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Die Liebe zur deutschen Musik: Hélène Grimaud

Hélène Grimaud (Mat Hennek/DG) 

Musikerin, Buchautorin und natürlich «die Frau mit den Wölfen» – Hélène Grimauds Interessen sind so vielfältig, dass darüber zeitweilig aus dem Blick gerät, was sie vor allem ist: eine der herausragenden Pianistinnen unserer Zeit. Diesen Sommer ist Hélène Grimaud in Luzern als «artiste étoile» zu Gast.

Als Hélène Grimaud in einem Interview gefragt wurde, ob sie lieber über «Energie» oder über «Disziplin» sprechen wolle, fiel ihre Antwort eindeutig aus: «Energie! … Disziplin ist wirklich ein nicht so schönes Wort. Energie passt auch besser zu mir als Disziplin.» Nun, ganz ohne Disziplin wird es nicht gegangen sein – davon zeugen die stupenden spieltechnischen Fertigkeiten der 40-jährigen Französin. Und doch: Hervorstechendes Merkmal ihres Spiels ist die einzigartige Verbindung von Emotionalität und Reflexion, ihr unbändiges Temperament, das sich in einem vielfach forschen, wiewohl stets überlegten Zugriff auf die Klassiker der Klavierliteratur äussert. Und das über die Grenzen der Musik hinausreicht: In den USA gründete Hélène Grimaud 1999 das «Wolf Conservation Center», das sich um die Aufzucht und Pflege von Wölfen kümmert; dieses Engagement hat sie in ihrer 2003 erschienenen Autobiographie «Variations sauvages» beschrieben. 2006 folgte das Reisetagebuch «Leçons particulières».

Auch musikalisch lässt sich die Ausnahmepianistin nicht einengen. So kombiniert sie Werke Beethovens mit zeitgenössischen Kompositionen; oder sie ignoriert die traditionellen Gattungsgrenzen und spürt in Liedern, Konzerten, Kammermusik- und Solostücken der Beziehung zwischen dem Künstlerehepaar Schumann und dem jungen Johannes Brahms nach. Hélène Grimauds besondere Vorliebe gilt dem deutschen Repertoire der Klassik und Romantik: Nicht zufällig hat sie Robert Schumanns a-Moll-Konzert, eines ihrer Lieblingsstücke, für ihren Auftritt mit Esa-Pekka Salonen und dem Philharmonia Orchestra am 8. September ausgewählt. Dieser träumerisch-introvertierten Komposition stellt sie am 23. August, begleitet vom Sydney Symphony unter Vladimir Ashkenazy, Beethovens heroisches Fünftes Klavierkonzert gegenüber: für Grimaud ein «Biest», das «den Interpreten durch die überwältigende Form, mit der er hantieren muss, zwingt, eigene Widersprüche zu reflektieren und sie in eine individuelle Form zu bringen». Auf Kontrastwirkungen angelegt ist auch das Klavier-Rezital am 19. August, das Werke von Mozart, Liszt, Berg und Bartók miteinander kombiniert – oder geht es vielmehr um die versteckten Beziehungen zwischen diesen auf den ersten Blick so verschiedenen Meistern?

Doch nicht nur als Solistin ist Hélène Grimaud in Luzern zu erleben: Mit Thomas Quasthoff interpretiert sie am 18. August Lieder von Schumann und Brahms, und am 22. August gestaltet sie mit Musikern des LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA einen Kammermusikabend, bei dem sie auch an der Celesta zu hören ist. Wer mehr nicht nur über die Künstlerin, sondern auch über den Menschen Hélène Grimaud erfahren möchte, der sollte nicht nur das Künstlergespräch am 21. August besuchen. Ihm sei überdies ein Kinobesuch empfohlen: Am 22. und 23. August zeigt das stattkino Luzern das Filmportrait «Mein Leben – Hélène Grimaud».

08 April 2010

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