweisen wird. Lassen Sie sich überraschen!
05 November 2010