Liebesbeziehungen – sie soll es auch zwischen einem Orchester und seinem Dirigenten geben. Das Philharmonia Orchestra aus London, das in diesem Sommer mit drei Konzerten «in residence» bei LUCERNE FESTIVAL ist, und sein finnischer Chef Esa-Pekka Salonen wären ein solcher Fall.
1983 sprang ein junger Finne, der damals erst 25-jährige Esa-Pekka Salonen, bei Mahlers Dritter Sinfonie kurzfristig am Pult des Philharmonia Orchestra ein: Es war der Auftakt einer wunderbaren künstlerischen Partnerschaft. Salonen wurde sogleich zum «Principal Guest Conductor» ernannt, und er hielt fortan regelmässig Einkehr an der Themse. 2006 wurde ihm schliesslich die Chefposition angetragen: «Es war etwa, als wenn Sie 25 Jahre eine Liebschaft unterhalten, und eines Tages sagt Ihnen der Partner: ‹Nun, wir sollten jetzt doch einmal heiraten …›», erklärte Salonen in einem Interview mit der «Times». In seinem privaten Leben hatte er zuvor schon Ernst gemacht, denn seine Frau Janet Price spielte als Musikerin – wo sonst? – beim Philharmonia Orchestra …
Die hohe Perfektion, die Feinfühligkeit, die Flexibilität und die Offenheit für Neues: Salonen weiss vieles zu preisen an seinen Musikern, mit denen er immer wieder ungewöhnliche Projekte durchführt. So auch in Luzern, wo er drei Programme dirigieren wird, die ganz im Zeichen des «Eros» stehen: Am 8. September stellt er uns den «finnischen Don Juan» Lemminkäinen vor, den Jean Sibelius zum Helden von vier Tondichtungen gemacht hat; am 9. September lässt er den verführerischen Gesang der Sirenen in Debussys «Nocturnes» erklingen und erzählt mit Sergej Prokofjew die todtraurige Geschichte von Romeo und Julia; und am 10. September, zum krönenden Abschluss, gibt es eine halbszenische Aufführung von «Tristan und Isolde» mit Videos von Bill Viola. Mit dieser Wagner-Oper übrigens hat das Philharmonia Orchestra nur beste Erfahrungen gemacht, spielte es doch die vielleicht berühmteste Aufnahme des «Tristan» überhaupt ein: die Deutung, die Wilhelm Furtwängler 1952 vorgelegt hat.
08 April 2010