«Natürlich gibt es genügend Konservatorien und Musikhochschulen. Aber die zeitgenössische Musik geht dort oft vergessen», weiss Pierre Boulez. Weshalb er 2004 die LUCERNE FESTIVAL ACADEMY ins Leben rief: eine Art «Meisterschule» für 130 hochbegabte junge Musikerinnen und Musiker aus aller Welt, die sich bei täglichen Proben, Workshops und Lektionen in der Interpretation von Kompositionen des 20. und 21. Jahrhunderts fortbilden. «Wir konzentrieren uns auf eine kurze Periode, insgesamt etwa drei Wochen, und auf einige spezielle Werke und Themen», erklärt Boulez. «Zudem gibt es jedes Jahr Uraufführungen, und so können die Studenten in der Praxis lernen, was das genau heisst: Musik von heute.» Als einer der renommiertesten Komponisten der Gegenwart weiss Pierre Boulez, dass zwischen den Intentionen der Werke und ihrer Ausführung mitunter Welten klaffen. Als Dirigent wiederum kennt er die Schwierigkeiten, denen sich die Orchestermusiker bei zeitgenössischen Stücken gegenübergestellt sehen, nur zu genau. Weshalb es ihm zunächst darum geht, den Sinn der Musik zu offenbaren: zu zeigen, «warum eine gewisse Komposition so und nicht anders geschrieben ist. Alle gute Musik hat ihren zwingenden Grund. Und erst, wenn das einigermassen vertraut ist, kommt die Technik hinzu, auch die Technik des Hörens, des Analysierens: ob ein gewisser Spieler an einer gewissen Stelle wichtig ist oder weniger wichtig. Das nenne ich Kultur des Zusammenhangs, die Kultur des Kollektivspielens. Wenn man das zwei, drei Wochen intensiv probiert, dann bekommen die Musikstudenten den Klang ins Ohr und wissen viel eher, wie man diese Musik spielen muss.»
Eine ausführliche Biographie von Pierre Boulez finden Sie hier.