Der kanadische Bariton Gerald Finley begann seine musikalische Laufbahn als Chorknabe an der St. Matthew’s Church in Ottawa und studierte später Gesang am Royal College of Music sowie am King’s College in Cambridge. Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte er am Opernstudio der English National Opera. Das offizielle Debut erfolgte beim Glyndebourne Festival als Sid in Brittens Albert Herring; dort wurde er gleich danach als Papageno in Mozarts Zauberflöte verpflichtet und mit dem «John Christie Award» ausgezeichnet. Vor allem als Mozart-Interpret erlangte Finley bald Weltruhm: Die Rolle des Don Giovanni gestaltete er an der New Yorker Metropolitan Opera, am Covent Garden in London, in Paris, Wien und München; als Figaro-Graf war er bei den Salzburger Festspielen und in Amsterdam zu erleben. Nach und nach erarbeitete sich Gerald Finley aber auch das Repertoire des 19. und 20. Jahrhunderts mit Partien wie Tschaikowskys Eugen Onegin und dem Jeletzki in Pique Dame, Frank und Fritz in Korngolds Die tote Stadt, oder Captain Balstrode in Brittens Peter Grimes. Unter Leitung von Simon Rattle interpretierte er die Rolle des Golaud in Debussys Pelléas et Mélisande und wurde dafür 2008 mit dem «Laurence Olivier Award» ausgezeichnet. Mehrere Bühnenwerke hat Finley zur Uraufführung gebracht, so Doctor Atomic von John Adams, The Silver Tassie von Mark Anthony Turnage, Tobias Pickers Fantastic Mr. Fox und Kaija Saariahos L’Amour de loin. Der Konzertsänger Gerald Finley arbeitete mit den führenden Orchestern und Dirigenten unserer Zeit zusammen. Regelmässig gibt er Liederabende, etwa in der Londoner Wigmore und der New Yorker Carnegie Hall, in diesem Jahr auch bei der Schubertiade und den Schwetzinger Festspielen, und er hat dieses Repertoire auch auf CDs eingespielt: Zuletzt erschienen Lieder von Barber und Ives, für die ihm der «Gramophone Award» verliehen wurde.
9. Dezember 2008