Grosses barockes Welttheater, Himmel, Erde und Hölle, die christliche Heilsgeschichte auf drei Etagen, der Machtkampf zwischen Licht und Finsternis – dies alles bietet Georg Friedrich Händels römisches Oratorium «La Resurrezione». Nikolaus Harnoncourt wird das spirituelle Spektakel in Luzern dirigieren.
Strenggenommen widmete sich Händel einer verbotenen Kunst. Denn die Oper, das «Dramma per musica», war Anfang des 18. Jahrhunderts in Rom, in der Kapitale des Kirchenstaates, in Verruf geraten und durch päpstliche Edikte untersagt worden. Doch fanden die musikliebenden Mäzene bald ein neues Betätigungsfeld, das Oratorium, das durch die Wahl der Stoffe aus der Bibel oder den Heiligenlegenden dem strengen päpstlichen Anspruch einer geistlichen Läuterung entgegenkam. Dabei mussten die aristokratischen Opernliebhaber nicht einmal auf ihr gewohntes musikalisch-theatralisches Vergnügen verzichten.
Händels Oratorium «La Resurrezione di Nostro Signor Gesù Cristo» ging am Ostersonntag 1708 im Palazzo eines römischen Marchese erstmals in Szene – in einem Privattheater, das die Musiker vor einem monumentalen Auferstehungsgemälde platzierte: die Instrumentalisten unter der Doppeldirektion des jungen Händel und des arrivierten Arcangelo Corelli; und die fünf Sänger, die als Engel und Teufel, als «Lieblingsjünger» Johannes, als Maria Magdalena und als Frau des Kleophas ihre biblischen und allegorischen Rollen verkörperten, als wenn es sich um eine echte Opernpremiere handelte. Aber damit ging die Aufführungsgeschichte der «Resurrezione» auch schon für gut 250 Jahre zu Ende; erst in jüngerer Vergangenheit erlebte das römische Frühwerk des Giorgio Federico Hendel (wie er im Libretto genannt wird) seine musikhistorische Auferstehung. Nikolaus Harnoncourt und der Concentus Musicus werden dieses aussergewöhnliche Musikdrama in Luzern sogar nach einer druckfrischen und textkritischen Neuausgabe musizieren – beinahe eine zweite Uraufführung.
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24 Januar 2011