«Das Wichtigste in meinem künstlerischen Leben ist, die Tradition mit Neuem zu verbinden», bekennt Jörg Widmann, «composer-in-residence» bei LUCERNE FESTIVAL im Sommer 2009. Zugleich ein weltweit gefragter Klarinettist, hat der 1973 geborene Münchner mit der Tradition reiche praktische Erfahrung gesammelt, die er in seine schöpferische Arbeit einbringen kann. Und er hat einen unverkrampfteren Zugang zum historischen Erbe gewonnen als viele seiner Kollegen. Widmann gelingt es, über den Tellerrand hinauszublicken. Weshalb reine Avantgarde-Festivals seine Sache nicht sind: «Ich finde, dort müsste zum Beispiel auch der späte Schumann erklingen, etwa die ‹Geistervariationen›, die ich für die sonderbarsten und wunderbarsten Klavierstücke überhaupt halte. Da würde man merken, wie modern Schumann ist – wahrscheinlich moderner als wir alle zusammen. Natürlich auch umgekehrt: Im Abonnement ist mir ebenso wichtig, dass man dort auch die neuen Stücke spielt. Man muss aus diesen künstlichen Trennungen herauskommen.»
In Luzern findet Jörg Widmann den idealen Rahmen, um seine Kunst in ein aufschlussreiches Wechselspiel mit der Tradition zu stellen: Seine Orchesterwerke, Klavierstücke, Quartette und Fantasien werden gekoppelt mit Mozart, Weber und Schumann, mit Wagner, Brahms und Berg. Natürlich gibt es ein exklusives Komponistenportrait, auch wird die Uraufführung seines für Heinz Holliger geschriebenen Oboenkonzerts mit grosser Spannung erwartet. Doch darüber hinaus interpretiert Jörg Widmann auch Mozarts Klarinettenkonzert, er spielt Kammermusik mit Yefim Bronfman, und er unterrichtet an der LUCERNE FESTIVAL ACADEMY. Vielseitigkeit ist also Trumpf – und für das Publikum ein Gewinn, denn wer das Spiel des Klarinettisten Widmann hört, wird die Partituren des gleichnamigen Komponisten anders und besser verstehen. Wie hatte es sein Lehrer Wolfgang Rihm formuliert? «Jörg Widmann ist alles zuzutrauen.»
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