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Beethovens Modernität

Maurizio Pollini  

«Beethoven ist für mich immer eine Lebensaufgabe gewesen», bekennt Maurizio Pollini. Er habe sich «daher sehr intensiv mit seiner Musik befasst, wohl mehr als mit jedem anderen Komponisten.» Während zweier Festival-Sommer wird Pollini in seiner neuen Reihe «Pollini Perspectives» Beethovens mittlere und späte Klaviersonaten ergründen – und sie neuen Werken von Giacomo Manzoni, Salvatore Sciarrino und Helmut Lachenmann gegenüberstellen, die eigens für seine Luzerner Auftritte entstehen. «Ich habe grossen Gefallen daran gefunden, Konzerte zu denken, Konzerte zu planen, die unsere Konventionen durchbrechen. Solche Programm spiegeln auch die Neugierde eine Musik wider, die jenseits meines ‹normalen› Berufs liegt.»

Beethoven, so Pollini, «war in seiner Epoche ein ungewöhnlich innovativer, revolutionärer Komponist.» Ein Beispiel dafür sei sein «antikonformer» Einsatz des Pedals, das oft «über weite Strecken gehalten werden soll, was zu harmonischen Vermengungen führt. […] Das erzeugt starke Spannungen, die Beethoven auch erreichen wollte.» Wenn Pollini bei seinen Luzerner Auftritten Beethovens Sonatenschaffen mit zeitgenössischen Partituren konfrontiert – ein Konzept, das er seit den 1970er Jahren immer wieder erprobt hat −, dann tritt zweierlei umso deutlicher hervor: Die Experimentierfreudigkeit des «Klassikers» wie auch die Rückbezüge und Kontinuitäten der Neuen Musik. Zum Auftakt der «Pollini Perspectives» am 17. August erklingen mit der «Appassionata» und der «Waldstein-Sonate» zwei ebenso wegweisende wie populäre Sonaten Beethovens; dazu «Il rumore del tempo», ein neues Stück des italienischen Altmeisters Giacomo Manzoni nach Gedichten von Aleksandr Blok, Georg Trakl und anderen.
Welche Begeisterung Pollinis Gegenüberstellung klassischer und zeitgenössischer Kompositionen auszulösen vermag, bewies seine Klavier-Matinee im vergangenen Sommer: Pollini kombinierte Werke von Chopin und Debussy mit Pierre Boulez’ vertrackter Zweiter Klaviersonate aus dem Jahr 1947 – und wurde dafür mit minutenlangen Standing Ovations gefeiert. Seien wir also gespannt auf den nächsten Ohren öffnenden Streich des Meisters!

11 August 2011

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