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Unerhört neu: Bernard Haitinks Brahms-Zyklus

Bernard Haitink  

Wo feiern Musiker Geburtstag? Natürlich am Vierwaldstättersee. In der Saison 2008/09 war es Bernard Haitink, der seinen 80. Geburtstag im Rahmen von LUCERNE FESTIVAL beging – und sich einen Beethoven-Zyklus mit dem Chamber Orchestra of Europe (COE) gönnte. Nun feiert das COE sein 30-jähriges Bestehen und nimmt ein neues Grossprojekt in Angriff: Exklusiv für LUCERNE FESTIVAL entsteht eine siebenteilige Brahms-Reihe – natürlich unter der Leitung von Bernard Haitink.

Dass die Kombination Haitink/COE musikalisch äusserst ergiebig, ja aufregend ist, führte schon das Beethoven-Projekt vor Ohren: Vermeintlich Bekanntes klang unerhört neu, musiziert mit schlankem Ton, federndem Rhythmus und geradezu jugendlichem Überschwang. Das COE, das 1981 von jungen Musikern und Musikerinnen des European Union Youth Orchestra gegründet wurde und in Claudio Abbado einen prominenten Förderer fand, hat sich von Anbeginn intensiv mit den Erkenntnissen der historisch informierten Aufführungspraxis auseinandergesetzt. An diese Klangvorstellungen knüpfte 2008/09 auch Bernard Haitink an – was zeigt, wie sehr er bis heute neugierig und offen geblieben ist für neue Ansätze. Gleichzeitig kann der grosse niederländische Dirigent, der seit einigen Jahren am Vierwaldstättersee lebt, auf seine aus langjähriger Erfahrung erwachsene Meisterschaft zurückgreifen. Insbesondere Brahms gehört seit jeher zum Kernbestand seines Repertoires, mehrfach hat er die Werke des Romantikers eingespielt.

Und so verspricht der neue Brahms-Zyklus ebenso aufschlussreich zu werden wie die begeisternde Beethoven-Hommage: Sämtliche Sinfonien und Konzerte haben sich Haitink und das COE für die kommenden drei Festivals vorgenommen, dazu die zwei frühen Serenaden, die «Akademische Festouvertüre», die «Haydn-Variationen», die «Tragische Ouvertüre» und das «Deutsche Requiem». Den Auftakt bilden am 22. und 25. November bei LUCERNE FESTIVAL am Piano natürlich die beiden Klavierkonzerte: das dramatische Erste und das deutlich gelöstere, aber nicht weniger virtuose Zweite. Den gefürchteten Solopart übernimmt Emanuel Ax, der amerikanische Meisterpianist mit polnisch-ukrainischen Wurzeln, der hier die ganze Bandbreite seines pianistischen Könnens unter Beweis stellen kann: seine perfekte Technik, vor allem aber seine interpretatorische Sensibilität.

05 November 2010

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