Wir dürfen Sie zu einer Geburtstagsfeier einladen, zum Zweihundertsten von Robert Schumann. Als Gratulanten reisen an: Riccardo Chailly und das Leipziger Gewandhausorchester, dessen grosse Tradition zurückreicht bis in Schumanns Zeiten.
Robert Schumann, der populärste und zugleich rätselhafteste der Romantiker, der die Kinder im Klavierunterricht ermutigt («Fröhlicher Landmann») und die Kenner im Konzertsaal ins Grübeln versetzt, namentlich mit seinem mysteriösen Spätwerk: Schumann kam vor 200 Jahren, am 8. Juni 1810, als Sohn eines Verlagsbuchhändlers im sächsischen Zwickau zur Welt. Niemand ist musikhistorisch mit seinem Werk so vertraut und verbunden wie die Musiker des Leipziger Gewandhausorchesters, die ihre Konzerte bei LUCERNE FESTIVAL dem grossen Jubilar gewidmet haben: Schumann aus erster Hand.
Dabei hat sich Riccardo Chailly, der als 19. Gewandhauskapellmeister seit 2005 an der Spitze des Traditionsorchesters steht, etwas Besonderes vorgenommen: Er bringt die Zweite und die Vierte Sinfonie des Komponisten in Fassungen zu Gehör, die Gustav Mahler einst für seine eigenen Schumann-Dirigate eingerichtet hatte. Ein Stück Interpretationsgeschichte wird auf diese Weise lebendig – und ein doppelter Geburtstagsgruss dargeboten: Denn 2010 ist auch ein Mahler-Jahr.
Freilich spielen die Leipziger Musiker auch Schumann im Original: Am 29. August stellt Frank Peter Zimmermann das selten zu hörende Violinkonzert vor, das erst 85 Jahre nach seiner Entstehung uraufgeführt werden konnte; und am 30. August musiziert Enrico Dindo, dessen Spiel der grosse Mstislaw Rostropowitsch einmal mit «einer wunderbar fliessenden italienischen Stimme» verglichen hat, das Cellokonzert. Dass sogar Schumanns frühe Klavierwerke im Grunde schon orchestral gedacht sind, das stellt Chailly schliesslich mit einer Transkription unter Beweis: Der Däne Karl Aage Rasmussen hat den Zyklus «Papillons» für Orchester eingerichtet.
Wenn Sie noch mehr Schumann hören wollen in diesem Sommer, dann hätten wir für Sie folgende Tipps parat: Wie wäre es mit der berühmten «Dichterliebe», die Thomas Quasthoff am 18. August vorträgt? Oder mit dem Klavierkonzert, dem sich «artiste étoile» Hélène Grimaud am 8. September widmet?
11 Juni 2010