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Das Liebespaar des Monats: Romeo und Julia

Das berühmteste Liebespaar Europas ist ein Vorreiter in Sachen doppelte Staatsbürgerschaft: Mag die tragische Geschichte von Romeo und Julia auch in Verona spielen, so ist sie doch vor allem mit dem Namen eines englischen Dramatikers verknüpft – William Shakespeare.

Shakespeares «lamentable tragedy» aus den 1590er Jahren, neben «Hamlet» wohl sein beliebtestes Drama, gilt als die Version des «Romeo und Julia»-Stoffs schlechthin. Nachdichtungen und Opernfassungen gibt es zuhauf, darüber hinaus Musical-Bearbeitungen wie Leonard Bernsteins «West Side Story» oder popkulturelle Adaptionen wie Baz Luhrmanns Hollywood-Verfilmung mit Leonardo di Caprio. Diese ungebrochene Faszination hat sicherlich damit zu tun, dass sich Shakespeare ganz auf die leidenschaftliche Zuneigung zwischen Romeo und Julia einerseits und auf die unglücklichen äusseren Umstände – die alte Fehde zwischen ihren Familien – andererseits konzentriert. Politische Ränkespiele, psychologische Komplikationen oder Konflikte zwischen der Neigung der Protagonisten und einer höheren Pflicht – all das gibt es hier nicht. «Romeo und Julia» ist reine Liebesgeschichte: Held und Heldin sind jung, schön und edel; sie begegnen einander, sie verlieben sich augenblicklich – und sie würden für immer glücklich miteinander leben, wäre da nicht die übertriebene Rivalität der verfeindeten Adelsgeschlechter Montague und Capulet, deren tragisches Opfer sie werden. Denn am Ende steht bekanntlich – trotz aller Listen, von der heimlichen Heirat bis zum Scheintod Julias – der Doppelselbstmord der Liebenden, die sich gegen die Widerstände einer von Hass und Intoleranz bestimmten Gesellschaft nicht durchzusetzen vermögen.
 
Die Intensität der Gefühle hat Shakespeares Drama gerade auch für Komponisten so interessant gemacht, bot sich doch hier die Gelegenheit, eine breite Palette an Emotionen auszudrücken. Dass die grosse Beliebtheit dieser Liebesgeschichte mit letalem Ausgang vielfach zum Erfolg auch der musikalischen Bearbeitungen beitrug, war ein weiterer positiver Nebeneffekt. In Luzern stehen im «Eros»-Jahr zwei herausragende Vertonungen auf dem Programm: Tschaikowskys Fantasie-Ouvertüre von 1869 ist am 17. August in einem ungewöhnlichen Arrangement zu hören – in einer Bearbeitung für das Brass Ensemble des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA. Ihre Virtuosität können die Musiker um den Trompeter Reinhold Friedrich anschliessend in Prokofjews Ballettmusik unter Beweis stellen. Die orchestrale Originalgestalt dieser wohl berühmtesten musikalischen Adaption des «Romeo und Julia»-Stoffs lassen dann am 9. September Esa-Pekka Salonen und «sein» Philharmonia Orchestra erklingen.

07 Mai 2010

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