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Landschaften und Legenden: Mit Franz Liszt durch die Schweiz

Franz Liszt  

Er besuchte den Rheinfall bei Schaffhausen, ruderte über den Walensee, stieg zu Fuss auf die Rigi − 1835/36 durchstreifte Franz Liszt die Schweiz, gemeinsam mit seiner Geliebten, der französischen Gräfin Marie d’Agoult, mit der er zuvor aus Paris geflohen war. Musikalisch verarbeitet hat Liszt die vielfältigen Eindrücke dieser Jahre im ersten Band seiner «Années de Pèlerinage». Andreas Haefliger interpretiert am 24. November alle neun Stücke – und nimmt uns mit auf eine musikalische Reise in die schweizerische Gebirgswelt.

Ein handfester Skandal ging Liszts Schweizer Wanderjahren voraus: In Paris hatte er Ende 1832 die Gräfin Marie d’Agoult kennengelernt. Sechs Jahre älter als Liszt, gehörte sie als geborene de Flavigny dem französischen Hochadel und damit einer ganz anderen Gesellschaftsschicht an. Überdies war sie mit dem Offizier Charles d’Agoult verheiratet, mit dem sie zwei Töchter hatte. Dennoch gehen die beiden ein Liebesverhältnis ein: Zunächst treffen sie sich heimlich in Liszts Wohnung (die sie scherzhaft das «Ratzenloch» nennen), bald jedoch wird die Situation gesellschaftlich unhaltbar. Die Liebenden verlassen Paris 1835 auf getrennten Wegen, treffen sich in Basel und reisen gemeinsam nach Genf weiter, wo sie schliesslich eine Wohnung mieten. Drei Kinder werden in dieser «wilden Ehe» geboren, die bereits Ende der 1830er Jahre zerbricht.

Künstlerisch sind Liszts Schweizer Jahre überaus produktiv: Ohne von Konzerttermin zu Konzerttermin hetzen zu müssen, kann er sich ganz dem Komponieren widmen. Sein frühes «Album d’un Voyageur» (1840–42) zieht er zwar ein Jahrzehnt später zurück. Doch in überarbeiteter Form gehen die Klavierstücke dieses musikalischen Reisetagebuchs in die drei Bände der «Années de Pèlerinage» (1855−61) ein, die neben der grossen h-Moll-Sonate als Liszts wichtigste Klavierkomposition gelten können.

Der erste Band der «Années de Pèlerinage» ist der Schweiz gewidmet: Sei es das zarte Säuseln der Quelle in «Au Bord d’une Source» oder der Gewittersturm in «Orage», seien es pastorale Hirtenmelodien, die leise plätschernden Wellen des Walensees oder die Glockenklänge von Genf – mit grossem pianistischen Raffinement evoziert Liszt unterschiedlichste (Klang-)Situationen. Und lässt sich dabei auch literarisch inspirieren: Mehr als die Tellskapelle selbst hat ihn wohl Schillers berühmtes Drama zu seinem Porträt des Schweizer Nationalhelden angeregt. Und ein «Vallée d’Obermann» existiert ohnehin nur in der Dichtung: Liszt spielt hier auf den Protagonisten eines damaligen Kultromans von Étienne Pivert de Senancour an. Wie suggestiv die «Années de Pèlerinage» konkrete Reiseeindrücke und poetische Legenden verbinden, wird sich am 24. November erweisen, wenn Andreas Haefliger Liszts tönendes Abbild der Schweiz mit Franz Schuberts nachdenklicher G-Dur-Sonate koppelt.

22 September 2011

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