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Abschluss einer Geburtstagsfeier: Schumanns Klaviermusik

Jinsang Lee (EMG) 

Jubiläen sind mehr als nur ein blosses Ritual der Kalendersklaven. Sie regen zu einer intensiven Auseinandersetzung mit dem Werk des Jubilars an und ermöglichen im besten Fall neue Einsichten. Nachdem unser Sommer-Festival Schumanns 200. Geburtstag mit Aufführungen seiner Sinfonien und Konzerte gefeiert hat, stehen im pianistischen Herbst naturgemäss die Klavierkompositionen auf dem Programm – auf drei Konzerte möchten wir Sie besonders hinweisen.

Zunächst hatte Robert Schumann bekanntlich eine Pianistenkarriere im Sinn, die er sich allerdings selbst verunmöglichte: Im Bestreben, seine Finger zu kräftigen, ruinierte er sich die rechte Hand durch die Benutzung eines mechanischen «Fingertrainers». Als Komponist schrieb Schumann dennoch zunächst ausschliesslich für das Klavier. Und auch, nachdem er im sogenannten «Liederjahr» 1840 seinen Gattungshorizont erweitert und sich anschliessend an die Grossformen Sinfonie, Konzert und Oper gewagt hatte, hielt er dem Klavier die Treue. Schliesslich war seine Frau Clara eine gefeierte Pianistin.

Klaviermusik aus allen Schaffensphasen Schumanns können Sie dieses Jahr bei LUCERNE FESTIVAL am Piano hören. Den Auftakt macht am 24. November Jinsang Lee, der «Géza Anda»-Preisträger 2009, der bei seinem Debut die halsbrecherische C-Dur-Fantasie interpretiert. Am Abend des 24. November stellt András Schiff dann Schumanns aufwühlende fis-Moll-Sonate, nach Aussage des Komponisten ein «langer Schrei meines Herzens», den «Sinfonischen Etüden» gegenüber, deren hohen Anspruch schon das Adjektiv «sinfonisch» markiert. Andreas Staier schliesslich präsentiert am 27. November zwei der populärsten Kompositionen Schumanns: seine «Kinderszenen» und die «Waldszenen» – allerdings auf dem Hammerflügel und damit im ungewöhnlichen historischen Klanggewand. Überdies kombiniert er sie mit Werken, die Schumann als Bach-Verehrer ausweisen: Bachs Fugen galten Schumann als «Charakterstücke höchster Art, zum Theil wahrhaft poetische Gebilde, deren jedes seinen eigenen Ausdruck, seine besonderen Lichter und Schatten verlangt». Eine kleine Werkschau mit Meilensteinen des Repertoires und Raritäten – wie gut, dass es Jubiläen gibt!

18 November 2010

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