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Die Legende lebt: Die Berliner Barock Solisten musizieren Pergolesis «Stabat Mater»

Musik von Giovanni Battista Pergolesi haben gewiss die meisten Konzertbesucher schon einmal gehört – allerdings unter dem Namen Igor Strawinsky! Der vor 300 Jahren geborene Italiener zählt zu den erstaunlichsten Genies der Musikgeschichte, von Bach neidlos bewundert, von Rousseau wortreich gefeiert, und blieb doch bis zum heutigen Tag ein Rätsel. Die Berliner Barock Solisten spielen sein legendäres «Stabat Mater» in der Luzerner Jesuitenkirche.

Als Strawinsky seine neoklassizistische Ballettmusik zu «Pulcinella» komponierte, verarbeitete er in dieser genialen Collage ausgewähltes «Material von Pergolesi». Das glaubte er zumindest. Erst Jahrzehnte später kam allmählich ans Licht, dass sich Strawinskys Ballett «d’après Pergolesi» auch aus Vorlagen ganz anderer Komponisten zusammensetzte, deren Arbeiten irrtümlich oder irreführend in den Werkkatalog Pergolesis einsortiert worden waren. Der vor 300 Jahren, am 4. Januar 1710 unweit von Ancona in den Marken geborene Italiener war schon als 26-Jähriger an Tuberkulose gestorben. Sein früher Tod zog eine Legenden- und Mythenbildung von nie gekannten Dimensionen nach sich, einen wahren Pergolesi-Kult, der eine Hochkonjunktur für Fälschungen und Fehlzuschreibungen auslöste. Mittlerweile wissen wir, dank Forscherfleiss und detektivischem Spürsinn, dass von den rund 330 zirkulierenden Pergolesi-Werken nur jedes zehnte tatsächlich aus seiner Feder stammt.
 
Über jeden Zweifel erhaben und nachweislich echt ist das berühmte «Stabat Mater», seine mutmasslich letzte Komposition, die der todkranke Pergolesi am Ende seines viel zu kurzen Lebens als Auftragswerk schuf. Geistliche Musik ohne Chor und Orchester – die ideale Herausforderung für die Berliner Barock Solisten, ein Ensemble, in dem sich Musiker der Berliner Philharmoniker mit der Prominenz der Alten-Musik-Szene verbündet haben: Seit Jahren gehören sie in Luzern zu den Favoriten und Publikumslieblingen der Festspielbesucher. Pergolesi verzichtete für sein «Stabat Mater» zwar auf einen Chor, nicht aber auf die hohe italienische Vokalkunst. Er schrieb Arien und Duette von berührender, herzergreifender Schönheit. Mit der Sopranistin Genia Kühmeier und der Altistin Bernarda Fink wird das Pergolesi-Jubiläum am 6. September zum Ereignis der erlesenen Gesangskultur. Wahrer Pergolesi!

07 Mai 2010

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