Als die israelische Pianistin Yaara Tal und ihr deutscher Klavier- und Lebenspartner Andreas Groethuysen gefragt wurden, ob sie die berühmten «Goldberg-Variationen» von Johann Sebastian Bach in der Fassung für zwei Klaviere von Josef Rheinberger und Max Reger erarbeiten wollten, schreckten sie zunächst zurück. Doch dann schauten sie in die Noten – und sorgten für eine echte Entdeckung.
Bachs «Goldberg-Variationen» zählen zu den absoluten Gipfelwerken der Musikgeschichte. Entsprechend zurückhaltend reagierten Yaara Tal und Andreas Groethuysen, als ihnen angetragen wurde, eine romantische Bearbeitung für zwei Klaviere einzuspielen. «Wir hatten immer grössten Respekt vor dem Anspruch dieser Komposition», erklärt Groethuysen, und Yaara Tal erzählt von ihren Bedenken, dass «die Würde dieses Stücks zu sehr angekratzt oder es sogar verfälscht werden könnte». Doch als sich die beiden näher mit der Fassung des katholischen Kirchenmusikers Josef Rheinberger zu beschäftigen begannen, die Max Reger später noch einmal revidierte, staunten sie nicht schlecht: «Rheinberger macht aus einem protestantischen Werk ein katholisches», erläutert Yaara Tal den Effekt. «Wir sind in höchstem Masse begeistert», schwärmt auch Andreas Groethuysen. «Diese ‹Goldberg-Variationen› sind ein Glücksfall für jeden Interpreten. Oder anders gesagt: die reinste Erfüllung!»
Am 28. November werden Yaara Tal und Andreas Groethuysen die «Goldberg-Variationen» à la Rheinberger und Reger im KKL Luzern bei einem Gesprächskonzert erläutern und anschliessend komplett aufführen. Für das Luzerner Publikum bietet sich dabei die Gelegenheit, ein Duo kennenzulernen, dessen Entdeckerfreude ebenso gerühmt wird wie seine durchdachten Interpretationen und seine unvergleichliche Homogenität im Zusammenspiel. «Im Idealfall ergeben die zwei Individuen beim Duo-Spiel ein neues Ganzes, das mehr ist als die Summe der Teile», lüftet Andreas Groethuysen das Geheimnis. «Und das ist kein Wettstreit, sondern die höchste Form des Miteinanders.»
18 November 2010