Im kommenden Sommer wird er sein neues Amt als Chefdirigent der Sächsischen Staatskapelle Dresden antreten, ab 2013 übernimmt er zudem die Leitung der Salzburger Osterfestspiele … und schon in der nächsten Woche ist Christian Thielemann mit «seinem» neuen Orchester zu Gast bei LUCERNE FESTIVAL, erstmals seit neun Jahren. Am 9. und 10. September kombiniert Thielemann spätromantische Raritäten von Ferruccio Busoni und Hans Pfitzner mit Werken zweier Komponisten, die ihm seit jeher besonders am Herzen liegen: mit Brahms Erster und Bruckners Achter Sinfonie.
Die Dresdner Staatskapelle kann auf eine grosse Bruckner-Tradition zurückblicken, zu der Chefdirigenten wie Karl Böhm, Herbert Blomstedt, Giuseppe Sinopoli und Bernard Haitink massgeblich beigetragen haben – und die nun von Christian Thielemann fortgeführt wird: Seine Interpretation der Achten Sinfonie, die er auch in Luzern aufs Programm gesetzt hat, begeisterte das Dresdener Publikum und das Orchester im September 2009 derart, dass ihm die Kapellmusiker umgehend den Posten des Chefdirigenten anboten. «Um Bruckner wirklich zu verstehen, muss man sich wohl erst einmal auf die Langsamkeit einlassen − seine Musik ist nicht im eigentlichen Sinne feurig», erläutert Thielemann seinen Ansatz. «Für den Hörer von heute bedeutet das die Wiederentdeckung der Langsamkeit. Zwangsläufig findet er dann heraus, dass diese Langsamkeit sehr wohl ein unglaubliches Feuer ist. Allerdings lodert es unter der Oberfläche.»
Auch bei Brahms bevorzugt Thielemann einen warmen, klaren Orchesterklang, wie ihn die Sächsische Staatskapelle pflegt. Der ganz eigene «Brahms-Sound» − «schön dunkel, besonders durch die Klarinetten-Bratschen-Cello-Lage, die er so liebt» − ist für Thielemann ein «norddeutsches Erbe, das Erbe eines nebligen Novembertages in der norddeutschen Tiefebene. Es ist eine ganz spezielle Stimmung, die aber, wenn man dann das rettende Kaminfeuer erreicht oder die warme Stube oder die dampfende Suppe, umso mehr eine Dankbarkeit und grosse Freude hervorruft. So klingt für mich der Norden.»
01 September 2011