Sie stammen aus China, Frankreich und Georgien, sind allesamt noch keine 25 Jahre alt – und zählen doch schon jetzt zu den gefragtesten Pianistinnen weltweit: Yuja Wang, Lise de la Salle und Khatia Buniatishvili, drei Ausnahmekünstlerinnen, die eine goldene Zukunft der Tastenkunst versprechen. Alle drei sind diesen Herbst bei LUCERNE FESTIVAL zu Gast, mit Programmen, wie sie unterschiedlicher nicht sein könnten. Nachdem wir im letzten Newsletter die 23-jährige Lise de la Salle portraitiert haben, stellen wir Ihnen heute die ein Jahr ältere Yuja Wang vor.
«Flying Fingers» − diesen Spitznamen trägt die 1987 in Peking geborene Yuja Wang, Tochter einer Tänzerin und eines Schlagzeugers, nicht zu Unrecht: Wie ihr Landsmann Lang Lang verfügt sie über aussergewöhnliche technische Fähigkeiten und eine vorwärtsdrängende Musizierfreude, die selbst beinahe unspielbare Stücke als blosse Fingerübungen erscheinen lassen. Davon konnte sich vor zwei Jahren auch das Luzerner Publikum überzeugen, als Yuja Wang zusammen mit Claudio Abbado und dem LUCERNE FESTIVAL ORCHESTRA Prokofjews Drittes Klavierkonzert in ein pianistisches Feuerwerk verwandelte – zugleich der Ritterschlag für die chinesische Tastenstürmerin. Seither hat sie eine rasante Karriere absolviert: Sie gastierte bei den grossen Orchestern und Festivals der Welt, spielte in einer weiteren Zusammenarbeit mit Abbado ein Rachmaninow-Album ein und wurde 2009 als «Young Artist of the Year» mit einem begehrten «Grammy» sowie im vergangenen Oktober als «Nachwuchskünstlerin des Jahres» mit dem deutschen Musikpreis «Echo Klassik» ausgezeichnet.
Doch Yuja Wang beschränkt sich nicht auf die «Schlachtrösser» des Konzertbetriebs, sondern wagt sich ebenso an Raritäten und ungewöhnliche Werkkombinationen. «Mir geht es um ein möglichst hohes Mass an Qualität. Und ich finde, wir sollten uns damit abfinden, dass klassische Musik eben nicht die ganz grossen Massen erreicht», erklärt sie. Für ihren Auftritt am 23. November hat sie ihr Programm aus künstlerischen Gründen noch einmal umgestellt und unternimmt nun eine Tour d’Horizon durch die grosse Zeit der russischen Klaviermusik: Von Skrjabins poetischen Miniaturen über Rachmaninows brillante «Études-Tableaux» bis zu Prokofjews martialischer Sechster Klaviersonate führt die musikalische Reise – mit einem Abstecher nach Wien, zu Beethoven.
16 November 2011